Auswanderer aus Lünen erleben Corona-Krise in Botswana, Kanada und USA

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Die Corona-Krise hat die Menschen weltweit im Griff. Drei Auswanderer aus Lünen berichten, wie sie die Pandemie in ihrer jeweiligen Wahlheimat erleben: Botswana, USA und Kanada.

Lünen

, 03.04.2020, 10:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ihre Gedanken sind derzeit auch bei ihren Verwandten und Freunden in Lünen: Thomas Herr lebt in Ontario (Kanada), Chris Hadac in Florida (USA) und Dirk Tetzner in Botswana. Auch in ihren neuen Heimatländern ist die Corona-Krise ein großes Thema.

„Im Moment trifft uns die Corona-Krise genauso wie jede Familie in Europa“, berichtet Thomas Herr. Die Schüler in Ontario hatten Mitte März Frühlingsferien, am Montag (23.3.) hätten sie wieder zur Schule gehen sollen. Doch dann hat die zuständige Regierung die schulfreie Zeit für mindestens zwei Wochen verlängert. Am Freitag (20.3.) hatte die Provinzregierung online Lernmaterial zur Verfügung gestellt - für Schüler bis zur 12. Klasse.

Viele Arbeitgeber haben seit knapp zwei Wochen ihre Mitarbeiter nach Hause geschickt. „Alle, die von zuhause arbeiten können, sollen das tun. Andere sind temporär beurlaubt und in einigen Fällen sogar gekündigt worden, da viele Firmen enorme Umsatzeinbrüche haben“, so Herr.

Auch in Kanada treffen sich trotz Coronavirus Leute in Parks

Die meisten Provinzen haben den lokalen Notfall angemeldet und die Bevölkerung gebeten, zu Hause zu bleiben. Herr ist also mit seinem jüngsten Sohn zu Hause. „Wir haben genug Lebensmittel, Wasser für etwa drei Wochen. Ich gehe eigentlich nur raus, wenn ich Kleinigkeiten wie Brot oder Aufschnitt einkaufen muss.“

Auch wenn in Kanada Bars geschlossen sind und Restaurants nur noch Essen liefern dürfen - auch dort haben es am ersten Wochenende der Einschränkungen „einige Leute für nötig gehalten, sich in Parks zu treffen, zum Grillen, Yoga oder um sich zu sonnen. Als Resultat wurden danach die Parks geschlossen.“

Chris Hadac lebt seit mehreren Jahren in Florida. Dort ist im Moment touristische Hochsaison. Trotz Corona.

Chris Hadac lebt seit mehreren Jahren in Florida. Dort ist im Moment touristische Hochsaison. Trotz Corona. © Privat

Herrs Schulfreund aus Lünen, Chris Hadac, schildert die Lage in seiner Wahlheimat Florida: „So langsam kam Ruhe rein. Florida hat Hochsaison im Winter, da explodieren die Zahlen der Menschen hier. Marco Island, wo ich lebe, hat im Sommer 16.000 Einwohner, im Winter sind hier 65.000 bis 70.000 Menschen. Die Touristen haben die Gegend allmählich die Gegend verlassen.“ Florida hatte am 23.3. 1007 Infizierte, die Zahl ist mittlerweile extrem gestiegen. Chris Hadac: „Es wurde aber anfangs noch nicht wahrgenommen. Das Wetter verleitet einen gerne, Tatsachen zu verdrängen.“

Lüner nach Aufenthalt in Hongkong in Quarantäne

Dirk Tetzner lebt seit zwölf Jahren in Botswana im Süden Afrikas. Bis Ende März befand sich der Lüner, der in seiner neuen Heimat eine Firma leitet, in zweiwöchiger Quarantäne. „Weil ich aus Hongkong zurück gekommen bin, nachdem ich dort zehn Wochen lang tätig war.“ Aber er gibt Entwarnung: „Mir geht es gut und ich zeige keine Symptome.“

In seiner Wahlheimat Botswana gibt es derzeit noch keine gemeldeten Corona-Infizierten. Im Nachbarland Südafrika dagegen ziehen die Zahlen gerade rapide an. Von 202 bestätigten Fällen am 20.3. auf über 900 Ende März. Tetzner: „Reisebeschränkungen sind verkündet worden. Alle nationalen und internationalen Flüge der South African Airlines waren zunächst bis 31. März ausgesetzt.“ Wie der Lüner aus Südafrika hört, käme dort ein wenig Panik aufgrund von Corona auf, in Botswana mache sich die Angst im Alltag weniger bemerkbar.

Dirk Tetzner aus Lünen lebt seit 2008 in Botswana. Nach einem längeren dienstlichen Aufenthalt in Hongkong befindet er sich momentan in Quarantäne.

Dirk Tetzner aus Lünen lebt seit 2008 in Botswana. Nach einem längeren dienstlichen Aufenthalt in Hongkong befindet er sich momentan in Quarantäne. © Privat

Allerdings wurden alle Sportveranstaltungen und Versammlungen abgesagt. „Ansonsten meiden wir die Öffentlichkeit und gehen nur außerhalb der Stoßzeiten einkaufen.“ Mit seiner Familie in Lünen ist er in Kontakt. Das gilt auch für Chris Hadac: „Es ist mit sehr wichtig zu hören, wie es allen geht und dass aller guter Dinge sind.“ Thomas Herrs Vater, Schwester und Neffe leben in Brambauer. „Wir telefonieren einmal die Woche. Ich habe auch zu vielen Schulfreunden via Facebook Kontakt. Zusätzlich lese ich die Ruhr Nachrichten und gehe auch auf andere Nachrichten-Webseiten.“

Der Wahl-Kanadier arbeitet für die EDV-Abteilung einer Universität, an der alle Lesungen und Klausuren abgesagt wurden. Seit 23. März werden alle Kurse online gehalten.

Material für Platinen aus China

Tetzners Firma - ein internationaler Beratungsservice - spürt die Corona-Krise insofern, als dass Reisen in die Nachbarländer erst einmal ausgesetzt wurden. „Wir treffen unsere Entscheidungen auf Tagesbasis. Vorausplanung ist in diesen Zeiten nur schwer möglich.“

Hadac ist seit einem Jahr wieder als Ingenieur tätig, entwirft und baut Computerplatinen für Kontrollsysteme, da ist er von der Corona-Krise nicht betroffen. „Wenn es Zeit wird, ins Home Office zu gehen, wird das problemlos gehen. Allerdings kommen die Materialien zu einem großen Teil aus China, also hänge ich da auch in der Luft.“

In den USA ist gerade Präsidentschaftswahlkampf. Und so meint Hadac: „Ob man gut informiert ist, ist immer eine Sache des Glaubens. Schuldzuweisungen gehen über Lösungen. Dadurch wird der Bevölkerung nicht die Dringlichkeit dieser Situation vermittelt, die Leute nehmen es nicht ernst.“

In Kanada wird, so Thomas Herr, vor allem über die Lage in Italien, aber auch Deutschland und Frankreich berichtet. „Ich habe das Gefühl, die geteilte Sorge aber auch die Verlangsamung des täglichen Lebens hat Interesse an den Schicksalen anderer Länder verstärkt.“

Deutschland werde in Kanada von vielen als Musterbeispiel gesehen. Ökonomisch genauso wie alle Anstrengungen eine Gesellschaft zu wahren, die Menschen aus aller Welt ermöglicht, in Frieden und Sicherheit zu leben. Politiker in Kanada sehen, wie man in Europa die Krise angeht: „Wir versuchen zu lernen und uns gegenseitig so gut wie möglich zu schützen.“

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