Auswanderin trägt Lünen auf US-Nummernschild

Gegen das Heimweh

Seit 27 Jahren lebt die Lünerin Ulrike Jones in den USA. Der Liebe wegen zog die heute 63-Jährige in die Staaten, doch das Heimweh blieb lange ihr ständiger Begleiter. Uns hat sie erzählt, wie sie heute lebt, was sie von Lünen hält und was sie Leuten rät, die übers Auswandern nachdenken.

LÜNEN

, 16.09.2017, 07:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo genau leben Sie in den USA?

Südlich von Richmond/Virginia. Hier ist es flach und ländlich. Und im Sommer sehr, sehr schwül. Wir haben hier eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit.

Und wie kam es, dass Sie in die USA ausgewandert sind?

Ich hab in Deutschland einen Amerikaner kennengelernt, der Urlaub machte. Wir haben uns verliebt, geheiratet und ich wusste, irgendwann muss ich dann mit in die USA. Meine Familie war geschockt. Zuerst sind wir im März 1990 nach Kalifornien gezogen, haben außerhalb von Monterey gewohnt. 1992 ging es dann nach Virginia.

Waren Sie in den USA berufstätig?

Nein, ich hab mich um die Familie und unser Haus gekümmert. In Deutschland habe ich damals eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau gemacht, beim damaligen Schuhhaus Schulte in Lünen gearbeitet. Mit einer Freundin aus der Berufsschule, die in Nordkirchen wohnt, habe ich immer noch Kontakt.

Haben Sie sich denn schnell in Ihrer neuen Heimat eingelebt?

Ich höre immer wieder von Leuten, die sich das Auswandern so einfach vorstellen. Die wissen gar nicht, auf was sie sich da einlassen. Es ist schon schwer, hier Fuß zu fassen. Die Kultur ist nicht so wie in Deutschland, die Menschen haben auch eine ganz andere Mentalität. Die ersten 15 Jahre hatte ich viel Heimweh. Vor zwei Jahren war ich mit meiner Tochter Verena an der Westküste in Seattle. Das ist eine Stadt, in der ich gerne wohnen würde, da gibt es Kultur, Restaurants und das Klima ist wie in Deutschland.

Jetzt lesen

Wo lebt Ihre Tochter?

Sie lebt mit ihrem Mann in Virginia Beach, zwei Autostunden von uns entfernt. Sie fliegen am Mittwoch nach Colorado zu einem Festival. Da sind die Leute ganz verrückt nach deutscher Kultur, lieben die Ordnung, das deutsche Essen und deutsche Feste. Ich fahre dann nach Virginia Beach, um ihr Haus und ihre Kätzchen zu hüten. Mein Mann passt auf unser Haus und unsere Katzen auf.

Sie fahren ein Auto mit besonderem Kennzeichen.

Ja, ich hab ein Virginia-Kennzeichen mit dem Aufdruck 1 LUENEN, weil ich an meiner Heimatstadt hänge.

Und was sagen die Bekannten dazu?

Die Leute fragen schon nach, was dieses LUENEN ist. Und es sind auch viele Deutsche hier in Virginia. Eine gute Freundin ist von der Insel Norderney hierhin ausgewandert, eine andere Deutsche aus Bremerhaven. Wir unterhalten uns auch auf Deutsch.

Kommen Sie noch oft nach Lünen?

Früher bin ich eigentlich jedes Jahr hier gewesen, auch mal mit meiner Tochter. Zuletzt war ich 2015 vier Wochen in Lünen. Ich finde es sehr schön, wie sich die Fußgängerzone mit den Geschäften gemacht hat. Und ich hab meine Mama besucht, die im Altenheim in Werne lebt. Meine ältere Schwester wohnt in Lünen-Süd, meine mittlere Schwester in Mengede.

Spricht Ihre Tochter auch Deutsch?

Ich spreche immer mit ihr Deutsch – übrigens auch mit meinen beiden Katzen.

Haben Sie die amerikanische Staatsbürgerschaft?

Ja, allerdings würde ich das heute nicht mehr machen und meine deutsche Staatsbürgerschaft behalten. Ich wusste anfangs gar nicht, dass ich so deutsch bin. Aber ich bin es wohl, koche auch immer deutsche Gerichte. Und schaue mir auf meinem Tablet alte deutsche Filme an – mit Heinz Erhardt oder die Edgar-Wallace-Krimis.

Reden Sie mit ihren amerikanischen Bekannten über Trump?

Ich bin vorsichtig. Er will alles mit dem Ellenbogen machen, ich halte mich aber meistens aus der Politik raus.

Sie leben in Virginia, da bleibt es nicht aus – Charlottesville liegt auch in diesem Bundesstaat. Was sagen Sie zu den rassistischen Vorgängen dort?

Ich habe mich geschämt, dass ich in Virginia lebe. Charlottesville ist eineinhalb bis zwei Stunden mit dem Auto von uns entfernt – in den USA sind das eigentlich keine Entfernungen. Wir haben das Jahr 2017 und immer noch wird zwischen „Black“ und „White“ unterschieden. Das ist wirklich sehr schlimm.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt