Blockiert Lünen Denkmalschutz für "Villa Urbahn"?

Stadt prüft LWL-Gutachten

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hält die verfallene "Villa Urbahn" in Lünen für "denkmalwürdig". Nun prüft die Untere Denkmalbehörde der Stadt dieses Gutachten. Nach Informationen unserer Redaktion will die Behörde verhindern, dass die Villa einen Denkmalschutz bekommt.

LÜNEN

, 03.06.2017, 07:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Blockiert Lünen Denkmalschutz für "Villa Urbahn"?

Nach einem Gutachten des Landschaftsverband Westfalen-Lippe ist die "Villa Urbahn" unter Denkmalschutz zu stellen.

Die Lüner Rechtsanwaltskanzlei Strecker & Hane hatte den Abriss der Villa geplant, der Stadtentwicklungsausschuss segnete ihn im Juni vergangenen Jahres ab. An die Stelle der "Villa Urbahn" an der Graf-Adolf-Straße will die Anwaltskanzlei ein dreigeschossiges Wohn- und Kanzleigebäude errichten.

„Unsere Denkmalschutz-Experten haben die Villa eingehend geprüft. Sie sind der Auffassung, dass die Villa unter Denkmalschutz zu stellen ist“, sagte ein LWL-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Das Ende April dieses Jahres fertiggestellte Gutachten liege jetzt bei der Stadt Lünen. Aus gut informierten Ratskreisen hat unsere Redaktion erfahren, dass die Stadt den Denkmalschutz für die Villa verhindern wolle. 

Expertise des LWL setzte sich in der Regel durch

Ob und wie die Untere Denkmalbehörde verhindern will, dass die Villa nicht zum denkmalgeschützten Gebäude wird, beantwortete die Stadt nicht: „Hierbei handelt es sich um einen ausschließlich verwaltungsinternen Vorgang, der derzeit der Unteren Denkmalschutzbehörde vorliegt. Wie bei laufenden Verfahren üblich, können wir hierzu leider nicht Stellung nehmen.“

Um zu verhindern, dass die Villa unter Denkmalschutz gestellt wird, müsste die Untere Denkmalbehörde schon etwas ganz Besonderes feststellen, sodass es nicht dazu kommt“, teilte der LWL-Sprecher mit. In aller Regel setze sich die Expertise des Landschaftsverbands durch, so der Sprecher.

Urbahn spricht von Vorvertrag mit der Anwaltskanzlei

Wie Dr. Rainer Urbahn sagte, befinde sich die Villa nach wie vor in Familienbesitz. Mit der Rechtsanwaltskanzlei Strecker & Hane gebe es einen Vorvertrag über den Verkauf beziehungsweise Kauf des Grundstücks und der Villa.

Dr. Andreas Strecker von der Kanzlei Strecker & Hane machte dazu auf Anfrage keine Angaben, auch nicht zu dem LWL-Gutachten und dessen Prüfung durch die Untere Denkmalbehörde: „Ich bitte um Verständnis, da es sich hier um eine laufende Angelegenheit handelt.“

Neues Gebäude soll sich an den Rathausvorplatz anpassen

Das Lüner Architektenbüro Schreiter hatte dem Stadtentwicklungs-Ausschuss im Juni 2016 das Bauvorhaben „Villa Urbahn“ im Auftrag der Rechtsanwaltskanzlei anhand eines Entwurfs explizit vorgestellt. Damals hieß es, dass die Villa sich in einem „desolaten Zustand befindet und eine Sanierung nicht machbar ist“.

Weiter hieß es, dass sich das vorgesehene dreigeschossige Gebäude, mit Staffelgeschoss, architektonisch an das Rathaus anpassen soll: „Zum Rathausvorplatz mit dem Kunstwerk Lichtblau soll eine offene Grünfläche bis zur Hauskante entstehen, die den Platz komplettiert.“

Stadt Lünen macht keinerlei Angaben zu der Thematik

Beeindruckt von dem Vorhaben, machte der Ausschuss gegen die Stimmen der Wählergemeinschaft "Gemeinsam für Lünen" (GFL) den Weg für die notwendige Änderung des Bebauungsplans frei. Die GFL stimmte damals dagegen, weil „aus unserer Sicht nicht geklärt ist, ob die Stadt das Grundstück nicht kaufen und selbst bebauen“ sollte.

Dazu hatte Lünens Kämmerer Uwe Quitter gesagt, dass dies schon angesichts der Haushaltslage nicht möglich sei. Die Stadt kann das Grundstück also selbst nicht kaufen, könnte aber Interesse daran haben, dass die Villa abgerissen und die Kanzlei entsprechend der Pläne gebaut wird. 

Stadtentwicklungs-Ausschuss Ende Juni

Wie schon zu dem LWL-Gutachten, machte die Stadt zu der gesamten Thematik keine Angaben. Offen blieben unter anderem diese Fragen: Was ist seit der Ausschusssitzung vor einem Jahr passiert? Wurde in dieser Zeit der Bebauungsplan geändert? Ist es inzwischen eine Option, dass die Stadt doch das Grundstück kauft?

Bleibt abzuwarten, wann das Thema „Villa Urbahn“ wieder auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungs-Ausschusses steht. Dessen nächste Sitzung findet am 27. Juni statt.

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