Angeklagter streitet Paletten-Betrug in Lünen ab

Großbäckerei Lieken

Er soll im großen Stil bei der Lieferung von Europaletten getrickst und sich so rund 1,5 Millionen Euro aufs Konto geschaufelt haben: Gut sechs Jahre nach dem Auffliegen des Betrugsskandals bei der Lüner Großbäckerei Lieken stand am Dienstag der Hagener Paletten-Fabrikant vor Gericht – und stritt alles ab.

LÜNEN

26.09.2017, 18:33 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Palettenskandal im Umfeld der Lüner Großbäckerei Lieken ist seit Dienstag zum dritten Mal ein Fall für das Dortmunder Landgericht. Nach dem Disponenten einer Lieken-Unterfirma und einem Berufskraftfahrer muss sich nun auch der mutmaßliche Drahtzieher des Millionenbetruges verantworten.

Dem 48-jährigen Angeklagten gehörte vor Jahren ein Hagener Palettenhandel. Und der machte mit Lieken gute Geschäfte. Jeden Monat benötigte die Großbäckerei Tausende Paletten, um alle Kunden schnell, pünktlich und zuverlässig beliefern zu können. Mindestens einmal pro Tag fuhr deshalb ein Sattelzug von Hagen nach Lünen und lieferte Nachschub.

Ab 2009 soll der heute 48-Jährige dann mit dem zuständigen Disponenten bei Lieken ein illegales Abkommen getroffen haben. Fortan, so die Staatsanwaltschaft, standen auf den Lieferscheinen viel mehr Paletten, als tatsächlich geliefert worden waren. Lieken zahlte natürlich trotzdem. Den Mehrverdienst sollen sich der Angeklagte und der bereits 2013 zu über drei Jahren Haft verurteilte Lüner geteilt haben.

Früherer Angestellter in Hauptbelastungszeuge

Der 48-Jährige denkt aber gar nicht daran, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft abzunicken. Er sei unschuldig, ließ er seinen Verteidiger zu Prozessbeginn erklären. Zeugen, die das Gegenteil behaupteten, würden lügen, um ihren eigenen Kopf zu retten.

Einer der Hauptbelastungszeugen ist ein früherer Angestellter des Palettenhandels. Der Berufskraftfahrer war für die Lieferung der Paletten zuständig und will noch ganz genau wissen, dass er oft auch andere Dinge im Gepäck hatte. „Mindestens einmal pro Woche habe ich einen Umschlag abgegeben“, sagte der Zeuge den Richtern. „Mir war klar, dass da keine Briefmarken drin waren.“ Ab und zu habe er sogar einen Geldschein erkannt.

Verteidiger kündigt langen Prozess an

Die „Post“ sei stets an den Disponenten in Lünen zugestellt worden - den Mann, der im Gegenzug den Empfang von Hunderten gar nicht gelieferten Paletten abzeichnete. Insgesamt soll so bei Lieken ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro entstanden sein. Der Verteidiger kündigte bereits einen langen und aufwändigen Prozess an.

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