Bei dieser Europawahl steht viel auf dem Spiel

rnMeinung am Mittwoch

Demokratische Wahlen sind nicht selbstverständlich. Auch in der Türkei haben die Menschen dies feststellen müssen. Kenan Küçük wirbt daher für die Europawahl.

von Kenan Küçük

Lünen

, 15.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Zum Geburtstag wünsche ich mir: Wenn ich mir heute, zu meinem Ehrentag, etwas wünschen dürfte, dann wäre das – neben einem sonnigen Tag mit guter Laune – die Einsicht bei möglichst vielen meiner europäischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, dass in anderthalb Wochen nicht irgendeine Wahl für ein weit entferntes Parlament ansteht, mit dessen Entscheidungen sie nichts zu tun haben. Sondern, dass am Wahltag viel auf dem Spiel steht und es sich für jede Demokratin und jeden Demokraten gehört, an dieser Wahl teilzunehmen.

Es mag uns Bürgerinnen und Bürger Europas selbstverständlich erscheinen, die Wahl zu haben.

Demokratie ist nicht selbstverständlich

Aber wir sollten nicht vergessen, dass es immer noch viele Menschen auf der Welt gibt, für die Demokratie als Wert an sich und Wahlen als Ausdruck dieses Wertes nicht selbstverständlich sind. Auch in meinem Herkunftsland, der Türkei, haben die Menschen dies gerade erst wieder feststellen müssen.

Der Autor: Kenan Küçük ist der Geschäftsführer des Multikulturellen Forums in Lünen
Bei dieser Europawahl steht viel auf dem Spiel

Kenan Kücük © Foto: Jens Nieth

Wir sollten, so meine ich, auch nicht außer Acht lassen, dass jede einzelne Wahl dazu beitragen kann, die Demokratie in unseren Ländern entweder zu stärken – oder sie zu schwächen. Nicht selten wird vor allem auch von Politikerinnen und Politikern im Wahlkampf angekündigt, es stünde viel auf dem Spiel.

Auch wenn der Appell vielen daher als „abgenutzt“ erscheinen mag: Bei dieser Europawahl steht viel auf dem Spiel. Denn die Zusammensetzung des EU-Parlaments kann prägend sein für die zukünftige Richtung, in die die EU steuert: Einstehen für gemeinsame Werte, Bekämpfung von Ungleichheiten, nachhaltige Entwicklungsziele – oder Ausgrenzung, Diskriminierung, Nationalismus.

Probleme in einem geeinten Europa lösen

Darum wünsche ich mir einerseits, dass viele am 26. Mai aus demokratischem Pflichtgefühl wählen gehen. Aber mehr noch: Ich wünsche mir, dass wir die Lösungen für die drängenden Probleme unserer Zeit – Klimawandel, Arbeitslosigkeit, Nationalismus – in einem demokratisch geeinten Europa suchen. Dass setzt Menschen voraus, die sich mit diesen Problemen und Fragen beschäftigen, die Politikerinnen und Politiker auch kritisch begleiten und Wünsche an sie herantragen.

Dann wird aus der „Pflichtwahl“ am 26. Mai eine Wahl aus Eigeninteresse – und für mich ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, über das ich mich sehr freuen würde.

Lesen Sie jetzt