Barfußpilger hat den Weltrekord in der Tasche

Durch Lünen gewandert

Er hat es geschafft – Aldo Berti hat den Weltrekord im Barfußpilgern in der Tasche. Und sogar eher als der 53-jährige Psychotherapeut selbst geplant hatte. Über 2100 km legte er dafür zurück – und all das ohne Schuhe. Zwischenzeitlich war der neue Weltrekordträger sogar in Lünen zu Gast. Die Aktion hatte auch einen guten Zweck.

LÜNEN/DORTMUND

, 21.08.2017, 13:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zur Halbzeit war er Anfang Juli in der Jugendherberge am Cappenberger See in Lünen und in Dortmund zu Gast. Am Samstag (19. August) kam er an seinem Ziel, dem Kloster Einsiedeln in der Schweiz, an. „Es waren genau 2116,25 Kilometer, die ich barfuß geschafft habe“, erzählte Berti dieser Redaktion am Telefon. „Als ich in Lünen ankam, hatte ich noch etwa 1000 Kilometer vor mir.“

86 Tage brauchte er seit seinem Start in Sassnitz auf der Insel Rügen. Schon am 82. Tag hatte er den bisher bestehenden Weltrekord, den ein Ire 2016 geschafft hatte (2080 km in 104 Tagen) geschafft. Danach konnte er die letzten Etappen langsamer angehen.

Splitter und Steine

Schon beim Gespräch an der Jugendherberge vor sechs Wochen berichtete er von problematischen Strecken, wo ihm Splitter und kleine Steine Schmerzen bereiteten. Einen Splitter hatte er sich da auch schon in den Fuß gelaufen. Ihn beim Arzt zu entfernen hätte jedoch das Ende seines Weltrekord-Plans bedeutet. „Zwischendurch war es schon mal kritisch, weil die Füße irgendwie weich wurden, aber das ist dann auch abgeheilt und es ging weiter“, so Berti.

Eine Woche ist seine Psychotherapie-Praxis in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) noch geschlossen. „Aber ich fange so langsam an, schon mal alles, was an Schriftsachen liegen geblieben ist, aufzuarbeiten. Mich jetzt wieder ans normale Leben zu gewöhnen.“ Seine Füße können das offenbar nicht so schnell. „Ich bin gerade mit meinem Hund unterwegs, natürlich barfuß. Nur für etwas steinige Strecken im Wald hab ich mir mal Flip-Flops eingesteckt.“ Der Test mit richtigen, wenn auch weiten, Schuhen ging daneben. „Die Schuhe waren mir einfach zu eng.“

Wiederholung ist möglich

Und er könnte sich tatsächlich vorstellen, noch mal so eine Strecke barfuß zu bewältigen. „Ich bin jemand, der immer neue Herausforderungen sucht. Und wenn beispielsweise ein Fernsehsender auf die Idee kommt, mir das Barfußpilgern auf einer bestimmten Strecke zu finanzieren – warum nicht?“

Jetzt lesen

Neben dem Weltrekord war noch etwas anderes wichtig – Berti nannte die Aktion schließlich auch „Charity Pilgertour“. Er sammelte zwischendurch Spenden. „Und einige größere Spenden sollten gezahlt werden, wenn ich den Weltrekord schaffe.“ Insgesamt müssten es um die 10.000 Euro für drei Projekte sein, die Kinder und Jugendliche unterstützen.

Die Spenden gehen an die Friedrich-Ludwig-Schröder Kinderstiftung in Hamburg, die Radio 7 Drachenkinder in Baden-Württemberg und seine eigene Sportförderung für mittellose, aber talentierte Kinder und Jugendliche.

Erster Moment der Ruhe

Einen ersten Moment der Ruhe hatte Berti im Kloster, an seinem Zielort. Vor der Schwarzen Madonna legte er Briefe ab, die ihm vor und während des Pilgerns dafür mit gegeben wurden. Und auch er genoss den Moment der Stille im Kloster, den er als sehr innig und anrührend empfand. Da flossen dann auch die Tränen, als ihm bewusst wurde, was er geschafft hatte.

Lesen Sie jetzt