Bei der Verlegung von neun Stolpersteinen in Brambauer entstand dieses Foto. Der Arbeitskreis Stolpersteine erhält nun eine besondere Auszeichnung. © Victoria Maiwald (Archiv)
Heinrich-Bußmann-Preis

Arbeitskreis Stolpersteine Lünen: Preis würdigt wichtige Arbeit

Stolpersteine gibt es in ganz Europa. Auch in Lünen, wo der erste 2009 verlegt wurde. Ein Arbeitskreis mit engagierten Lünern kümmert sich um die Aktion und erhält jetzt dafür einen Preis.

In diesem Jahr entschied sich die Jury dafür, den nach dem Lüner Widerstandskämpfer Heinrich Bußmann benannten Preis an eine Gruppe zu verleihen, die genau im Geiste Bußmanns arbeitet. Der Arbeitskreis Stolpersteine, vor sechs Jahren von engagierten Lünern gegründet, kümmert sich darum, dass Menschen, die dem Nazi-Regime zum Opfer fielen, nicht vergessen werden.

Seit 1996 entscheidet eine Jury darüber, wer alle zwei Jahre den Heinrich-Bußmann-Preis – gestiftet von der Lüner SPD – erhält. Bürgerschaftliches Engagement für die unterschiedlichsten Bereiche wird damit ausgezeichnet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.

Arbeitskreis: „Voller Stolz und Freude“

Über die Nachricht, dass der Arbeitskreis nun Preisträger ist, freut sich Udo Kath, Sprecher der Gruppe: „Wir sind geehrt. Voller Stolz und Freude nimmt der Arbeitskreis Lüner Stolpersteine den Heinrich-Bußmann-Preis stellvertretend für Viele entgegen, die dabei mithelfen, die Erinnerung an die Opfer durch das NS-Regime lebendig zu erhalten.“

Neben den Mitgliedern des Arbeitskreises unterstützen dessen Arbeit unter anderem zahlreiche Sponsoren, Angehörige der Opfer, Schulen des Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie der Wirtschaftsbetriebe Lünen.

Bei der Stolperstein-Verlegung im Jahr 2019 legten Angehörige Blumen an den Stolpersteinen nieder.
Bei der Stolperstein-Verlegung im Jahr 2019 legten Angehörige Blumen an den Stolpersteinen nieder. © Niklowitz © Niklowitz

Zum Arbeitskreis Stolpersteine gehören aktuell die Gründer Pfarrerin Andrea Ohm, Udo Kath (SPD), Stadtarchivar Fredy Niklowitz, Siegfried Störmer (SPD), Stephan Wilhelm (fr. Gemeindereferent) sowie die Lehrerinnen Katrin Rieckermann und Gisela Sons, Wolfgang Balzer (fr. Stadt Lünen), Filmer Michael Kupczyk, Museumsleiterin Dr. Katja Stromberg und Fotograf Günter Blaszczyk.

Eigentlich wollte der Arbeitskreis im vergangenen Jahr zahlreiche weitere Stolpersteine in Lünen verlegen. Dann kam die Corona-Pandemie dazwischen. „Wir planen die wegen der Pandemie ausgefallenen Verlegungen weiterer 17 Stolpersteine nach den Sommerferien durchzuführen“, kündigt Kath an.

Dann werden insgesamt 46 Steine an das Leben und Wirken von Menschen die „direkt in unserer Nachbarschaft in Lünen wohnten“ erinnern. Dazu gehörte auch der 1942 im Konzentrationslager Dachau erschlagene Heinrich Bußmann, an den bereits seit 2014 vor seinem letzten Wohnort „Im Wiesengrund 13“ ein Stolperstein erinnert. Seit 2009 wurden bis jetzt 29 Stolpersteine in Lünen verlegt.

Der Initiator des Projektes „Stolpersteine
Der Initiator des Projektes „Stolpersteine“, Gunter Demnig, trug sich bei einem Besuch in das Gästebuch der Stadt Lünen ein. Darüber freuten sich (v.l.) Stadtarchivar Fredy Niklowitz, stellv. Bürgermeister Siegfried Störmer, die Lehrerin Katrin Rieckermann, Schulleiter Christian Gröne und Udo Kath vom Arbeitskreis Lüner Stolpersteine. © Volker Beuckelmann © Volker Beuckelmann

Die Preisverleihung an den Arbeitskreis Stolpersteine findet traditionell am 27. Januar statt. Dieser Tag wurde auf Initiative des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog 1996 zum Gedenktag ernannt – als Erinnerung an den Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz und als Tag des Gedenkens an die Opfer und Verfolgten des Nationalsozialismus. Im kommenden Jahr fällt der 27. Januar auf einen Samstag. Festredner und Gäste wird die SPD mit dem Arbeitskreis abstimmen.

Die Stolpersteine sind eine Initiative des Berliner Künstlers Gunter Demnig, der ebenfalls 1996 damit begann, auf diesem Wege an die Opfer des Nazi-Regimes zu erinnern. Mittlerweile liegen Stolpersteine in 1265 Kommunen Deutschlands und in 21 Ländern Europas. Demnig war schon mehrmals in Lünen zu Gast – bei der Verlegung von Stolpersteinen und in Diskussionsrunden.

m Bereich der Lippekaskade, hier sind jüdische Bürger am 9. November 1938 von Faschisten in den Tod getrieben worden, las der mittlerweile verstorbene Lüner Autor Victor Sons (M.) aus seinem Kinder- und Jugendbuch „Hanna-und-Luis.Stolperstein
Im Bereich der Lippekaskade, hier sind jüdische Bürger am 9. November 1938 von Faschisten in den Tod getrieben worden, las der mittlerweile verstorbene Lüner Autor Victor Sons (M.) aus seinem Kinder- und Jugendbuch „Hanna-und-Luis.Stolperstein“. Es thematisiert die Judenverfolgung. Die Illustrationen stammen vom Lüner Künstler Uwe Gegenmantel (l.). Werner Tischer (r.), organisierte für den Förderverein Stadtbücherei die Lesung. © Foto: Beuckelmann © Foto: Beuckelmann

Der Arbeitskreis kümmert sich auch darum, dass die Stolpersteine auf Dauer als Erinnerung erhalten bleiben. So wurden Steine gereinigt oder ein Stein ersetzt, der nach Bauarbeiten nicht mehr auffindbar war. Auch Kontakt zu Angehörigen der Lüner Naziopfer halten die Mitglieder. Zudem schrieb der mittlerweile verstorbene Lüner Autor – und Gründungsmitglied des Arbeitskreises – Viktor Sons das Jugendbuch „Hanna-und-Luis.Stolperstein“, das jungen Leuten die Geschichte der Steine näherbringt.

Preis der SPDWiderstandskämpfer und Preisträger
  • Heinrich Bußmann, geboren am 6. Januar 1896, war ein Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten. Er starb am 18. August 1942 aufgrund von Misshandlungen und Folterungen im Konzentrationslager Dachau.
  • Der ausgebildete Bergmann trat mit 18 Jahren in die Lüner SPD ein, wurde 1923 in den Rat der Stadt gewählt. 1930 bis 1932 war er für den Wahlkreis Lünen Abgeordneter im Provinziallandtag der Provinz Westfalen. Er war Vorsitzender der Gas- und Wasserwerke von Lünen.
  • Während seiner Zeit als Stadtverordneten-Vorsteher stellte er sich gegen die Nationalsozialisten und wurde daraufhin ohne Urteil in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert.
  • Seit 1996 verleiht die SPD der Stadt Lünen jährlich den Heinrich-Bußmann-Preis an verdiente Persönlichkeiten. Den Preis erhielten u.a. Dr. Samir Kazkaz (für sein Engagement im Nahen Osten), Roswitha Limbrock (Engagement für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst), der Verein DoDogs (Unterstützung von Tieren von Wohnungslosen) und Ulrich Klink (Engagement für Verein „Dach über dem Kopf“).
Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

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