Brücke oder Ampel - Heftige Diskussionen in Lünen

Kurt-Schumacher-Straße

Fußgänger-Ampel statt Fußgänger-Brücke über die Kurt-Schumacher-Straße? Dieser Vorschlag der Verwaltung stößt schon auf Kritik, bevor das Thema im ersten Ausschuss besprochen wird. Im Internet wurde sogar schon eine Petition für den Erhalt der Brücke gestartet – und auch ein Schulleiter sieht die Pläne mit Sorge.

LÜNEN

, 07.02.2017, 05:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Stadt will die Fußgängerbrücke über die Kurt-Schumacher-Straße abreißen lassen.

Die Stadt will die Fußgängerbrücke über die Kurt-Schumacher-Straße abreißen lassen.

Bis zu 90 Schülerinnen und Schüler würden mehrmals täglich innerhalb weniger Minuten über diese Brücke gehen, sagt Christian Gröne, Leiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, am Montag auf Anfrage. Drei Klassen haben zeitweise parallel Sportunterricht in der Rundturnhalle, die über die Brücke innerhalb weniger Minuten zu erreichen ist.

Wenn es nach Gröne geht, soll das auch so bleiben: „Der Weg über die Ampeln ist deutlich gefährlicher und nimmt mehr Zeit in Anspruch.“ Wegen der großen Anzahl an Schülern bräuchte man auch eine entsprechend lange Grünphase – und genügend Platz zum Warten für die vielen Kinder. Dass die marode Brücke nicht einfach so stehen bleiben kann, sieht jedoch auch Gröne: „Ein Dilemma“.

Brücke nicht zu 100 Prozent sicher

Die Verwaltung hatte wie berichtet vorgeschlagen, die Brücke abzureißen und durch eine an der Einmündung Neuberinstraße platzierten Fußgänger-Ampel zu ersetzen. Der Grund: Der verbaute Spannstahl berge Risiken, könne rosten – und so sei die Brücke eben nicht zu 100 Prozent sicher. 

Wenn man sie weiter nutzen will, heißt es in der Vorlage, müsste man die Brücke zum Beispiel mit sogenannten „Stahl-Hilfsjochen“ verstärken, die das Bauwerk abfangen. Statt vierspurig könnte der Verkehr dann aber nur noch zweispurig fließen, außerdem würde auch das 40.000 Euro kosten.

Online-Petition hat bisher 55 Unterstützer

Diesen Erhalt der Brücke fordert eine Online-Petition, die seit dem Wochenende bei www.openpetition.de zu finden ist. Der Ersteller wendet sich darin vor allem gegen den Bau einer Ampel, es ist von „Ampel Wahnsinn“ die Rede. Als Sammelziel waren dort erst 10.000 Stimmen eingegeben, der Wert wurde am Montag auf 1000 heruntergesetzt. Bisher haben, Stand Montagnachmittag, 55 Unterstützer diese Petition digital unterschrieben.

Der Initiator war bisher für die Redaktion nicht zu erreichen. Die Unterstützer kommentieren unter anderem: „Noch eine Ampel und das Chaos ist perfekt“ oder „Ein bisschen laufen tut uns allen gut“ – in Anspielung auf die Umwege, die nötig werden, wenn die Brücke abgerissen und nicht durch eine Ampel ersetzt wird. Eine rechtliche Bindung an die Petition gebe es nicht, erklärte Stadt-Sprecherin Kerstin Schatz auf Anfrage.

Problem: Neue Brücke müsste barrierefrei sein

Ganz verzichten auf eine Querungshilfe will die Stadt aber nicht, denn viele Lüner überquerten die viel befahrene Straße schon jetzt, ohne die Brücke zu nutzen – und das sei gefährlich, heißt es in der Vorlage.

Einem Brücken-Neubau bewertet die Verwaltung indes als „nicht zielführend“, weil der Bau einer barrierefreien Brücke dort nicht umzusetzen ist. Zu steil sind die Rampen, zu teuer wäre ein Aufzug, außerdem könnten damit nur Gruppen von 5 bis 10 Personen gleichzeitig transportiert werden. Für den Abriss der Brücke plant die Verwaltung Kosten von 95.000 Euro ein, die Einrichtung der Fußgängerampel würde laut Vorlage noch einmal 250.000 Euro kosten.

So geht es jetzt weiter:

Die Brücke ist am Mittwoch, 8. Februar, um 17 Uhr Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt - im Rathaus, Willy-Brandt-Platz 1. Der Ausschuss tagt öffentlich. Die Mitglieder können dort den Abriss und den Bau der Ampel empfehlen So sieht es der Beschlussvorschlag der Fachverwaltung vor. Am Ende entscheidet der Rat in seiner Sitzung am 2. März.

Interaktive Karte: Das wären die Umwege

Unsere Praktikantin Malin Müller hat den Test gemacht: Wie groß ist der Umweg, wenn die Brücke wegfällt und keine Ampel gebaut wird? 

  • Wenn Sie auf die Markierungen klicken, erhalten Sie weitere Informationen zu den einzelnen Strecken.
  • Durch Klicken auf die Plus- und Minus-Symbole können Sie rein- und raus-zoomen.
  • Klicken Sie auf das Kasten-Symbol oben rechts, um die Karte im Vollbild-Modus zu betrachten.

 

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