Noch-Kanzlerin Angela Merkel zieht sich nach 16 Jahren aus der Politik zurück. © Markus Schreiber/Pool AP/dpa
Analyse

Angela Merkel wäre in Lünen nie Kanzlerin geworden: Bundestagswahlen seit 1990

Lünerinnen und Lüner haben ihren eigenen Kopf. Auch in Fragen der Bundespolitik. Angela Merkel wäre nie Kanzlerin geworden, wenn es nach ihnen gegangen wäre, wie die Analyse zeigt.

Traumwerte von fast 60 Prozent wie bei der Bundestagswahl 1998 sind für die SPD in Lünen nur noch Erinnerung. Aber immerhin: Hätten die Lünerinnen und Lüner es allein zu entscheiden, wären die Sozialdemokraten in dem Zeitraum von 1990 bis zur Wahl 2009 mit absoluter Mehrheit allein regierende Partei gewesen. Wahlergebnisse, die sich die SPD auch zu der Zeit im Bund erträumt hätte.

Die Union konnte in Lünen dagegen bei den zurückliegenden acht Bundestagswahlen in Lünen nie wirklich als Alternative zur SPD überzeugen. 1990 erreichte sie mit 34,3 Prozent der Lüner Stimmen das beste Ergebnis in diesem Zeitraum. 2017 waren es 25,7 Prozent. Aus Angela Merkels 16-jähriger Kanzlerschaft wäre so nie etwas geworden.

Bei den Bundestagswahlen 2009 verloren die Sozialdemokraten in Lünen ihre ruhrgebietstypische absolute Mehrheit und stürzten auf 38 Prozent ab. Die Wählerinnen und Wähler der Stadt schickten - ganz bundeskonform - die Große Koalition ins Rennen.

2009 hätte Lünen fast Rot-Rot gesehen

Ein zum Greifen nahes rot-rotes Bündnis scheiterte damals rechnerisch nur ganz knapp. SPD und Die Linke wären in Lünen auf 48,9 Prozent der örtlichen Stimmen gekommen. 2005 hatte sich Die Linke zur drittstärksten Kraft in Lünen entwickelt. Mit einem Stimmenanteil von gerade einmal 0,2 Prozent der Stimmen war sie 1990, damals noch als Vorgängerpartei PDS, gestartet. 2009 schaffte sie mit 10,9 Prozent ihr bestes Lüner Bundestagswahl-Ergebnis. Dabei hatte Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) um die Jahrtausendwende noch gespottet, dass, „deren Anhänger im Westen in einer Telefonzelle Platz finden“. Diesen dritten Platz in der Lüner Wählergunst behielt Die Linke aber nicht lange.

Bei der letzten Wahl zum deutschen Bundestag 2017 sorgte das Erstarken der AfD für eine weitere Erosion der Stimmenanteile bei den beiden ehemals großen Volksparteien - in Lünen genauso wie im Bund.

Lünen lässt AfD auf den dritten Platz vorrücken

Mit 12,5 Prozent der Stimmen - und damit fast dem gleichen Ergebnis wie auf Bundesebene (12,6) - ließen die Lünerinnen und Lüner 2017 die Rechtsaußen in den Bundestag einziehen - gleich als drittstärkste Kraft.

Aber nicht nur die AfD, sondern auch FDP und Die Linke gewannen Stimmenanteile gegenüber der Bundestagswahl 2013 hinzu - die FDP sogar so stark, dass sie an den Linken vorbeizog. Damit bescherten sie SPD und CDU auch in Lünen historisch schlechte Ergebnisse - aber immerhin noch genug Stimmenanteile für die Fortsetzung der Großen Koalition.

Als einzige andere der im Bundestag vertretenen Parteien verschlechterte sich 2017 auch Bündnis90/Die Grünen. Die Lünerinnen und Lünern bescherten ihnen lediglich einen denkbar knappen Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde: 5,1 Prozent.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
Zur Autorenseite
Sylvia vom Hofe