Alleinerziehende bekommt doch noch Kleingarten

Borkerin zieht es nach Lünen

Eine alleinerziehende Mutter will einen Kleingarten pachten und bekommt eine krachende Absage. So hat es Sabrina Wellenkamp aus Selm-Bork erlebt. Dort wollte man ihre kleine Familie nicht im Verein haben - weil Kinder auch mal laut sind, vermutete die 33-Jährige. Jetzt hat sie ihr Gartenglück doch noch gefunden. Und zwar in Lünen-Alstedde.

ALSTEDDE/BORK

, 07.04.2017, 19:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sabrina Wellenkamp und ihre Kinder Dustin und Lenia haben ihr kleines Gartenglück in der Anlage "Grüne Insel" gefunden. Anders als in Bork hatte die Alleinerziehende in Alstedde keine Probleme.

Sabrina Wellenkamp und ihre Kinder Dustin und Lenia haben ihr kleines Gartenglück in der Anlage "Grüne Insel" gefunden. Anders als in Bork hatte die Alleinerziehende in Alstedde keine Probleme.

Sohn Dustin (8) wässert mit dem Schlauch das Beet, Tochter Lenia (3) schaukelt, Mutter Sabrina (33) strahlt: Seit Mitte der Woche ist sie offiziell Pächterin der kleinen Parzelle in der Anlage „Grüne Insel“ am Kapellenweg. „Alle haben hinter uns gestanden, der Vorstand ist total familienfreundlich“, sagte Sabrina Wellenkamp. Sie betont das so ausdrücklich, weil es vor ein paar Tagen in Bork ganz anders gelaufen ist. Mit einem Kleingärtner dort war sie sich bereits einig, seinen Garten zu übernehmen. Aber der Vorstand des Kleingartenvereins Bork lehnte ab.

Familie und Garten seien „nicht zu schaffen“

„Beruf, Haushalt, zwei Kinder – und dann noch einen Kleingarten mit verpflichtenden Gemeinschaftsaufgaben. Das ist doch gar nicht zu schaffen“, erklärte Vorsitzender Helmut Goldstein auf Anfrage unserer Redaktion. Außerdem hätte es Ärger geben können, „weil einige Mitglieder sie kennen“, so Goldstein weiter.

Sabrina Wellenkamp glaubt zu wissen, was (auch) hinter dem Argwohn steckt – dass es mal laut werden könnte, wenn ihre Kinder spielen. In Alstedde, wo die „Grüne Insel“ jetzt zu einer Art Rettungs-Insel für sie und die Kinder wurde, hat sie einen ganz anderen Eindruck. „Es gibt hier viele Kinder, alles ist super.“

Das bestätigt der 2. Vorsitzende der „Grünen Insel“, Marco Marlin: „Wichtig ist, dass neue Mitglieder zu uns passen, ob alleinerziehend oder nicht, ist doch egal, wir freuen uns über Kinder.“ Marlin hat selbst zwei, die im Garten spielen. In vielen Gärten der Anlage stehen Spielgeräte: Rutschen, Schaukeln, Trampoline. Auch Andrea Wellenkamp will jetzt ein Trampolin für ihre Kinder anschaffen. Den Garten in Alstedde fand sie per Anzeige im Internet bei Ebay.

Anwalt eingeschaltet

Abgehakt hat sie die schlechten Erfahrungen in Bork noch nicht. „Keine Alleinerziehenden zu nehmen, empfinde ich als absolute Diskriminierung.“ Die Borkerin hat sich deshalb mit ihrem Anwalt beraten. „Er fordert jetzt in meinem Namen Schadenersatz in Höhe von 1000 Euro vom Borker Verein.“ Auf die Reaktion ist Sabrina Wellenkamp schon gespannt.

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