Aurubis-Werksleiterin Astrid Herbers fasst einen Entschluss - und räumt ihren Schreibtisch

rnAurubis AG

Als die junge Astrid sich damals bei den Hüttenwerken Kayser um den Ausbildungsplatz bewarb, da ahnte keiner, dass daraus mal die Aurubis-Werksleiterin werden würde. Die sagt nun Tschüss.

Lünen

, 23.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war das Jahr 1986, als die junge Astrid sich damals entschloss, sich um einen Ausbildungsplatz bei den damaligen Hüttenwerken Kayser zu bewerben - um eine Ausbildung zum Industriekauf m a n n, wohlgemerkt. So war das damals noch. 34 Jahre später, im Jahr 2020, ist Astrid Herbers Werksleiterin beim Nachfolgeunternehmen Aurubis. Seit fünf Jahren hat sie diese Position - und hat nun einen Entschluss gefasst: Sie gibt die Werksleitung ab - freiwillig. 53 Jahre ist Herbers heute und stellt sich nach über 30 Jahren im Unternehmen ganz persönlich für die nächsten Jahrzehnte auf. „Irgendwie muss man ja die Zukunft gestalten“, sagt die 53-Jährige. Sie tut es konsequent, „mit einer gewissen Neigung zur Perfektion“, sagt sie selbst. So wie über die Jahrzehnte im Job auch.

Aurubis-Werksleiterin Astrid Herbers fasst einen Entschluss - und räumt ihren Schreibtisch

Astrid Herbers: Ab Februar 2020 ist die 53-Jährige Leiterin des Werkcontrollings. © Britta Linnhoff

Dass es nun so kommt wie es kommt ab 1. Februar 2020, daran ist der Sommer 2019 „Schuld“: „Da hatte ich Urlaub“, erzählt Herbers. Es sei eine erste Phase der Ruhe gewesen nach viel Arbeit im Betrieb und im privaten Bereich. „Es hat zehn Tage gedauert, bis ich ein bisschen runtergekommen bin“, erinnert sie sich, aber „dann hatte ich eine schöne Zeit mit viel Muße“, und Zeit zum Nachdenken.

Umzug von Altlünen nach Brambauer

Nachdenken im neuen Haus in Brambauer in der Herrentheystraße.

Dorthin ist sie wenige Monate zuvor aus Altlünen gezogen. In unmittelbare Nähe zum Haus, das ihren Großeltern gehörte und in dem nun ihre Schwester lebt. Im eigenen neuen Haus ist Platz für ihre 80-jährige Mutter. Vorsorgliche Pläne, ein Platz in einem Seniorenheim, geben sie auf. Die Mutter will da ohnehin nicht hin („Was soll ich denn da mit den ganzen alten Schachteln“). Nun also sind sie hier zu dritt in der Herrentheystraße und wollen füreinander da sein. „Das erspart uns hoffentlich, dass einer von uns in ein Heim muss“, sagt Herbers.

In der Zeit der „völligen Entspannung“ im letzten Sommer lässt sie die letzten Jahre sehr selbstkritisch Revue passieren, sie fragt sich: „Will ich das auf alle Zeit so betreiben? Es ist kein Job von 9 bis 17 Uhr und kein Job, bei dem man nicht immer irgendwas mit nach Hause nimmt. Herbers betont: „Ich habe Freude an meinem Job“, aber es bleibe eben kaum Zeit für spontane, private Verabredungen, kaum Möglichkeiten, die weit verzweigte Familie zu treffen. Sie habe viele ihrer Ziele erreicht, aber sie habe eben auch eine „gewisse Neigung zur Perfektion“, sagt sie. „Ich möchte mich überzeugen“. Und kommt schließlich zu dem Schluss, dass ein „neuer Besen“ fürs Unternehmen keine schlechte Idee ist. Und: Sie möchte mehr Zeit für sich, fürs Lesen, und fürs Motorradfahren. Ihre Harley Davidson hat sie in den letzten Jahren kaum gefahren, keine Zeit. Das wird sich ändern, sobald das Gefährt eine neue Batterie hat.

Aurubis-Werksleiterin Astrid Herbers fasst einen Entschluss - und räumt ihren Schreibtisch

Astrid Herbers und ihr Team, von dem die 53-Jährige sagt: "Ohne mein Team würde ich nicht so glücklich auf 34 Berufsjahre zurückblicken". © Nolte

Herbers weiß, wie sich Teilzeit anfühlt: Sie hat so schon einmal gearbeitet. Das war 2006, als ihr Mann starb. „Aber das ist nur drei Monate gut gegangen“, erinnert sie sich: „Ich habe gemerkt, dass ich meinen Job mit meinen Ansprüchen nicht in weniger Zeit erledigen kann“, sagt sie. Deshalb sei ihr nun klar gewesen, dass ihr Job als Werksleiterin nicht mit einer zeitlichen Reduzierung einher gehen könne. Nun also will sie „meine Freiheit im Sommer manifestieren“. Sie wird an drei Tagen in der Woche arbeiten, als Leiterin Werkcontrolling. Kein Neuland, mehr so ein bisschen „back to the roots“, zurück zu den Wurzeln.

Metall gehörte immer irgendwie zum Familienberufsbild

Astrid Herbers ist ein Lüner Kind, machte 1984 Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Sie arbeitete ein Jahr, orientierte sich und bewarb sich dann als „Industriekaufmann“. Heute lacht sie (was sie ziemlich oft tut), wenn sie erzählt, dass es eigentlich immer klar gewesen sei, „dass ich da gelandet bin: „Metall gehörte irgendwie immer zum Familienberufsbild. Vater vom Vater war Oberingenieur im Lippewerk, als das noch Aluminium produzierte. Vater der Mutter war Zahnarzt in Brambauer, als Goldzähne noch hochmodern waren. Vater war bei Hoesch, als die noch nicht zum alten Eisen gehörten. Hüttenwerke Kayser war Kupfer, aber auch Zinn und Edelmetall, da musste ich einfach hin.“

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