Am 6. September heulen alle Sirenen in Nordrhein-Westfalen gleichzeitig – ein landesweiter Probealarm, der die Bevölkerung sensibilisieren soll. In Lünen wird es an diesem Tag jedoch still bleiben, obwohl eigentlich 29 neue Sirenen geplant sind.

Lünen

, 02.09.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollten die Sirenen verschwinden. Nach dem Ende des Kalten Krieges, in dem sie die Bevölkerung vor einem Atomangriff gewarnt hätten, sahen viele Städte und Gemeinden keinen Sinn darin, die Geräte weiter zu nutzen und für deren Instandhaltung zu zahlen. Schließlich nutzten die Feuerwehren mittlerweile den stillen Alarm über Funkmeldeempfänger, und für größere Katastrophen gab und gibt es ja noch Fernsehen und Radio, um die Bevölkerung zu erreichen.

Alle Sirenen in NRW heulen – nur in Lünen bleibt es still

Der Pilz hat ausgedient: So sehen die neuen elektronischen Sirenen aus. © Foto: Jörg Heckenkamp

In Lünen wurde diese Denkweise sehr konsequent umgesetzt: Nach Angaben der Verwaltung gibt es im gesamten Stadtgebiet keine einzige einsatzbereite Sirene mehr. Im Gegensatz dazu hat allerdings nicht nur im Kreis Unna ein Umdenken stattgefunden: Auf Initiative des NRW-Innenministeriums wird es am Donnerstag, 6. September, erstmals einen landesweiten „Warntag“ geben. Um 10 Uhr sollen alle Sirenen des Landes aufheulen, zudem wird die Warn-App „Nina“ eine Probemeldung verschicken, und auch Lautsprecherfahrzeuge werden Testwarnungen verkünden. „Durch den landesweiten Warntag soll das Thema Warnung wieder ins Bewusstsein gerückt und die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung gestärkt werden“, heißt es dazu aus Düsseldorf.

Signale unverändert

Michael Makiolla, Landrat des Kreises Unna, präzisiert: „Angst muss niemand haben. Ahnung schon.“ Die Sirenen sollen als Ergänzung zu digitalen Warnmeldungen sicherstellen, dass die komplette Bevölkerung im Ernstfall erreicht wird. Gerade nachts seien Fernsehen und Radio aus, das Mobiltelefon lautlos gestellt.

Alle Sirenen in NRW heulen – nur in Lünen bleibt es still

Das Alarm-Schema der Sirenen in Deutschland. © Kreis Unna

Deshalb setzen Land und Kommunen in diesen Tagen wieder auf den „Weckeffekt“ einer Sirene, die vielerorts eine Art Comeback erlebt. Allerdings nicht mehr in Form eines Pilzes, sondern eher als Lautsprecher: Die mechanischen Sirenen haben ausgedient, elektrische Sirenen sind effektiver. Und lauter. Die Signale sind unverändert: Ein an- und abschwellender Dauerton, eine Minute lang, ist eine Warnung; ein zweimal unterbrochener, einminütiger Dauerton alarmiert die Feuerwehr; ein einminütiger, unveränderter Dauerton gibt Entwarnung.

Kosten sind gestiegen

In Lünen werden diese Signale am 6. September allerdings nicht zu hören sein. Zwar hatte auch die Lippestadt bereits 2015 entschieden, ein neues Sirenennetz aufzubauen. 25 Standorte waren damals festgelegt worden, die Gesamtkosten waren mit 335.000 Euro kalkuliert, inklusive 65.000 Euro Planungskosten für ein Fachbüro, zuzüglich Betriebskosten von 100 Euro jährlich pro Sirene. 34.560 Euro gab es vom Land als Zuschuss. Bis 2018 sollte der Ausbau des Warnnetzes abgeschlossen sein.

Passiert ist seitdem nichts. Wie die Stadt auf Nachfrage erklärt, hat ein Planungsbüro alles noch einmal überarbeitet. Ergebnis: „Es sollen 29 Sirenen installiert werden. Die Ausschreibung ist inzwischen erfolgt.“ Die Gesamtkosten seien auf 370.000 Euro gestiegen, bei den Betriebskosten geht man mittlerweile von 260 Euro pro Sirene und Jahr aus.

Eine Begründung für die Neuplanung und die gestiegenen Betriebskosten lieferte die Stadt nicht. Dafür soll es jetzt aber wirklich schnell gehen: „Noch in diesem Jahr werden die ersten Sirenen installiert, der Rest erfolgt bis Ende 2019“, teile Pressesprecherin Kerstin Schatz mit.

Alarmierung per Funk

Setzt das Land NRW seinen Plan um und führt den Warntag ab sofort jährlich durch, könnten also 2019 die ersten Sirenen zumindest testweise wieder in Lünen heulen. Sollte die Stadt von Katastrophen verschont bleiben, blieben auch die Sirenen still – die Feuerwehr soll weiterhin über Funk alarmiert werden.

Ausnahme: Fällt das Funknetz aus, kämen die Sirenen zum Einsatz. Und spätestens nach dem Alarmtag 2019 wissen dann auch die Lüner wieder, bei welchem Signal sie besser das Radio oder das Mobiltelefon einschalten sollten.

Weitere Infos und Audios der Sirenensignale gibt es auf den Seiten des Landes NRW: www.warnung.nrw
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