Angeklagte erscheint barfuß vor Lüner Amtsgericht

Illegale Aufnahmen

Barfuß aus Protest – so ist am Freitag eine 53-jährige Angeklagte vor dem Lüner Amtsgericht erschienen. Der Prozess hatte außerdem mit Verspätung begonnen, da die Polizei die Angeklagte zu Hause abholen musste. Die Lünerin weigert sich seit langem, ihren Rundfunkbeitrag zu zahlen. Angeklagt war sie allerdings wegen illegaler Aufnahmen und deren Verbreitung im Internet.

LÜNEN

, 11.11.2016, 15:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Richter Ulrich Oehrle zeigte sich nicht im geringsten davon beeindruckt, dass die Frau keinerlei Auskunft geben wollte. Der einzige Satz, den sie lautstark von sich gab, lautete: „Ich werde mich nicht auf die Anklagebank begeben!“ Weil sie sich danach weigerte, Platz zu nehmen, musste die Lünerin ihren Prozess eben stehend verfolgen. Demonstrativ sah sie dabei weder Richter noch Staatsanwalt an.

Heimlicher Mitschnitt

Ein offensichtlicher „Kampf gegen das Establishment“ hatte auch zur Anklage geführt. Weil die Lünerin sich geweigert hatte, ihre Fernsehgebühren zu bezahlen, hatte sie im November letzten Jahres einen Termin beim Lüner Obergerichtsvollzieher gehabt. Der 59-Jährige sagte als Zeuge aus. Er habe versucht, mit ihr über einen Zwangsvollstreckungsantrag zu sprechen. „Sie hat keine Auskünfte gegeben und hat sich geweigert, irgend etwas zu unterschreiben.“ Doch ganz untätig war die 53-Jährige bei dem Termin nicht geblieben: Sie hatte das Gespräch heimlich aufgenommen - und es später auf ihre Homepage im Internet gestellt. Deshalb die Anklage wegen „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“.

"Abstruse Weltanschauung"

Mit dem Urteil, einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen á 30 Euro, folgte Oehrle dem Antrag der Staatsanwaltschaft. „Sie ist verbohrt und hat eine abstruse Weltanschauung; man weiß nicht, was sie will“, sagte er in ihre Richtung. Die Lünerin zeigte keine Reaktion.  „Auch wenn Sie mich nicht ansehen, Sie hören mich sehr wohl!“, betonte Oehrle. Danach entließ er die Frau. Ihr Computer wird allerdings eingezogen.

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