Betrüger bekommt 15 Monate auf Bewährung

Urteil gesprochen

Seine eigenen Schulden trieben ihn in die Kriminalität: Ein 51-Jähriger aus Witten hat ein Lüner Ehepaar um 50.000 Euro betrogen. Damit zahlte er seine eigenen, längst fälligen Rechnungen. Am Freitag wurde er wegen schweren Betruges im Amtsgericht Lünen verurteilt.

LÜNEN

, 08.01.2016, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Um ihre Schulden zu begleichen, müssten sie schon ein eigenes Busunternehmen gründen und Millionär werden“, sagte Amtsrichter Ulrich Oehrle zum 51-jährigen Angeklagten aus Witten. Dieser hatte ein Lüner Ehepaar im August 2011 um 50.000 Euro betrogen. Am Freitag erhielt der Wittener vor dem Amtsgericht Lünen dafür die Quittung.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Oehrle verurteilte den früheren Finanz- und Vermögensberater wegen besonders schweren Betruges (§ 263 Abs. 3 StGB) zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. Dazu kommen noch 300 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Keine Klage gegen das Urteil

Damit lag das Strafmaß nahezu in der Mitte von dem, was Staatsanwaltschaft (ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung) und Verteidigung (neun Monate auf Bewährung) in der Hauptverhandlung gefordert beziehungsweise zugestanden hatten. Das Urteil ist rechtskräftig. Beide Seiten erklärten, das Urteil nicht anfechten zu wollen.

Das geschädigte Ehepaar lebt heute in Wetter (Ennepe-Ruhr-Kreis). 2011 suchten die Eheleute über ein Immobilienportal im Internet ein neues Haus, das in Lünen verkauft werden sollte. Dabei lernten sie den Angeklagten online kennen. Hausbesuche folgten.

Geldanlage-Projekt existierte nicht

Der „seriös wirkende Finanzberater“, so der Kläger, schlug zur Finanzierung der neuen Immobilien eine Geldanlage von 50.000 Euro in noch zu bauende österreichische Blockheizkraftwerke vor – bei einer Rendite von fünf Prozent pro Jahr. Er selbst „wollte in das Projekt“, das nur auf dem Papier bestand, wie der Angeklagte dann einräumte, 160.000 Euro einbringen. Geld, das der 2011 in Finanzschwierigkeiten steckende Berater gar nicht hatte.

Dank seines „seriösen Auftretens“ nahm das Lüner Ehepaar einen Kredit von 50.000 Euro auf und überwies das Geld auf ein Schweizer Konto des Angeklagten. Statt das Geld zu investieren, beglich der Wittener damit eigene Schulden. Von den 50.000 Euro sahen die Geschädigten bislang keinen Cent wieder.

Verurteilter will zurückzahlen - Richter ungläubig

Daran wird sich nach Einschätzung von Amtsrichter Ulrich Oehrle – trotz anderslautender Bekundungen des Verurteilten – vermutlich auch nichts ändern. Der Ex-Finanzberater lebt von Hartz-IV. Derzeit absolviert er eine Umschulung zum Busfahrer: „Danach kann ich bei der Bogestra arbeiten“, erklärte er. Für realistisch schien Oehrle das jedoch nicht zu halten und schlug ihm nicht ernstgemeint die Gründung eines Busunternehmens vor. Sein zweiter Rat: Millionär werden.

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