Angriff bei Mallorca-Party von Stolzenhoff: Opfer stimmt Vergleich zu

rnAmtsgericht Lünen

Der Schlag kam aus dem Nichts: Auf einer Mallorca-Party bei Stolzenhoff wurde eine DRK-Mitarbeiterin bei einem Angriff verletzt und traumatisiert. Nun klagte die Lünerin vor dem Amtsgericht.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 04.09.2020, 20:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sollte eine große Party zum 70-jährigen Bestehen werden, als das Catering-Unternehmen „Stolzenhoff“ am Osterwochenende 2019 auf sein Firmengelände in Brambauer einlud. Doch es kam immer wieder zu Zwischenfällen. Mit einem dieser Zwischenfälle befasste sich nun eine Zivilrichterin am Amtsgericht.

Dort klagte eine Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes auf Schadensersatz, nachdem sie am späten Abend des 20. April 2019 zum Opfer wurde. Plötzlich traf sie ein Schlag gegen die Schläfe. „Ich hörte einen Knall, einen Schlag. Die Brille ist geflogen. Ich bin geflogen." Die 57-Jährige war kurzfristig bewusstlos und erlitt eine Schädelprellung.

Angstzustände, Flashbacks und Panikattacken

Doch das waren „nur“ die körperlichen Folgen. Vor rund 20 Jahren wurde sie schon einmal bei der Arbeit attackiert. Dieses Erlebnis oder vielmehr die damalige Traumatisierung kehrten nun zurück.

Die Konsequenz: Angstzustände, Flashbacks, Panikattacken und Probleme mit dem Kreislauf. Drei Monate verbrachte sie auf der Trauma-Station einer Klinik und sie benötigt weiter therapeutische Hilfe, um die Posttraumatische Belastungsstörung in den Griff zu bekommen. Sie war lange krank geschrieben und hat noch heute Probleme mit Menschenmengen.

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Viel Alkohol, wenig Erinnerung

Der Beklagte, ein junger Mann, wurde offenbar vor Ort von Zeugen festgehalten und letztlich von der Polizei abgeführt. Er erklärte: „Ich kann mich an kaum etwas erinnern.“ Er sei mit Freunden auf der Party gewesen, habe viel Alkohol getrunken.

Als er seine Begleiter verloren habe, habe er nach Hause gehen wollen. Als nächstes könne er sich daran erinnern, bei der Polizei gewesen zu sein. Er selbst habe eine gebrochene Nase gehabt – OP und vier Wochen Krankschreibung inklusive.

Warum ihn die Polizei festgehalten habe, das wisse er gar nicht. Überhaupt: „Ich kann mir das nicht vorstellen, dass ich eine Dame geschlagen habe. So ein Mensch bin ich nicht.“ Und später betonte er erneut: „Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. So etwas geht gar nicht.“ Tatsächlich habe er versucht, die Erinnerung zurückzuholen.

Er sei sogar noch einmal vor Ort gewesen – in der Hoffnung, sich dann vielleicht entsinnen zu können. Auch habe er auf Videoüberwachung spekuliert und den Sicherheitsdienst angeschrieben. Alles vergeblich.

6000 Euro Schadensersatz

Die Richterin verwies auf die „krassen Folgen“ für die Betroffene und darauf, dass eine Beweisaufnahme mit Zeugen und die Einholung eines Gutachtens, das überdies kostenintensiv sei, eine weitere Belastung für die Klägerin darstellen würde.

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Sie regte an, ob sich die Parteien nicht unter Umständen auf einen Vergleich einigen könnten. Ihre Bemühungen waren von Erfolg gekrönt. Die Seiten einigten sich darauf, dass der Beklagte der 57-Jährigen 6000 Euro Schadensersatz zahlt. In monatlichen Raten zu 160 Euro soll die Summe gezahlt werden.

Allerdings werden ihm 2000 Euro erlassen, wenn er die Raten bis zum Erreichen von 4000 Euro ordnungsgemäß leistet. Der Lünerin war die Erleichterung, nun zumindest auf juristischer Ebene mit dem Fall abschließen zu können und keine weiteren Verhandlungstage durchstehen zu müssen, deutlich anzusehen.

Zweites Verfahren gegen den Täter

Direkt im Anschluss an diese Verhandlung gab es ein zweites Zivilverfahren gegen den jungen Mann. Kläger in diesem Fall war das DRK und es ging um die Lohnfortzahlungen für die arbeitsunfähige 57-Jährige.

Auch hier konnten sich die Parteien auf einen Vergleich einigen: Der Beklagte zahlt dem DRK 2000 Euro – in Raten à 90 Euro.

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