Bringt das neue Amazon-Lager mehr Lärm und LKW?

Sorge in Wethmar

Mal eben etwas bei Amazon bestellen: Das ist für viele eine einfache und bequeme Sache. Manche Bürger an den Zufahrtsstraßen zum Amazon-Lager in Werne sehen das etwas anders. Sie leiden unter dem Lärm der Lastwagen. Vor allem in Wethmar – aber auch in anderen Teilen von Lünen – fürchtet man, dass es noch schlimmer kommen könnte.

WETHMAR

, 18.08.2017, 11:14 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Standorte des alten und des neuen Amazon-Logistikzentrums und die Verkehrsanbindung.

Die Standorte des alten und des neuen Amazon-Logistikzentrums und die Verkehrsanbindung.

Jürgen Bielefeld aus Wethmar wohnt in der Hüttenallee, wenige Meter von der Münsterstraße (B54) entfernt. Schon jetzt, sagt er, donnerten nachts viele Lastwagen über die Münsterstraße, auch für Amazon. Wenn der Online-Händler sein neues Logistikzentrum in Werne in Betrieb nehme, würden es wohl noch mehr. „Das ist ein großes Gesprächsthema in der Nachbarschaft“, betont Bielefeld.

Unsere Redaktion hat sich zum Thema umgehört. Hier die Fakten und Einschätzungen:

Das neue Logistikzentrum: Es ist im Gewerbegebiet Wahrbrink in Werne im Bau: 500 Meter lang, 200 Meter breit, 13 Meter hoch, 100.000 qm überdachte Fläche. Etwa ab Mitte bis Ende Oktober 2017 soll es schrittweise den Betrieb aufnehmen und das bisherige Lager in den früheren Hallen von Ikea ersetzen. Gebaut wird das Zentrum vom Immobilieninvestor Verdion mit Hauptsitz in London. Amazon hat einen Mietvertrag über zunächst 20 Jahre abgeschlossen.

Die Verkehrsanbindung: Über die Landstraße L518, die Werne umgeht und eine Verbindung herstellt zwischen B54 und Autobahn A1.

Die Verkehrsbelastung: Ein Gutachten, das die Auswirkungen (mit Schwerpunkt Werne) untersucht hat, geht von insgesamt 2755 zusätzlichen Fahrten von LKW und Autos pro Tag durch das neue Lager aus. Dies gilt unter der Voraussetzung, dass das bisherige Amazon-Lager auch künftig - von einem anderen Logistiker - mit gleichem Verkehrsaufkommen wie heute genutzt wird. Bisher ist kein neuer Nutzer bekannt.

19 Prozent der Amazon-Beschäftigten kommen laut Gutachten aus Lünen. Wenn sich die Arbeitsplatzprognose bestätigt - Amazon will von circa 1500 auf 3000 Jobs wachsen - würden sich bei gleichem Anteil künftig knapp 600 statt knapp 300 Lüner auf den Weg nach Werne und zurück machen.

Für die Lünener Straße (B54) in Werne geht das Gutachten von 800 bis 1000 Fahrten mehr pro Tag durch Amazon aus, bei einer gegenwärtigen Gesamtbelastung der Straße von 8500 bis 11.000 Fahrzeugen täglich. Bis 2025 könne diese Zahl, aufgrund einer erwarteten allgemeinen Zunahme des Verkehrs, auf 10.800 bis 17.000 Kraftfahrzeuge steigen, heißt es im Gutachten.

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Was die Stadt Lünen dazu sagt: „Im Verhältnis zu den grundsätzlich zu erwartenden Steigerungen, fällt die zusätzliche Belastung (durch Amazon) aus Sicht der Stadt nicht so sehr ins Gewicht, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte“, erklärt Lünens Stadtsprecherin Julia Schmidt. Dennoch müsse „die Entwicklung in den kommenden Jahren intensiv beobachtet und fachlich im Blick behalten werden. Insbesondere im Hinblick auf den Berufsverkehr der Beschäftigten.“

Von der Stadt Lünen geplant sei unter anderem eine Analyse des motorisierten Individualverkehrs bis 2030. Im Planungsverfahren für den Amazon-Neubau habe sich die Stadt Lünen neutral zu dem Vorhaben positioniert.

Die Zahl der Lastwagen: „Zu Zahlen sagen wir nichts, weil das sehr variiert“, erklärte Amazon-Sprecherin Antje Kurz-Möller diese Woche auf Nachfrage. Lars Krause, Standort-Leiter bei Amazon in Werne, sagte im Januar 2017 im Werner Ausschuss für Stadtentwicklung und Planung aber doch etwas: Bis zu 400 LKW pro Tag würden erwartet, in absoluten Spitzenzeiten könnten es bis zu 70 pro Stunde sein. 144 LKW-Parkplätze gebe es.

Amazon Sprecherin Kurz-Möller geht von „weniger schweren LKW als heute“ aus. Dafür könnten es mehr kleinere als bisher werden. Ihre Begründung: Aus dem neuen Logistikzentrum würden ausschließlich Endkunden, also die Besteller, beliefert. Heute versorge Werne auch andere Amazon-Lager. Das übernehme künftig der Standort Dortmund. Für das Verkehrsgutachten nannte Amazon eine maximale Zahl von 530 LKW über 7,5 Tonnen pro Tag im Verkehr vom und zum heutigen Lager.

 

Die Routen und Zeiten der LKW-Fahrten: Das neue Lager arbeitet laut Kurz-Möller von 6.30 bis 23.30 Uhr. LKW-Fahrer könnten jedoch auch nachts anfahren und auf dem Parkplatz warten. Philipp Cramer aus der Werner Wirtschaftsförderung sagt: „In sogenannten LKW-Vorrangrouten, die gemeinsam mit Herstellern von Navigationssystemen entwickelt werden, werden ankommende und abfahrende LKW-Verkehre vorrangig über die Umgehungsstraße L 518 direkt zur Anschlussstelle der A1 Hamm-Bockum/Werne geleitet. Die Praxis hat unserer Einschätzung nach bisher gezeigt, dass dies in der Regel funktioniert und eingehalten wird.“

Jürgen Bielefeld aus Wethmar hat da andere Erfahrungen gemacht.

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