Für Bestatter Markus Merten ist Tod kein Tabu, auch nicht im Gespräch mit seinen Kindern

rnSerie Familiensache

In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele der Firmenübernahme. Wie Markus Merten.

Lünen

, 31.07.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich hatte Markus Merten ganz andere berufliche Pläne. „Ich habe Informatik und Elektrotechnik studiert“, sagt der 45-jährige Chef des Bestattungshauses Kirchhof-Merten.

Ende der 90er Jahre entschied er sich dann aber doch dafür, ins traditionsreiche Familienunternehmen einzusteigen. Mittlerweile ist auch seine Frau Chantal (40) dabei, die als Innenarchitektin eine besondere Sicht auf die Arbeit als Bestatterin hat.

Mutter Johanna ist fürs Café verantwortlich

Seit 2012 führt Markus Merten die Firma. Auch seine Eltern, Johanna Kirchhof-Merten und Theodor Merten, stehen ihm und seiner Frau noch zur Seite. Johanna Kirchhof (73) ist beispielsweise für das Café auf dem Gelände der Firma verantwortlich, in dem immer öfter die Kaffeetrinken nach Beisetzungen stattfinden.

Markus und Chantal Merten sind die vierte Generation in der Familie Kirchhof-Merten, die die Firma leitet. Aber die Unternehmens-Historie reicht sogar bis ins Jahr 1754 zurück. Immer wieder wechselten dann die Besitzer, bis Julius Kirchhof die Bestattungsfirma übernahm. Ihm folgte sein Sohn Hermann, der Vater von Johanna Kirchhof-Merten.

Steuerfachgehilfin und Lagerist

Bevor sie 1982 die Chefin wurde, war sie als Steuerfachgehilfin tätig: „Ich hab mich aber immer um die Buchhaltung gekümmert und auch Beratungen übernommen.“ Ihr Mann Theodor Merten war Lagerist. Als die Firmennachfolge geregelt war, arbeitete Merten schon drei Jahre lang bei seinem Schwiegervater mit. 1984 baute die Familie dann an der Altstadtstraße neu.

Vor einigen Jahren entschieden sich Markus und Chantal Merten, den Firmensitz noch einmal umzubauen und zu modernisieren. Inzwischen gehört neben dem Café auch eine Trauerhalle für Trauerfeiern dazu.

Das war mitten im Umbau des Bestattungshauses an der Altstadtstraße - Chantal und Markus Merten mit Tochter Flora.

Das war mitten im Umbau des Bestattungshauses an der Altstadtstraße - Chantal und Markus Merten mit Tochter Flora. © Beate Rottgardt

Markus Merten ist der jüngere von zwei Brüdern. Oliver Merten hat sich mit einer Folienbeschriftungs-Firma selbstständig gemacht, die Produkte vor allem für die Bestattungsbranche anbietet.

Und er hilft seinem Bruder auch immer noch im Bestattungshaus. Beide sind ausgebildete Thanatologen, gehören dem Verband der Einbalsamierer an, die Verstorbene beispielsweise nach schweren Unfällen für einen würdevollen Abschied vorbereiten.

Oliver (l.) und Markus Merten im Versorgungsraum des Bestattungsunternehmens. Beide Brüder sind ausgebildete Thanatologen (Einbalsamierer). In dem Raum werden die Verstorbenen hygienisch versorgt.

Oliver (l.) und Markus Merten im Versorgungsraum des Bestattungsunternehmens. Beide Brüder sind ausgebildete Thanatologen (Einbalsamierer). In dem Raum werden die Verstorbenen hygienisch versorgt. © Beate Rottgardt

„Wenn ich sage, dass ich mich schon seit 30 Jahren um Bestattung kümmere, sind die Leute verwundert“, so Markus Merten. Aber es stimmt - schon als Jugendlicher fuhr er mit seinen Eltern zu Beerdigungen oder Gesprächen mit Hinterbliebenen mit.

Er wusste also genau, was auf ihn zukommen würde, als er die Firma übernahm. Seine Frau wuchs langsam in die Arbeit mit rein. Die Beiden hatten sich kennengelernt, als Chantal Merten für ihr Studium ein Projekt mit einem Bestattungshaus plante.

„Kinder nicht in eine Blase packen“

„Weil wir beide im Betrieb sind, reden wir natürlich auch zuhause über die Arbeit. Wie das bei vielen Selbstständigen ist“, so Merten. Auch ihre beiden kleinen Kinder wissen, was die Eltern beruflich machen.

„Wenn die Kinder fragen, ob sie mitgehen können, nehmen wir sie auch mal mit zur Vorbereitung einer Abschiedsnahme“, sagt der zweifache Vater.

Seine Frau sieht es genauso: „Wir versuchen nicht, sie in so eine Blase zu packen.“ Die beiden Kinder lernen so einen unverkrampften Umgang mit dem Thema Tod. Und wissen auch, warum Mama oder Papa auch mal am Wochenende zu einer Beerdigung müssen oder zu einem Gespräch mit Angehörigen.

Vertrauen seit vielen Jahren aufgebaut

„Wir erfahren immer sehr viel Persönliches von den Kunden und manches beschäftigt einen auch länger“, so Chantal Merten. Dadurch, dass es den Familienbetrieb schon so lange gibt, betreut die Familie Kirchhof-Merten auch schon einige Familien seit Generationen. Markus Merten: „Es gibt da schon starke Bindungen, man vertraut sich über eine lange Zeit.“

Zum 1. August beginnt eine neue Auszubildende ihre Lehrzeit. „Wir wollten unbedingt wieder ausbilden, auch wenn es nicht so leicht ist, jemanden zu finden, der auch geeignet ist“, sagt Merten.

Häufig stellen sich junge Leute vor, deren erster und zweiter Berufswunsch nicht in Erfüllung ging und die sich dann überlegen, dann könnte man doch Bestatter werden.

Vieles im Blick haben

Chantal Merten: „Wir brauchen Leute, die sich auf verschiedenen Gebieten auskennen, am besten schon Anfang 20 sind.“ Jüngere Mitarbeiter, so die Erfahrung, würden von den Kunden eher nicht so ernst genommen. Bedenken müsse man auch, dass auch Verwaltungsarbeit zum Beruf gehört. Man müsse vieles im Blick haben, beispielsweise, damit die Frau eines Verstorbenen auch rechtzeitig ihre Witwenrente bekommt. Auch das gehört zum Beruf des Bestatters.

Genauso wie auch das Thema Vorsorge. Auch darum kümmert sich Markus Merten auf Wunsch von Kunden, die alles zu Lebzeiten regeln wollen, damit ihre Kinder damit nicht belastet werden.

Kinder sind noch zu klein, um an Beruf zu denken

Ob die Familiengeschichte der Firma auch in der fünften Generation weitergeschrieben wird, können Chantal und Markus Merten noch nicht sagen: „Dafür sind unsere Kinder noch zu klein. Und die beiden Kinder meines Bruders sind im selben Alter. Vielleicht kann man in 15 Jahren mal fragen, ob einer von ihnen die Firma übernehmen will. Schön wäre es natürlich, aber es ist auch in Ordnung, wenn sie andere berufliche Wege gehen wollen.“

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