Angeln in Corona-Krise erlaubt – Zwei Gewässer in Lünen geschlossen

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Angeln ist ein gutes Hobby in der Corona-Krise. Man sitzt am Wasser und hält Abstand. Aber am Fischteich in Brambauer und Hostmarer See dürfen dennoch keine Ruten ausgeworfen werden.

Lünen

, 12.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fußballer und andere Mannschafts- und Vereinssportler leiden gerade extrem: Sie können ihrem Hobby nicht nachgehen. Für die Lüner Angler hingegen hat sich seit der Corona-Kontaktsperre nichts wesentliches verändert. Sie können ihrem Hobby weiterhin nachgehen.

„Bei uns ist Angeln noch erlaubt“, erklärte Kreisfischereibeauftragter Michael Prill. In Berlin sei das bei vielen beliebte Freizeitvergnügen jedoch verboten worden. Ob an Kanal oder Lippe - in Lünen ist das Angeln weiterhin erlaubt.

Kommerzieller Fischteich ist gesperrt

Gesperrt ist jedoch der Fischteich am Forsthaus in Brambauer - und das verärgert die Betreiberfamilie enorm. „Im Kreis Recklinghausen ist das Angeln an den Fischteichen wieder erlaubt, im Kreis Unna ist es das nicht“, ärgert sich die Betreiberfamilie. Denn ein Teich in Waltrop ist gerade mal sieben Kilometer entfernt. Die Familie befürchtet, Stammkunden dorthin zu verlieren.

Zwar zeigen die Homepages der geöffneten Fischteiche, dass gewisse Corona-Sonderregeln eingehalten werden müssen, aber wer fischen möchte, ist seit dem 4. April wieder gerne gesehen. Die Stadt Waltrop beruft sich dabei auf ein Schreiben des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen bezüglich der Ausübung der Angelfischerei in Nordrhein-Westfalen während der COVID-19-Pandemie. Darin heißt es: „An kommerziellen Angelanlagen („Angelparks, Forellenseen“) werden Forellen als hochwertiges Lebensmittel durch Aquakulturunternehmen direkt vermarktet. Personen mit gültigem Fischereischein können dort Forellen für den Eigenbedarf fangen und diese verwerten.“ Weiter heißt es, dass kommerzielle Angelanlagen demnach nicht unter die Verbote der Coronaschutzverordnung fallen, sondern grundsätzlich weiter zulässig sind.

Das Forsthaus in Brambauer muss Angler jedoch wegschicken - und das bedeutet für die Betreiberfamilie herbe finanzielle Verluste.

Entlang der Lippe gibt es viele Stellen, die bei Anglern sehr beliebt sind - und die auch in Corona-Zeiten gerne aufgesucht werden.

Entlang der Lippe gibt es viele Stellen, die bei Anglern sehr beliebt sind - und die auch in Corona-Zeiten gerne aufgesucht werden. © Stephanie Tatenhorst

Angeln an Lippe und Kanal ist erlaubt

Bei der Stadt Lünen, die die Schließung in enger Absprache mit dem Kreis Unna gefällt hat, um unterschiedliche Vorgehensweisen der Kommunen zu vermeiden, will man daran auch alsbald nichts ändern.

„Die Fischteiche zählen für uns zu den Sport- und Freizeitanlagen“, erklärt Pressesprecher Bendikt Spangardt, „und sind deshalb geschlossen.“ Dass der Kreis Recklinghausen das anders sehe und es gleich hinter der Stadtgrenze anders gehandhabt würde, sei bedauerlich - denn gerade das habe man im Kreis Unna vermeiden wollen.

Doch zumindest für die Angler hat Spangardt einen Trost: „Es gibt genügend andere Orte in Lünen, wo man angeln könnte.“ Kanal und Lippe stehen allen Anglern offen, sofern sie über die notwendigen Lizenzen verfügen.

Und die Corona-Regeln sind an diesen Stellen auch kein Problem: „Angler halten ja auch naturgemäß Abstand zueinander“, erklärt Michael Prill. „Die sitzen ja immer bestimmt 10 bis 15 Meter auseinander.“

Eigene Regeln für die beiden großen Seen

Enger könnte es da an Horstmarer und Cappenberger See werden. Doch beide Seen sind Vereinsgewässer von zwei Lünener Vereinen, und dort dürften per se nur die jeweiligen Mitglieder ihre Köder ins Wasser halten.

Am Cappenberger See werde die Möglichkeit auch genutzt, weiß Vereins-Vorsitzender Torsten Sellin. Das schöne Wetter nutzten bislang vor allem Väter und Söhne - in unterschiedlichen Altersklassen. „Und das ist ja auch erlaubt. Zwei Leute dürfen zusammen sein“, erklärt Sellin.

Geschlossen hat der Verein jedoch das Vereinsheim, das gesellige Leben ist komplett eingestellt. Doch ihrem Hobby dürfen die Angler vom Angelsportverein Gute Hoffnung nachgehen. „Das ist zwar ein Hotspot für Spaziergänger, aber wir Angler sitzen auf der anderen Seite - und haben das Glück, dass dieser Bereich eingezäunt ist. Wir können uns da einschließen.“

Anders sieht es am Horstmarer See aus. Der Fischereiverein Lünen 1912 hat sämtliche Vereinsaktivitäten eingestellt. Dazu gehört auch das Angeln am See. Zumal es nun auch ein von der Stadt verhängtes längeres Aufenthaltsverbot gibt. „Das sind alles Richtlinien, die müssen wir einhalten“, sagt Vorsitzender Detlef Borzug. „Da läuft nichts.“ Zumal auch die Angelshops geschlossen hätten und die Angler gar nicht an Köder kämen. „Made oder Wurm, das geht grad nicht“, erklärt Borzug. Wer an den Fließgewässern aktiv sei, würde daher auf Kartoffel, Käse oder Mais als Köder setzen und auf Karpfen gehen. „Aber das wäre es auch.“

Angeln entspannt und ist gut für die Gesundheit

Unter den geltenden Bedingungen „sind der Aufenthalt an der frischen Luft und die entspannende Wirkung des Angelns wichtig und gut für die Gesundheit von Geist und Körper“, sagt der Landesfischereiverband. Dazu gehört auch, den Kontakt zu fremden Personen auf dem Weg zum oder vom Angelplatz unbedingt zu vermeiden.

Keine Probleme für Vereine

Zudem weist der Landesfischereiverband die Vereine darauf hin, dass alle Vereinsangelegenheiten inklusive Jahreshauptversammlungen ohne Nachteile verschoben werden können. „Die Regierung bereitet eine Gesetzesinitiative vor, nach der Beschlüsse abweichend von der Satzung auch im schriftlichen oder elektronischen Beteiligungsverfahren möglich sein werden und Vereinsvorstände auch nach Ablauf ihrer Amtszeit bis zu ihrer Abberufung im Amt bleiben können.“

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