Betrug an Lüner Großbäckerei: Nächstes Urteil

44-Jähriger verurteilt

Sechs Jahre nach dem Auffliegen des Betrugsskandals im Umfeld der Lüner Großbäckerei Lieken ist nun auch der ehemalige Fahrer eines Hagener Paletten-Großhandels verurteilt worden. Dieser soll als "Bote" fungiert haben. Die entscheidende Rolle bei der Betrugsmasche spielten etliche Europaletten.

LÜNEN/DORTMUND

07.06.2017, 17:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Betrug an Lüner Großbäckerei: Nächstes Urteil

Das Landgericht Dortmund.

Das Dortmunder Landgericht hat am Mittwoch zwei Jahre Haft für den Fahrer aus Hagen auf Bewährung verhängt. Zuvor hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt.

Damit steht fest, dass auch der 44-Jährige ein wichtiges Rädchen in einer groß angelegten Betrugsmaschinerie gewesen ist - zum Nachteil der bei Lieken für die Logistik zuständigen Unterfirma. Die soll einen Schaden von rund 1,5 Millionen Euro erlitten haben.

100 Euro für jeden falschen Lieferschein

Nach Erkenntnissen der Ermittler funktionierte die kriminelle Masche so: Um die Brote der Großbäckerei stets schnell und pünktlich ausliefern zu können, benötigte das Logistik-Unternehmen große Mengen Europaletten. Diese bezog es aus Hagen – jede Woche Tausende. Der nun angeklagte Fahrer soll schließlich im Jahr 2009 nachgefragt haben, ob „man nicht mal was machen“ könne. Mit anderen Worten: Der für das Abzeichnen der Lieferscheine zuständige Disponent in Lünen sollte mit Geldversprechen dazu gebracht werden, den Erhalt von mehr Paletten zu quittieren als geliefert worden waren. Ob die Idee vom Angeklagten oder von dessen Chef kam, ist umstritten.

Der Vorstoß war auf jeden Fall erfolgreich. Laut Staatsanwaltschaft ließ sich der Disponent jeden zu Unrecht abgezeichneten Lieferschein mit 100 Euro in bar belohnen. Derweil rieb sich der Hagener Palettenchef die Hände. Er bekam von der Logistikfirma deutlich mehr Geld überwiesen als ihm eigentlich zugestanden hätte.

Persönliche Bereicherung des Fahrers nicht nachgewiesen

Das Wirken des Fahrers bezeichnete die Staatsanwältin als „Botendienst“. Er habe Geld und falsche Lieferscheine hin und her gefahren. „Es war ein riesengroßer Fehler, mich darauf einzulassen“, sagte der 44-Jährige den Richtern. Jeden Monat zahle er 200 Euro zur Schadenswiedergutmachung. Dass er selbst von dem Betrug profitiert hat, ließ sich nicht feststellen. Verteidiger Axel v. Irmer: „Er ist komplett durchleuchtet worden. Dabei wurde nichts gefunden.“

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