Anti-Islam- und Gegen-Demo: Eindrücke aus Lünen

Live-Ticker zum Nachlesen

Großer Demo-Tag in Lünen: Etwa 30 "NRW-Patrioten" protestierten am Bahnhof gegen "Islamisierung, Asylwahnsinn und Extremismus". Weitaus größer war hingegen die Gegen-Demo auf dem Willy-Brandt-Platz, wo etwa 700 Menschen ein Zeichen gegen Fremdenhass setzten. Wir haben in einem Live-Ticker berichtet.

LÜNEN

, 01.11.2015, 13:23 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Wichtigste in Kürze:

Formal hat die Demonstration gegen Islamisierung gar nicht stattgefunden – das sagt zumindest Polizeisprecher Gunnar Wortmann. Der Anmelder der Demo sei nicht in Erscheinung getreten, auch hat kein Versammlungsleiter Kontakt zur Polizei aufgenommen. Stattdessen standen einige ältere Menschen und ansonsten bekannte Dortmunder Neonazis vor dem Bahnhof – und zogen dann nach einer Dreiviertelstunde wieder ab. Nicht mehr als 25 Menschen standen also den etwa 50 Gegendemonstranten gegenüber.

Bei der Gegen-Demo auf dem Willy-Brandt-Platz kamen nach Angaben der Polizei rund 700 Personen zusammen. Dicht gedrängt standen die Lüner auf dem Marktplatz und setzten ein imposantes Zeichen gegen Fremdenhass und für ein friedliches Lünen. Daniel Wolski, Juso-Vorsitzender und Anmelder der Gegen-Demo im Auftrag des Lüner Aktionskreises gegen Rechtsextremismus, erklärte, er habe mit vielen Teilnehmern gerechnet. „Aber dass es so viele werden, freut mich besonders“, so Wolski weiter. In mehreren Reden unterstrichen Vertreter der Stadt sowie der Landespolitik, dass in Lünen kein Platz für rechtes Gedankengut sei. Die Veranstaltung dauerte etwa eine Stunde.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Der Lüner Demo-Sonntag (01.11.15) in Bildern

Großer Demo-Tag in Lünen: Am Bahnhof wollen die "NRW-Patrioten" gegen "Islamisierung, Asylwahnsinn und Extremismus" protestieren. Ein Zeichen für Völkerverständigung und gegen Fremdenhass wollen hingegen Gegen-Demonstranten auf dem Willy-Brandt-Platz setzen. Hier gibt es Eindrücke.
01.11.2015
/
Ein beeindruckendes Bild - auf dem Marktplatz waren etwa 700 Menschen zur Gegendemo zusammen gekommen.© Magdalene Quiring-Lategahn
Lünens neuer Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns sprach zu den Teilnehmern der Gegendemo.© Magdalene Quiring-Lategahn
Viele Demonstranten für Toleranz und Weltoffenheit hatten Plakate gestaltet.© Foto: Leonie Schulte
NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer während seiner Rede auf dem Marktplatz.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Horst Störmer forderte die Teilnehmer auf, bei "Die Gedanken sind frei" mit einzustimmen.© Magdalene Quiring-Lategahn
Aufmerksam hörten die Teilnehmer den Reden zu.© Magdalene Quiring-Lategahn
Der Arbeitskreis Flüchtlinge hatte auf dem Marktplatz einen Info-Stand aufgebaut.© Magdalene Quiring-Lategahn
Landrat Michael Makiolla (2.v.r.) und NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (3.v.r.) mit anderen Teilnehmern der Gegendemo.© Magdalene Quiring-Lategahn
Lünen hat keinen Platz für Rechtsextremisten - das machten diese Teilnehmer der Gegen-Demo deutlich.© Magdalene Quiring-Lategahn
Gürbüz Demirhan, Vorsitzender des Integrationsrates, sprach zu den Teilnehmern der Gegendemo.© Magdalene Quiring-Lategahn
Dicht an dicht gedrängt standen die Teilnehmer der Gegendemo auf dem Marktplatz.© Magdalene Quiring-Lategahn
Auch Michael Stache, ständig stellvertretender Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Dortmund, sprach zu den Gegendemonstranten.© Magdalene Quiring-Lategahn
Daniel Wolski war der Anmelder der Gegen-Demo und begrüßte die vielen Teilnehmer.© Magdalene Quiring-Lategahn
Gegen Rassismus gemeinsam einsetzen wollten sich zahlreiche Lüner bei der Gegendemo.© Magdalene Quiring-Lategahn
Fahnen und Plakate gab es bei der Gegendemo auf dem Marktplatz.© Magdalene Quiring-Lategahn
Landesarbeitsminister Rainer Schmeltzer hielt eine Rede bei der Gegen-Demo auf dem Marktplatz.© Magdalene Quiring-Lategahn
700 Menschen versammnelten sich auf dem Marktplatz zur Gegen-Demo.© Magdalene Quiring-Lategahn
Viele Teilnehmer der Gegendemo hatten Plakate dabei.© Magdalene Quiring-Lategahn
Horst Störmer, Vorsitzender des Stadtverbandes für Heimatpflege, sang politische Lieder zur Gitarre.© Magdalene Quiring-Lategahn
Der Marktplatz füllte sich zur großen Gegen-Demo.© Magdalene Quiring-Lategahn
Lünen ist bunt - und das soll auch nach dem Willen der Teilnehmer der Gegen-Demo so bleiben.© Magdalene Quiring-Lategahn
Immer mehr Menschen fanden sich auf dem Marltplatz zur Gegendemo ein.© Magdalene Quiring-Lategahn
Der Marktplatz vor dem Lüner Rathaus war gut gefüllt.© Foto: Leonie Schulte
Die Evangelische Kirche hatte ein Banner ausgerollt, das zum Frieden zwischen den Religionen aufrief.© Foto: Leonie Schulte
Eindrücke von der Gegendemo auf dem Willy-Brandt-Platz.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Rainer Schmeltzer, NRW-Arbeitsminister und SPD-Landtagsabgeordneter: Er sei stolz, dass so viele Menschen Flagge zeigen für ein buntes und weltoffenes Lünen.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Die Evangelische Kirche hatte ein Banner ausgerollt, das zum Frieden zwischen den Religionen aufrief.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
Eindrücke von der Gegendemo auf dem Willy-Brandt-Platz.© Foto: Magdalene Quiring-Lategahn
"Lünen ist bunt": Auf dem Willy-Brandt-Platz demonstrierten Lüner für Weltoffenheit.© Foto: Leonie Schulte
"Lünen ist bunt": Auf dem Willy-Brandt-Platz demonstrierten Lüner für Weltoffenheit.© Foto: Leonie Schulte
Rainer Schmeltzer, NRW-Arbeitsminister und SPD-Landtagsabgeordneter: Er sei stolz, dass so viele Menschen Flagge zeigen für ein buntes und weltoffenes Lünen.© Foto: Leonie Schulte
"Lünen ist bunt": Auf dem Willy-Brandt-Platz demonstrierten Lüner für Weltoffenheit - auch der Bürgermeister-Kandidat Rolf Möller (SPD, in der roten Jacke).© Foto: Leonie Schulte
© Foto: Leonie Schulte
Eindrücke vom Willy-Brandt-Platz.© Foto: Leonie Schulte
Am Bahnhof wollten sich die NRW-Patrioten versammeln um gegen Islamisierung zu protestieren. Der Zulauf war jedoch gering.© Foto: Marc Fröhling
Die NRW-Patrioten und Sympathisanten bekamen bei ihrer Demo Gegenwind: Auch etwa 40 bis 50 Gegendemonstranten kamen zum Bahnhof. Die Polizei trennte die Lager.© Foto: Marc Fröhling
Mit Applaus sind die Gegendemonstranten auf dem Marktplatz empfangen worden, die sich vorher am Bahnhof den vorwiegend Rechtsradikalen entgegengestellt hatten.© Foto: Marc Fröhling
Schlagworte Lünen

 

Hier unser Live-Ticker zum Nachlesen:

15:12 Uhr: Damit beenden wir unseren Live-Ticker und bedanken uns für Ihr Interesse!

15:11 Uhr - Gegen-Demo: Nach gut einer Stunde ist auch die Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz zu Ende. Daniel Wolski, Juso-Vorsitzender und Anmelder der Demo im Auftrag des Lüner Aktionskreises gegen Rechtsextremismus, beendet die Veranstaltung auf dem Marktplatz offiziell. Er dankt allen für das deutliche Zeichen gegen Fremdenhass und erklärte: „Die so genannte Demo am Hauptbahnhof ist aufgelöst, die haben wir aus Lünen vertrieben.“

14:54 Uhr - Demo der NRW-Patrioten: Jetzt hat sich auch aufgeklärt, warum es bei der Abreise der Neo-Nazis kurz zum Tumult kam: Ein Gegendemonstrant hatte eines der Autos mit einem Ei beworfen. Er wurde von der Polizei später festgenommen, seine Personalien wurden aufgenommen - dann durfte er wieder gehen.

14:52 Uhr - Gegen-Demo: Horst Störmer, Vorsitzender des Stadtverbandes für Heimatpflege, singt zur Gitarre. Die Menge hört Reinhard Mey "Heute hier, morgen dort" und Hannes Wader "King of the road" - etwas umgedichtet.

14:48 Uhr - Demo der NRW-Patrioten: Da die NRW-Patrioten nicht mehr da sind, wollen die Gegendemonstranten sich jetzt der Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz anschließen.

14:45 Uhr - Gegen-Demo: Unterdessen geht die Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz weiter. Nach Rainer Schmelzer spricht nun Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns zu den Anwesenden: Er mache sich gerne zum Sprecher derer, die sich der Verfassung verpflichtet fühlen. Für seinen Satz am Ende erntete er großen Beifall: Lünen duldet keinen Fremdenhass. Auch der Vorsitzende des Integrationsrates, Gürbüz Demirhan, ergreift auf dem Marktplatz das Wort. Er sagt, das Miteinander der Kulturen spiele in Lünen seit vielen Jahren eine große und wichtige Rolle. „Wir sind Lünen, eine weltoffene und freundliche Stadt und so soll es bleiben.“

14:41 Uhr - Demo der NRW-Patrioten: Die Nazis sind mittlerweile alle in ihre Autos gestiegen um wegzufahren. Dabei gab es noch einen Zwischenfall. Denn plötzlich hielten die Autos an, die Insassen sprangen aus den Wagen und rannten auf die Gegendemonstranten zu. Dabei wurde es kurz laut - die Polizei ging jedoch sofort dazwischen. Hier am Bahnhof scheint der Demo-Tag also bereits nach nicht einmal einer Dreiviertelstunde beendet.

14:35 Uhr - Gegen-Demo: Michael Stache, ständig stellvertretender Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund, machte sich für Religionsfreiheit stark. Die Religionsausübung sei Teil unserer Gesellschaft. „Wir unterstützen sie vorbehaltlos“, sagt er. Er erklärte auch: „Menschen, die hierher kommen, haben oft traumatische Erfahrungen gemacht.“ Unserer Aufgabe sei nicht nur die Versorgung, sondern auch die menschliche Begleitung. Wichtig sei, sie mitzunehmen in unsere Wertegemeinschaft.

14:35 Uhr  - Demo der NRW-Patrioten: Die ersten Demonstranten sind schon wieder gegangen - nur noch etwa 15 Personen stehen noch vor dem Bahnhof. Die Gegendemonstranten sind rund 40 bis 50. Darunter nicht nur erkennbare Antifas, sondern auch zum Beispiel eine Mutter mit Kind.

14:29 Uhr - Demo der NRW-Patrioten: Die Gegendemonstranten skandieren "Nazis raus - raus aus Lünen!"

14:23 Uhr - Demo der NRW-Patrioten: Es passiert nicht viel, außer dass sich die Rechten und die Antifas Schlachtrufe zubrüllen und sich gegenseitig fotografieren. Die Zahl der Demonstranten ist mittlerweile auf etwa 30 gestiegen. Wie bereits geschrieben vornehmlich ältere Menschen sowie augenscheinlich organisierte Neo-Nazis. Der Demo-Anmelder hat sich übrigens bisher noch nicht bei der Polizei gemeldet. Offiziell hat die Demo also noch nicht begonnen.

14:20 Uhr - Gegen-Demo: Der Platz ist voll. Jetzt spricht Rainer Schmeltzer, NRW-Arbeitsminister und SPD-Landtagsabgeordneter. Tenor: Er sei stolz, dass so viele Menschen Flagge zeigen für ein buntes und weltoffenes Lünen.

14:12 Uhr - Demo der NRW-Patrioten: Jetzt haben sich rund 20 Personen eingefunden, viele ältere Menschen. Ins Auge fallen die Dortmunder Neo-Nazis, unter denen sich auch Siegfried "SS-Siggi" Borchardt befindet. Etwa 30 bis 40 Antifa-Aktivisten sind ebenfalls vor Ort, stimmen Parolen an und entrollen Banner. Die Polizei steht zwischen den Fronten auf dem Bahnhofsvorplatz. 

14:01 Uhr - Gegen-Demo: Der Willi-Brandt-Platz ist bereits ziemlich voll und es kommen noch mehr Menschen. Der Arbeitskreis für Flüchtlinge hat einen Info-Stand aufgebaut. Die Evangelische Kirche ruft auf einem Banner zur Toleranz und Verständigung aller Religionen auf. Auf dem Platz ist eine Bühne aufgebaut - über allem prangt ein Plakat mit der Aufschrift "Lünen ist bunt". 

13:51 Uhr - Demo der NRW-Patrioten: Unser Reporter ist vor Ort am Bahnhof. Bisher scheint die Demo nicht viel Zulauf zu haben. Denn außer einigen Polizeiwagen ist dort so gut wie gar nix los!

Jetzt lesen

 

 

Die Fakten zu den beiden Demos:

Demo der "NRW-Patrioten"

  • Beginn: 14 Uhr
  • Ort: vor dem Bahnhof
  • inhaltliche Ausrichtung: "Gegen Islamisierung, Asylwahnsinn und Extremismus"
  • erwartete Teilnehmer: 50

Gegen-Demo

  • Beginn: 14 Uhr
  • Ort: Willy-Brandt-Platz
  • inhaltliche Ausrichtung: "Ich will das braune Pack nicht in Lünen haben", so Rainer Schmeltzer, NRW-Arbeitsminister und Initiator des Lüner Bündnis gegen Rechts, der für die Demo mobil gemacht hat. Als Redner werden dort unter anderem Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns, NRW-Integrationsminister Rainer Schmeltzer und der Vorsitzende des Lüner Integrationsrats, Gürbüz Demirhan, erwartet. Zu der Demo aufgerufen haben der Lüner Aktionskreis gegen Rechtsextremismus sowie die evangelische Kirche in Lünen.
  • erwartete Teilnehmer: 500
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt