Bürgerzentrum Gahmen: Neues Graffiti räumt mit Vorurteilen auf

Kunst

Das große Kunstwerk an der Frontseite des Jugendcafés beim Bürgerzentrum Gahmen bricht mit Vorteilen über Mädchen und Jungen. Das Graffiti soll einen Mehrwert für den Stadtteil bieten.

Lünen, Gahmen

, 03.07.2021, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Regina Hunschock, Leiterin des Bürgerzentrums Gahmen, Dierk Reinemann, leitender Pädagoge (von links) und Künstlerin Hülya Özkan (rechts) präsentieren gemeinsam mit einigen Kindern das selbstgestaltete Graffiti an der Wand zur Straße Kümperheide.

Regina Hunschock, Leiterin des Bürgerzentrums Gahmen, Dierk Reinemann, leitender Pädagoge (von links) und Künstlerin Hülya Özkan (rechts) präsentieren gemeinsam mit einigen Kindern das selbstgestaltete Graffiti an der Wand zur Straße Kümperheide. © Julian Preuß

Es fehlte nur noch die rechte Hand des Mädchens, das nun im Vordergrund des Graffitis an der Front des Jugendcafés beim Bürgerzentrum Gahmen zu sehen ist. Für Hülya Özkan war das kein Problem. Die 29-jährige Künstlerin benötigte etwa 15 bis 20 Minuten, um den Arm und das Gesamtbild zu beenden. Das Graffiti lässt die Wand zur Gahmener Straße wieder neu und unbeschmutzt aussehen. Das war nicht immer so.

Das neue Graffiti an der Frontseite des Jugendcafés lässt die Wand zur Gahmener Straße in Lünen wieder bunt erstrahlen.

Das neue Graffiti an der Frontseite des Jugendcafés lässt die Wand zur Gahmener Straße in Lünen wieder bunt erstrahlen. © Julian Preuß

„Das alte Graffiti wurde in den letzten Jahren zerstört“, berichtete Regina Hunschock, Leiterin des Bürgerzentrums. Mit Fördergeldern aus dem Programm „Soziale Stadt“ unterstützte das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) die Sanierung der Wand und die Entstehung des neuen Graffitis.

Graffiti soll Vorbildcharakter haben

Das Motiv sei bewusst ausgewählt worden. „Wir möchten mit dem Graffiti einen Vorbildcharakter ausleben“, sagt Hunschock. Dass das Mädchen den Fußball im Arm hält, sei daher kein Zufall gewesen. „Fußball ist nicht nur für Jungs da. Wir möchten deshalb mit dem Bild Vielfalt symbolisieren und für Individualität werben“, erklärt die Diplom-Pädagogin. Sie beauftragte Hülya Özkan damit, das Graffiti anzufertigen. Sie habe sich unter anderem darauf spezialisiert, Graffitis mit Fokus auf dem Gender-Aspekt zu gestalten.

Dahin gehend entwickelt der Hintergrund des Kunstwerkes eine zusätzliche Bedeutung. Die Farbe Lila füllt einen Großteil der Wand aus. „Das ist die Farbe des früheren Feminismus“, führt Hunschock aus. Sie stehe für Macht und Leidenschaft, aber auch für die Gleichwertigkeit der Geschlechter: rot (rosa) und blau (hellblau) ergeben lila und vereinen beide Geschlechter zu einer neuen Farbe. Diese Bedeutung sei der Leiterin des Bürgerzentrums erst im Nachhinein bewusst geworden. „Die Wahl fiel zufällig auf Lila, weil wir geschaut haben, welche Farben gut miteinander harmonieren.“

Jetzt lesen

Die Fläche an der Frontseite ist nicht die einzige, die den Gebäudekomplex farbenfroher macht. „Uns stand eine weitere Fläche zur Verfügung, die wir während eines Graffiti-Workshops verschönert haben“, sagt Hunschock. Diesmal durften mehrere Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 13 Jahren selbst zur Sprühdose greifen. Das Ergebnis: eine bunte Wand zur Straße Kümperheide, verziert mit unterschiedlichen Formen, Mustern und Strichen.

Dass die Kinder und Jugendlichen selbst an der Gestaltung mitwirken durften, soll auch dafür sorgen, dass das Graffiti so lange wie möglich erhalten bleibt. „Sie werden aufpassen, dass die Wand nicht beschmiert wird“, ist sich Hunschock sicher. Damit verschönern die Graffitis dauerhaft die Fassade des Jugendcafés am Bürgerzentrum Gahmen. Gleichzeitig vermitteln sie Individualität und bieten deshalb viel Mehrwert für den Stadtteil.

Lesen Sie jetzt