An der Kreuzstraße entstanden zuletzt Neubauten unter der Regide des Bauvereins zu Lünen. Künftig soll überwiegend im Bestand saniert oder neu gebaut werden. So Wachsen wie bisher will der Bauverein erst einmal nicht mehr. © Bauverein zu Lünen
CO2-Neutralität

Bauverein zu Lünen vollzieht Kehrtwende – und investiert nur noch in Bestand

Die Bebauung der ehemaligen Mercedes-Fläche an prominenter Stelle in Lünen ist das letzte große Neubauprojekt, das der Bauverein zu Lünen realisieren will. Dann fließt Geld in den Bestand.

Es ist ein Paradigmenwechsel, stimmt Andreas Zaremba seinem Vorstands- und Geschäftsführungskollegen Matthias Beckmann unumwunden zu. Bis 2045 möchte der Bauverein zu Lünen die CO2-Neutralität erreichen. Abseits politischer Vorgaben ist das ein selbstgestecktes Ziel, das immense Investitionen erfordert.

„Das ist eine enorme Herausforderung“, sagt Zaremba. Solchen habe man sich bislang zwar immer wieder gestellt, „aber die ist etwas Besonderes“. Denn nach einer aktuellen Zustandsanalyse des Bestands weiß der Bauverein zu Lünen, dass an vielen Objekten Hand angelegt werden muss und dass dies ein enormes Investment bedeutet. „Wir haben nur noch 23 Jahre, das ist eine vergleichsweise kurze Zeit“, sagt Vorstandsarchitekt Carsten Unterberg.

So sahen die Häuser am Espelweg vor der Sanierung aus.
So sahen die Häuser am Espelweg vor der Sanierung aus. © Bauverein zu Lünen © Bauverein zu Lünen

Der Vorstand hatte sich am Mittwochabend in der Gesellschafterversammlung die Rückendeckung für die ambitionierten Pläne geholt. Statt in Neubaugebieten neuen Wohnraum zu schaffen, soll vorrangig der Bestand saniert und CO2-neutral werden.

„Bei den Neubauten der vergangenen Jahre ist das relativ einfach“, sagt Unterberg. Dort müsse nicht viel an der Hülle getan werden, sondern lediglich auf fossile Brennstoffe verzichtet. „Eine andere Heizung einzubauen, das geht ganz schnell“, sagt Unterberg.

Bestandsersetzende Neubauten wird es auch geben

Der Vorstand spricht daher selbst fast schon vom Tiefstapeln, wenn er sagt, dass bis zum Jahr 2030 30 Prozent der Immobilien CO2-neutral sein sollen. „Wir werden tatsächlich wohl eher bei 40 Prozent landen“, schätzt Unterberg.

Doch es gibt daneben auch die anderen Häuser, wo der Mieterverein zu Lünen von „bestandsersetzenden Neubauten“ spricht. Was heißt: Alte Häuser werden abgerissen und komplett neu wieder aufgebaut. „Das sind nicht viele Häuser, aber das ist eine exorbitante Investition“, sagt Matthias Beckmann.

Die Häuser am Espelweg im Besitz des Bauvereins zu Lünen werden derzeit saniert.
Die Häuser am Espelweg im Besitz des Bauvereins zu Lünen werden derzeit saniert. © Bauverein zu Lünen © Bauverein zu Lünen

„Bis wir das in Lünen machen, wird noch einige Zeit vergehen“, beruhigt Carsten Unterberg Mieter, die solch eine Aussage aufschrecken dürfte. Und es seien auch nicht viele Häuser, die so drastisch betroffen wären. Zwei größere Wohnkomplexe hat der Mieterverein dazu in Lünen im Auge.

Aktuell setzt man so ein Konzept erst einmal in Dortmund um. „Wir haben dafür Applaus bekommen“, staunt Zaremba, dass an sich erwartete Schwierigkeiten ausblieben. „Die waren einfach froh, dass etwas passierte“, weiß Zaremba um den Zustand der alten, schlicht abgewohnten Wohnungen aus der frühen Nachkriegszeit.

„In den ganz alten Häusern aus den 1940er- und 1950er-Jahren stimmt halt Vieles nicht mehr“, sagt Matthias Beckmann. In diese noch viel Geld für eine energetische Sanierung zu stecken, sei schlicht nicht wirtschaftlich. Weder seien die Grundrisse der Wohnung zeitgemäß, noch der Brandschutz. Da helfe nur Abriss und Neubau, immer mit der Prämisse, dass die alten Mieter in die neuen Wohnungen zögen.

Mieter werden stets eingebunden und informiert

Solche Entscheidungen will der Bauverein nämlich nicht über die Köpfe der dort lebenden Menschen hinweg entscheiden. „Wir werden die Mieter intensiv mitnehmen“, erklärt Unterberg. „Wir wollen sie ja nicht los werden“, betont Zaremba. „Das sind ja unsere Mitglieder, denen das Unternehmen eigentlich gehört“, ergänzt Prokurist Stephan Heupel und erinnert an das Prinzip der Genossenschaft.

Bis Abrissarbeiten in Lünen durchgeführt werden, wird es daher noch dauern. In den Selmer Neubaugebieten ist das gar kein Thema. Zunächst geht es in Lünen an die energetische Sanierung der Häuser, die noch eine Zukunft haben. Dreifachverglaste Fenster, Dämmungen, neue Heizungen, all das steht an.

Die Mieten sollen dabei stabil bleiben. Als Genossenschaft will der Bauverein die Fördergelder, die er für die Maßnahmen bekommt, so an die Mieter weitergeben.

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