Brexit: So plant ein Schotte Deutscher zu werden

Einbürgerungstest

Der Brexit war der Auslöser: Der Dortmunder Ronald H. Preedy ist Schotte, lebt seit 40 Jahren in Deutschland - und will nun Deutscher werden. In Lünen legt er bald einen Sprachtest ab, dann folgt der Einbürgerungstest. Wir haben 33 Original-Fragen in einem Quiz zusammengestellt - würden Sie bestehen?

DORTMUND/LÜNEN

, 02.07.2017, 07:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Brexit: So plant ein Schotte Deutscher zu werden

Ron Preedy lebt seit 1973 in Deutschland. Seinen 70. Geburtstag möchte er schon als Deutscher feiern – der Grund ist das Brexit-Votum.

Nach dem Brexit der Briten hat Ronald H. Preedy nicht lange gefackelt und zügig seinen eigenen Brexit beschlossen: Der Schotte, der seit über 40 Jahren in Deutschland lebt, will nun Deutscher werden. Darauf bereitet sich der Dortmunder aktuell vor. 

Einbürgerungstest - Würden Sie bestehen?

Wer in Deutschland eingebürgert werden will, muss 30 Fragen aus den Themenbereichen "Leben in der Demokratie", "Geschichte und Verantwortung" sowie "Menschen und Gesellschaft" beantworten - dazu kommen drei Fragen zu dem Bundesland, in dem der Erstwohnsitz gemeldet ist. Den gesamten Fragenkatalog findet man auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Wir haben hier einen Beispiel-Test mit 33 Fragen vorbereitet. Es ist jeweils nur eine Antwort richtig. Wer mindestens 17 Fragen richtig beantwortet, hat bestanden. 

Noch-Schotte geht den Fragebogen ehrgeizig an

Zurück zum Dortmunder Schotten, der Deutscher werden will: Beim Einbürgerungstest, bei dem man von 33 Fragen 17 richtig beantworten muss, hat Preedy persönlichen Ehrgeiz: „Wenn ich da weniger als 30 richtig habe, dann bin ich schwer enttäuscht.“ Er will es hundertprozentig machen – also doch schon irgendwie typisch deutsch. Der Sprachtest am 8. Juli wird für Ron Preedy, der schon in der Schule Deutsch gelernt hat, kein Problem sein.

In Lünen macht der Dortmunder Preeedy bald den Sprachtest, um einen deutschen Pass zu beantragen – denn in Dortmund ging es ihm nicht schnell genug. Am 8. Juli kommt der Dortmunder nach Lünen an die Volkshochschule. Den Sprachtest braucht er, um einen deutschen Pass zu beantragen. Und zwar so schnell es geht.

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„In Dortmund konnte man mir keinen konkreten Termin nennen, wann ich diesen Test machen kann. Es wäre wohl mindestens September geworden“, erzählt Preedy. Darauf wollte er nicht warten. Er griff zum Telefon, meldete sich in Unna, Hagen und Lünen – und kam hier bei der VHS unter. „Außerdem war es in Lünen auch noch zehn Euro günstiger“, sagt der 69-jährige, „als Schotte...,“ fügt er lachend hinzu, und ergänzt: „Dieser ganze Papierkrieg ist schlimm, für diese akribischen Dinge bin ich wohl noch nicht deutsch genug.“

Ron fühlt sich als ein Teil von Europa

Ein Jahr ist es her, dass eine knappe Mehrheit der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union stimmte. Für den Schotten „Ron“, so wie ihn hier alle nennen, einfach unglaublich. Natürlich habe er, der seit 1973 in Deutschland lebt, nicht damit gerechnet, sagt er. Wie eigentlich ja alle damals nicht.

„Seine“ Schotten haben sich für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. „62 Prozent waren dafür“, sagt Ron Preedy. Für den Mann, der sein ganzes Berufsleben in Europa unterwegs war und dessen Familiengeschichte sich wie ein Stück EU-Geschichte liest, ist der Brexit ein Unding.

Brexit ist ein "Chaos", auf das viele Engländer nicht vorbereitet waren

Nun will er sichergehen, dass er sicher ist vor irgendwelchen persönlichen Folgen. Ein „Chaos“ sei das mit diesem Brexit: „Das ist so komplex, da gibt es so viele Details, die jetzt zu regeln sind, das war, glaube ich, den Engländern gar nicht klar“, befürchtet Preedy. „Die Tories wollen doch den Zuzug von EU-Ausländern stoppen. Da bleibt doch der EU gar nichts anderes, als auch irgendwas zu machen“, befürchtet er.

„Man fühlt sich eigentlich immer noch als ein Schotte“, sagt Preedy. Auch wenn er Deutschland als seine „Heimat“ bezeichnet. Seinen 70. Geburtstag im Dezember will er aber als Deutscher feiern. Dennoch: Ein bisschen Schottland aber wird immer bleiben: Mit der alljährlichen Whisky-Probe in der benachbarten Kleingartenanlage – und mit dem Schottenrock im Schrank. So gekleidet hat er auch Hochzeit mit seiner deutschen Frau gefeiert.

Zahlen und Fakten
-Allein in diesem Semester haben bei der Volkshochschule Lünen (VHS) elf Briten die Sprachprüfung und den Einbürgerungstest absolviert. Vor dem Brexit sei das eigentlich nie vorgekommen, erklärt Dagmar Harries-Boag von der VHS.
- In diesem Jahr ist nach Auskunft der Stadt ein Lüner Brite Deutscher geworden; ein Antrag laufe noch. Auch 2016 gab es einen. Zuletzt habe es dies 2011 gegeben. Insgesamt leben 45 Briten derzeit in Lünen.
- Die Sprachprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Schriftlich müssen Fragen zu einem gehörten und zu einem geschriebenen Text beantwortet sowie ein Brief geschrieben werden. Im mündlichen Teil werden mit einem anderen Prüfling Alltagssituationen nachgestellt.
- Wer für sich ausprobieren möchte, wie viele Fragen er direkt richtig beantworten kann, der findet die Fragen .

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