Betrügerische irische Pflasterreiniger treiben ihr Unwesen in Nordlünen

rnBetrugsmasche

Mal mehr, mal weniger erfolgreich machten sich irische Pflasterreiniger in jüngster Zeit in Nordlünen ans Werk. Nach kurzer Verschnaufpause fahren die Betrüger schon wieder durch die Gegend.

Nordlünen

, 28.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Natalia K. ärgert sich immer noch, dass sie „diesen Betrügern auf den Leim gegangen ist“. Die 36-Jährige bewohnt mit ihrem Lebensgefährten eine Doppelhaushälfte am Falkenweg in Nordlünen und ist Opfer von betrügerischen irischen Pflasterreinigern geworden. Ein weiterer Versuch der mutmaßlichen Betrüger scheitert auf der Hälfte des Weges.

Die ganze Geschichte zieht sich mehr oder weniger über zwei Tage hin - sie nimmt am Freitag (24. April) ihren Anfang und endet vorläufig am Samstag (25. April) mit einer Betrugsanzeige bei der Polizei.

Eine Polizeisprecherin bestätigt die Ereignisse am Dienstag (28.) auf Anfrage unserer Redaktion. Und das ist passiert:

Es ist Freitag zwischen 14.30 Uhr und 15 Uhr, Diplom-Kauffrau Natalia K. arbeitet im Home-Office, während ihr Lebensgefährte beruflich in der Schweiz unterwegs ist, „da klingelt auf einmal ein junger Mann an der Tür“.

Nach kurzer Begrüßung wechselt die Unterhaltung schnell ins Englische und der mit einer orange-farbenen, mit Leuchtstreifen abgesetzten Stoffjacke bekleidete Arbeiter erklärt K., dass er und seine zwei Kollegen gerade in der Nachbarschaft ein Pflaster gereinigt haben und dass noch reichlich Imprägniermaterial übrig ist.

Das gepixelte Foto zeigt einen der Täter aus nächster Nähe. Es liegt auch der Polizei vor.

Das gepixelte Foto zeigt einen der Täter aus nächster Nähe. Es liegt auch der Polizei vor. © K.

Um das nicht wegschmeißen zu müssen, bietet der unbekannte Arbeiter an, das Pflaster vor dem Haus für 10 Euro pro Quadratmeter zu reinigen und die Imprägnierung gratis durchzuführen. „Das würde sonst insgesamt um die 25 Euro pro Quadratmeter kosten hat er gemeint“, sagt Natalia K. am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion.

Grob geschätzt geht sie nach Rücksprache mit dem Arbeiter davon aus, dass rund 20 bis 30 Quadratmeter Pflaster gereinigt und imprägniert werden müssen. Die Kosten also zwischen 200 und 300 Euro liegen. Die Beiden sind sich handelseinig.

Das gereinigte und imprägnierte (?) Pflaster vor dem Haus von Natalia Kuklina.

Das gereinigte und imprägnierte (?) Pflaster vor dem Haus von Natalia Kuklina. © K.

Inzwischen sind auch die Kollegen des Englisch sprechenden Wortführers mit einem älteren, weißen Ford-Transit vorgefahren. „Der Wagen hatte ein irisches Kennzeichen“, erinnert sich K. weiter.

Das dem Auto-Kennzeichen nach aus Irland stammende Trio macht sich an die Arbeit, nach rund 90 Minuten ist wie an der Tür vereinbart das Pflaster vorm Haus und zusätzlich die Terrasse dahinter gereinigt und imprägniert. Kostenpunkt auf einmal: 1200 Euro. „Ich dachte, ich höre nicht richtig,“, sagt Natalia K.: „Sie hätten Material für 120 Quadratmeter verbraucht.“ Die 36-Jährige misst später nach und kommt nur auf 80 Quadratmeter, was 800 Euro „Arbeitslohn“ entspricht, da ist das Kind aber schon längst in den Brunnen gefallen.

Die handschriftlich ausgefüllte Rechnung über 1200 Euro.

Die handschriftlich ausgefüllte Rechnung über 1200 Euro. © K.

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch händigt die 36-Jährige den Männern 500 Euro in bar aus, weitere 500 Euro besorgt sie sich von einem Geldautomaten in der Nähe. Die restlichen 200 Euro wollen sich die Arbeiter am nächsten Morgen, also am Samstag (25. April) abholen.

Nach einer „unruhigen Nacht“ und weil bis 9 Uhr wie vereinbart niemand zum Kassieren auftaucht, fährt Natalia K. zum Einkaufen in die Lüner City.

Gegen 11 Uhr ist sie zurück und sieht, dass einer der irischen Arbeiter ein paar Häuser weiter von ihrem Grundstück entfernt, aktiv ist. K. geht dorthin, macht noch ein paar Schnappschüsse mit dem Handy, und kommt mit dem Eigentümer des frei stehenden Einfamilienhauses, Christoph R. ins Gespräch.

Anruf bei Polizei, Flucht zu Fuß

Schnell stellen der „Mittvierziger“ (R. über R.) und die 36-Jährige fest, dass die Ansprache und das Unterbreiten des Angebots in beiden Fällen nahezu identisch sind. „Da habe ich den Mann aufgefordert, sofort die Arbeit einzustellen“, sagt Christoph R. Weil der Mann nicht reagiert und nur auf seinen Chef verweist, fackelt R. nicht länger und ruft im Beisein von Natalia K. die Polizei zur Hilfe. „Das hat der Arbeiter wohl mitgekriegt und Hals über Kopf zu Fuß die Flucht ergriffen.“ Zurück lässt der Flüchtige ein Kunstoff-Fass und Reinigungsschläuche.

Dieses Material nimmt die Polizei wenig später und nach Aufnahme einer Betrugsanzeige vor Ort zur Spurensicherung mit.

„Keine weiteren Anzeigen“

Während sich K. und R. ziemlich sicher sind, dass es noch weitere Opfer in dem Wohngebiet geben muss, bestätigt die Polizei das nicht. „Uns liegt nur die eine Anzeige vor, was nicht heißt, dass es keine weiteren Geschädigten gibt“, sagt eine Polizeisprecherin am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion.

Mit diesem weißen Ford-Transit sind die irischen Pflasterreiniger unterwegs. Auf dem Fahrzeugdach sind Leitern befestigt.

Mit diesem weißen Ford-Transit sind die irischen Pflasterreiniger unterwegs. Auf dem Fahrzeugdach sind Leitern befestigt. © R.

Derweil haben Natalia K. und Christoph R. wiederum von einem Nachbarn in Erfahrung gebracht, dass der flüchtige Pflasterreiniger am Samstag ein paar Straßenzüge weiter „in den weißen Transit gesprungen ist und sich die Gauner Richtung Cappenberg mit Vollgas aus dem Staub gemacht haben“.

Doch damit nicht genug: Wohl völlig unbeeindruckt von den Geschehnissen der vergangenen Tage, sind die irischen Pflasterreiniger am Dienstag (28.) erneut rund um den Falkenweg aufgetaucht. Gleich mehrere Augenzeugen machten Bilder von dem weißen Ford-Transit. Die Polizei ist informiert.

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