Bürgermeister für Lünen: So schlugen sich die Kandidaten auf dem Podium

rnKommentierende Analyse

Die vier Bürgermeister-Kandidaten für Lünen haben sich bei der Diskussion der Ruhr Nachrichten präsentiert. Unser Autor analysiert, wie sich die Bewerber aus seiner Sicht geschlagen haben.

Lünen

, 26.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rainer Schmeltzer (SPD), Christoph Tölle (CDU) und Sascha Gottwald (Freie Wähler) fordern am 13. September Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (parteilos) heraus. Bei der Podiumsdiskussion im Lichtsaal des Lüntec stellten sie sich den Thesen unserer Redaktion und den Fragen der Leserinnen und Leser.

Schnell wurde klar: Lünen hat eine echte Wahl. Zwar gibt es nur eine Auswahl aus männlichen Bewerbern, wie Redaktionsleiterin Sylvia vom Hofe zu Beginn des Abends bemerkte. Aber die Diskussion offenbarte, dass es eben höchst unterschiedliche Typen sind, die entsprechend ihre eigenen Strategien anwendeten, um sich und ihre Positionen zu präsentieren.

Schmeltzer voll im Angriffsmodus

SPD-Kandidat Rainer Schmeltzer fuhr sofort auf Angriffslinie. Bereits die Vorstellungsrunde nutzte er, um Spitzen gegen Amtsinhaber Jürgen Kleine-Frauns zu setzen. Auch sonst gefiel sich Schmeltzer, als ehemaliger NRW-Arbeitsminister und Gewerkschaftssekretär quasi in verbalen Wortgefechten zuhause, in der Rolle des Provokateurs.

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Auch wenn er zum Ende der Diskussion hin etwas milder wurde, bleibt vor allem das Bild des streitsüchtigen Besserwissers hängen, der alles besser machen kann und alles gleichzeitig anpacken will. Das gefällt sicher den Parteifreunden, könnte aber Wähler aus anderen Lagern genervt abwinken lassen. Schmeltzer täte gut daran, seine große Sachkompetenz und die guten Drähte nach Düsseldorf und Berlin, über die er zweifelsfrei verfügt, in den Vordergund zu stellen, anstatt sich an seinen Konkurrenten – und hier vor allem an Jürgen Kleine-Frauns – abzuarbeiten.

Kleine-Frauns sachlich, aber auch blass

Der Amtsinhaber zeigte sich vor allem zu Beginn betont sachlich. Das half ihm vor allem gegen die Angriffe des SPD-Kontrahenten, ließ ihn mit fortschreitender Zeit aber blass wirken – vor allem dann, wenn es wie zum Beispiel bei der Feuerwehr emotional wurde. Spätestens da verließ ihn dann auch die Souveränität, Kleine-Frauns wurde dünnhäutig und reagierte anschließend auf die Leser-Frage nach der fehlenden Unterstützung durch die GfL fast sogar beleidigt. Seine Erklärung, dass er nicht mit einem Rat zusammenarbeiten wolle, der seine Zustimmung für den Bürgermeister von dessen Zugehörigkeit zu einer politischen Farbe abhängig macht, lässt erahnen, wie schwierig die Kompromissfindung in den vergangenen fünf Jahren war – und in Zukunft wohl werden wird, egal für welchen Bürgermeister. Außerdem warf sie ein Streiflicht auf das Verhältnis zwischen GfL und Bürgermeister, das in der Tat nicht mehr das Beste zu sein scheint.

Kleine-Frauns Strategie war prinzipiell keine schlechte: Er gab den Kümmerer für die Bürgerinnen und Bürger, der sich alle Meinungen anhören will und muss. Aber: Anstatt seine Positionen offensiv zu vertreten, verließ sich der Amtsinhaber an diesem Abend zu sehr darauf, als Bürgermeister den Mittler zu geben, der nicht allein entscheidet, sondern das Gespräch mit der Politik suchen muss - womöglich also auch mit der AfD, so sie denn in den Stadtrat kommt. Dass ihm im Anschluss SPD-Ratsherren auf Facebook deshalb vorwarfen, er fische nach Wählerstimmen am rechten Rand, ist nicht nur absurd, sondern zeigt, dass die Sozialdemokraten offenbar ähnlich nervös auf den Wahlsonntag schauen, wie es Kleine-Frauns auch tut.

Klar ist: Der Amtsinhaber kann sich seiner Sache nicht sicher sein. Und das merkte man ihm an diesem Abend auch an.

Tölle sucht häufig nach dem Punkt

Den schwierigsten Moment des Abends hatte wohl der CDU-Kandidat Christoph Tölle zu überstehen, als er eine Leserfrage zu einem Verfahren gegen ihn beantworten musste, das allerdings eingestellt worden war. Er meisterte diese Aufgabe souverän mit einem Mix aus Sachlichkeit und Emotionalität. Diese Haltung zog sich bei ihm durch den gesamten Abend, und er schaffte es, durch gezielte Appelle und Statements für Applaus zu sorgen – selbst dann, wenn es mit der eigentlichen Frage nichts zu tun hatte. Als ein Zuschauer ihn um eine Bewertung des Vorgehens von CDU-Innenminister Herbert Reul gegen Clan-Kriminalität bat, setzte Tölle zu einem – willkommenen – Statement gegen Fremdenhass und Hetze an.

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Überhaupt fiel es ihm schwer, seine Antworten auf den Punkt zu bringen. Der Christdemokrat holte oft weit aus, wodurch seine Antworten verwässert und seine eigentliche Position unklar wurden. Dabei war Tölle offenbar gut vorbereitet, ließ sich auch von Zwischenrufen nicht aus der Ruhe bringen und fand am Ende sogar gleich mehrere Übereinstimmungen mit seinem SPD-Konkurrenten Rainer Schmeltzer.

Gottwald bleibt zurückhaltend

Ganz das Gegenteil war Sascha Gottwald: Wenn er denn antwortete, war es meistens kurz und prägnant – und leider auch oberflächlich. Der Außenseiter von den Freien Wählern steuerte generell nur wenig zur Debatte bei, wenn Statements von ihm kamen, gab es zwar klare Aussagen, eine Erläuterung dazu, wie er seine Ziele denn genau realisieren wolle, fehlte jedoch in der Regel.

So sympathisch der Kandidat Sascha Gottwald durch seine Zurückhaltung auch rüber kam – im Wahlkampf wird ihm das kaum helfen. Zumal die Freien Wähler auch auf offensive Plakatwerbung verzichtet haben. Ein unbekannter Kandidat ohne klares Programm ist keine ernsthafte Herausforderung für die drei Politik-Profis, die sich neben Gottwald um das Bürgermeisteramt bewerben.

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