Aufnahmestopp bei Tafel in Gahmen gilt bis 2018

Ausnahmezustand

Die Ausgabestelle der Unnaer Tafel in Lünen-Gahmen ist im Ausnahmezustand: Sie kann keine weiteren Kunden mehr aufnehmen – und das bis Januar 2018! Mehr Lebensmittel und Personal werden gebraucht. Der Zuwachs von Flüchtlingen ist eine zusätzliche Herausforderung für die Mitarbeiter.

GAHMEN

von David Reininghaus

, 03.06.2017, 08:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Aufnahmestopp bei Tafel in Gahmen gilt bis 2018

Die Lünener Tafel muss einen Aufnahmestopp bis Januar 2018 durchsetzen, die Kapazitäten sind erreicht.

Selbst die Warteliste ist mit 60 Personen und Namen derzeit proppevoll und daher vorerst geschlossen. „Wir helfen gerne, können dies aber nur, wenn es unsere Kapazitäten hergeben“, erklärt Roland Lutz, stellvertretender Vorsitzender der Unnaer Tafel. Derzeit seien die Möglichkeiten hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Lebensmittel und des vorhandenen Personals erschöpft. „Wenn wir mehr Menschen aufnehmen würden, müssten wir die Rationen derart verkleinern, dass es sich für den Einzelnen kaum mehr lohnen würde.“

Rabattposten machen der Tafel einen Strich durch die Rechnung

Rund 120 bis 130 Kunden begrüßt das Team der Lüner Tafel am Lindeneck 3 in Gahmen pro Woche. Rund 1000 Menschen kommen die ausgegebenen Lebensmittel in Lünen monatlich zugute. „Wir leiden ein wenig unter den Rabattposten der Händler, die die Ware kurz vor dem Verfallsdatum vergünstigt selbst anbieten“, so Lutz. Grundsätzlich ist er aber sehr dankbar für die große Spendenbereitschaft der Händler. „Wir bekommen in 95 Prozent der Fälle super Ware, die ohne Weiteres frei verkauft werden könnte.“

Mehr Lebensmittel allein reichen aber nicht, um weitere Aufnahmen zu ermöglichen. „Um zu wachsen, brauchen wir parallel mehr Personal und auch einen größeren Fuhrpark für den Transport." 15 Helfer packen in Gahmen wöchentlich mit an. Die anstehende Urlaubszeit könnte die Personallage verschärfen, sodass jede Hand gebraucht wird.

"Wir versuchen nicht die Lücken des Sozialstaates aufzufangen"

Eine Herausforderung ist zudem der Zuwachs von Flüchtlingen bei den Tafelkunden. Schwierigkeiten gibt es zum Beispiel bei der Verständigung. „Wir würden uns ehrenamtliche Dolmetscher wünschen, die zum Beispiel auch mal in die arabische Sprache übersetzen könnten", sagt Lutz. Einige Behörden würden die Flüchtlinge auch zur Tafel schicken und falsche Illusionen wecken. Die Tafel sei kein Teil der Grundversorgung, der einem selbstverständlich zustehe.

„Die Menschen können es ja nicht wissen, was wir für eine Organisation sind und sind dann natürlich enttäuscht. Unsere Aufgabe ist keine politische. Wir möchten ärmeren Menschen ein zusätzliches Angebot schaffen, versuchen aber nicht die Lücken des Sozialstaates aufzufangen“, verdeutlicht Lutz.

Die Tafel ist aber weit mehr als nur eine Stelle für Essensausgabe. Vielmehr soll sie ein Teil der sozialen Gemeinschaft werden. Erik Rapillus, seit vergangenen November ehrenamtlicher Helfer bei der Tafel, weist zum Beispiel darauf hin, dass man am Lindeneck in Gahmen im Café auch frühstücken kann. Dieses Angebot richtet sich bewusst nicht nur an Kunden der Tafel.

Trödelmarkt zugunsten der Tafel im Juni

Für den 1. Juli ist zudem ein Trödelmarkt an der Zentrale in Unna, Dorotheenstraße 32, vorgesehen. Privatleute können dort ohne Standkosten ihre Ware anbieten. Zudem gibt es Grillwurst, Kaffee, Kuchen und Getränke zu fairen Konditionen. Anmeldungen werden unter Tel. (02303) 77 76 39 entgegengenommen. Der Gewinn darf ohne Abgabe an die Tafel behalten werden. Über eine Spende freut sich der Verein natürlich.

 

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