„Es wird heiß! Es wird wild! Es wird ausgelassen!“ Die Show „Let‘s Burlesque“ macht keinen Hehl daraus, dass sie erst ab 18 Jahren besucht werden darf. Wir haben mit der Macherin gesprochen.

Lünen

, 11.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Mit ihrer Show „Let’s Burlesque“ kommen Evi Niessner und Rainer Leupold alias „Miss Evi und Mr. Leu“ am 8. Februar ins Heinz-Hilpert-Theater nach Lünen. Zuvor hat „Miss Evi“ mit Daniel Claeßen über die Musik, die Show und über nackte Haut gesprochen – und erklärt, was Burlesque und Feminismus gemeinsam haben.

Frau Niessner, zunächst mal: Wie kommt man darauf, eine eigene Burlesque-Show aufzuziehen?

Ich bin gelernte Opernsängerin und habe mich musikalisch in den 1920er-Jahren immer wohlgefühlt. Angefangen habe ich zum Beispiel mit Kurt Weil und Edith Piaf. Vor 25 Jahren habe ich dann Mr. Leu (ihren heutigen Ehemann Rainer Leupold, d. Red.) kennengelernt – einen begnadeten Bluesmusiker.

Burlesque im Lüner Theater: Nackte Haut, Augenzwinkern und Feminismus

Stehen auch in Lünen auf der Bühne (v.l.): Coraline de Paris, Miss Erochica Bamboo und Tara La Luna. © Kay-Uwe Fischer

Und der brachte Sie zum Burlesque?

Wir haben uns ein Repertoire geschaffen, das eine Art Querschnitt der 20er-Jahre war. Unsere Performance war allerdings immer etwas „over the top“, also mit Comedy und Augenzwinkern. 2008 wurden wir dann gefragt, ob wir musikalisch durch eine Burlesque-Show führen wollten. Und da haben wir gemerkt, dass wir im Grunde schon immer im Burlesque zuhause waren – weil es das ist, was wir schon immer gemacht haben.

Nämlich?

Burlesque ist eine Geisteshaltung, man möchte das Leben, das Schöne zelebrieren. Es geht um Achtung und Respekt, um Feminismus und Gleichberechtigung.

Mit Verlaub – letzte beiden Begriffe hätte ich im Zusammenhang mit Burlesque jetzt weniger erwartet.

Aber es ist so. Im tiefsten Wesen des Burlesque geht es um Feminismus. Natürlich war das, was Alice Schwarzer und Co. in den 1960er-Jahren angestoßen haben, wichtig. Aber es gab auch schon in den 1920er-Jahren eine Art Befreiungsbewegung unter den Frauen. Dabei ging es sowohl um die gesellschaftliche, als auch um die sexuelle Befreiung – die Frauen wollten zeigen, dass sie nicht Lust-Objekt, sondern Lust-Subjekt sein können. Und dass sie ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft waren.

Burlesque im Lüner Theater: Nackte Haut, Augenzwinkern und Feminismus

Coralina de Paris in Aktion. © Kay-Uwe Fischer

Stimmt. In den 1920er-Jahren standen Burlesque-Tänzerinnen in Hosen auf der Bühne, was damals nicht nur höchst unüblich war, sondern tatsächlich auch als erotisch galt. Gibt es bei Ihnen eigentlich auch eine persönliche Motivation?

Ich bin eine überzeugte Feministin. Ich weiß noch, wie meine Mutter mir damals erzählte, dass sie zwar den gleichen Job wie ihre männlichen Kollegen machte, aber nur 70 Prozent des Gehalts bekam. Da dachte ich damals schon: Das kann doch nicht sein!

In wie weit kann eine Burlesque-Show da helfen?

Mit ihrer Show auf der Bühne zeigen die Frauen: Seht her, wir können sexy und erfolgreich sein. Das schöne dabei: Es gibt kein Idealbild, sowie es vielleicht Heidi Klum uns glauben machen will. Bei uns ist die eine etwas dicker, die andere etwas größer, aber alle sind selbstbewusst und rufen den Frauen zu: „Raus aus der Opferrolle!“

Muss man dafür denn seine Sachen ausziehen?

Erotik und Striptease sind natürlich Teil des Ganzen. Und die Liebe ist doch nichts ernstes, sondern soll Spaß machen – uns und dem Publikum.

Burlesque im Lüner Theater: Nackte Haut, Augenzwinkern und Feminismus

Sexy, erfolgreich und lustvoll: Tara La Luna. © Frank Widmann

Welche Rolle spielen die Männer in Ihrer Show?

Eine sehr wichtige. Vor allem, weil es Weltklasse-Musiker sind – das kann ich hier ohne zu übertreiben behaupten. Wenn man eine Show musikalisch begleitet, ist das eine besondere Herausforderung – das Zusammenspiel zwischen Musik und Tanz ist extrem wichtig. Und da haben unsere Männer das absolut richtige Gespür.

Und wie sieht es Ihrer Meinung nach im Publikum aus – wie ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen dort?

Frauen haben eindeutig weniger Berührungsängste und machen sich leichter locker. Männer befürchten, dass sie als Macho gelten, wenn sie sagen: „Ich gehe in eine Burlesque-Show.“ Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum im Publikum in der Regel 70 Prozent Frauen sitzen.

Burlesque im Lüner Theater: Nackte Haut, Augenzwinkern und Feminismus

Die Show in Lünen wird ebenfalls spritzig. Regenschirme sind für die ersten Reihen aber nicht erforderlich, sagen die Macher. © Kay-Uwe Fischer

Wer kommt denn eigentlich in Ihre Shows?

Wir möchten eine möglichst gemischte Zielgruppe erreichen. So kommen auch ältere Zuschauer auf ihre Kosten – sie leben von der Qualität der Show. Und wer weiß – vielleicht wecken wir in ihnen ja auch etwas, was mittlerweile im Verborgenen liegt.

Wieso kann Burlesque bestehen, obwohl die Menschen immer weniger Zeit haben und mit einem Mausklick mehr nackte Haut sehen als bei Ihnen in zweieineinhalb Stunden?

Weil es hier eben nicht um schnelle Befriedigung und Pornografie geht. Wir erwecken und erfüllen Sehnsüchte der heutigen Gesellschaft: Eingeladen zu werden in eine Welt, in der man sich fallen lassen kann, in der man Entschleunigung erfährt, in der man sich auf etwas freuen und es genießen kann. Damit das klappt, muss man sich selbst tatsächlich ein Stück weit gehen lassen, sich von seinem stressigen Alltag frei machen – wenigstens für zweieinhalb Stunden.

Burlesque im Lüner Theater: Nackte Haut, Augenzwinkern und Feminismus

Miss Evi (mit Zylinder) und Mr. Leu (ebenfalls mit Zylinder) kommen mit ihrem „Let‘s Burlesque“-Team ins Hilpert-Theater. © Frank Widmann

Gelingt das auch in der ersten Reihe, oder muss man dort befürchten, Teil der Show werden?

Niemand wird zu etwas genötigt, was er nicht will. Aber wir holen generell auch niemanden auf die Bühne. Ich werde mit dem Publikum als Moderatorin natürlich interagieren. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass die Leute ziemlich schnell locker werden – gerade in Lünen.

Sie erinnern sich noch an Ihren ersten Auftritt im Hilpert-Theater?

Natürlich. Ein schönes Theater und ein tolles Publikum. Am Ende haben wir sogar Standing Ovations bekommen. Wir freuen uns schon sehr auf unsere Rückkehr!

  • „Let‘s burlesque“: Freitag, 8. Februar, 20 Uhr, Heinz-Hilpert-Theater, Kurt-Schumacher-Straße 39.
  • Tickets: 22 / 26 / 30 / 34 / 38 Euro, im Kulturbüro oder online.
  • Die Vorstellung ist nur für Erwachsene!
  • Mehr Infos: www.lets-burlesque.de
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