Wirtschaft

Bäcker im Bahnhof Lünen geschlossen: „Wollen Vollgas geben, können aber nicht“

Die Filiale der Bäckerei Kanne im Hauptbahnhof Lünen ist aktuell geschlossen. Das soll sich bald ändern, aber Personal und Bewerber sind rar. So extrem hat auch der Inhaber es noch nie erlebt.

Wer zur Zeit in der Bäckerei Kanne im Lüner Hauptbahnhof ein Brötchen, Teilchen oder einen Kaffee kaufen möchte, steht vor verschlossener Tür. Aushänge an den Eingängen weisen darauf hin, dass die Filiale wegen akuten Personalmangels vorübergehend geschlossen ist. Die ursprüngliche Hoffnung, die Bäckerei noch in zweiten Septemberwoche wieder zu öffnen, haben sich derweil zerschlagen.

„Der Bewerbermarkt ist ziemlich leergefegt“, erklärt Inhaber Wilhelm Kanne am Freitag (10.9.) auf Anfrage. Das betrifft nicht nur die Bäckerei Kanne. Auch etwa in der Gastronomie ist die Nachfrage für neue Mitarbeiter nach langen Monaten des Lockdowns sehr hoch.

Auch bei der Bäckerei Kanne wird dringend neues Personal gesucht. „Vielen anderen Betrieben geht es ähnlich“, so Kanne weiter. Für die Bäckerei mit 27 Filialen in Lünen und der Region sei diese Situation dabei genauso unbefriedigend, wie für die Kunden. „Wir sind jetzt anderthalb Jahre lang von Einschränkungen und Bestimmungen gegeißelt worden und wollen endlich wieder Vollgas geben. Aber wir können nicht.“

Kanne im Hauptbahnhof noch einige Zeit geschlossen

Wann die Filiale am Hauptbahnhof wieder öffnen wird, ist noch nicht klar. Bis zum 19. September werde wohl noch geschlossen bleiben müssen.

Um möglichst schnell neue Mitarbeiter zu finden, hat die Bäckerei mehrere Kampagnen. Nicht nur auf der Internetseite und auf Plakaten. Auch per Whats-App-Nachricht (Tel. (0176) 56 61 75 40) können sich potenzielle Bewerber melden. „Bei uns liegt zur Zeit keine Bewerbung länger als eine Stunde“, sagt Kanne. 20 Stellen in dem Unternehmen mit rund 290 Mitarbeitern seien aktuell unbesetzt. „Wir sind da total offen. Jeder der möchte, kann kommen.“

Denn auch wenn die Bäcker selbst nicht von etwaigen Schließungen im Lockdown betroffen waren, habe es Umsatzeinbruch gegeben. „Je nachdem wie hoch der Anteil des Cafès in der Filiale war.“ Kanne beziffert die Einbußen während der Pandemie mit etwa 20 bis 30 Prozent weniger Umsätzen. Auch Kurzarbeit habe es während der Pandemie gegeben, Kündigungen hingegen nicht.

Zu wenig Fachkräfte?

In wie weit auch der Fachkräftemangel allgemein eine Rolle spiele, kann Wilhelm Kanne nur schwer einschätzen. „Das schwebt natürlich immer darüber. Aber ich würde es aktuell nicht darauf schieben.“

Sobald wie möglich sollen dann auch im Hauptbahnhof wieder Brötchen verkauft werden. Wenn genug Personal gefunden und auch eingearbeitet ist.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus