Caritasverband fordert: Lünen soll schutzlose Kinder aus Flüchtlingslagern aufnehmen

rnHumanitäre Katastrophe in Griechenland

Eine humanitäre Katastrophe spielt sich derzeit auf griechischen Inseln ab. In mehreren Städten, auch in Lünen, will die Caritas nun unbegleiteten Flüchtlingskindern helfen.

Lünen

, 11.03.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 5000 unbegleitete Flüchtlingskinder und -jugendliche bis 14 Jahren hausen derzeit in völlig überbelegten Flüchtlingslagern auf griechischen Inseln. „Es gibt kaum wintertaugliche Behausungen, die hygienischen und gesundheitlichen Zustände sind dramatisch. Es ist höchste Zeit, etwas zu unternehmen“, sagt Hans-Peter Benstein, Vorstand des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne.

Deshalb haben nun Caritasverbände in verschiedenen Städten Initiativen gestartet, um konkret zu helfen. Auch in Lünen engagiert sich der Caritasverband. Benstein: „Es gibt in Deutschland 620 mittelgroße Städte mit bis zu 100.000 Einwohnern. Wenn jede dieser Städte nur zehn unbegleitete Flüchtlingskinder aufnähme, wäre zumindest dieses Problem fürs erste gelöst.“

Selm und Werne gehören auch zum Caritasverband, sind aber kleinere Kommunen: „Wenn dort drei oder fünf Flüchtlingskinder aufgenommen werden würden, würde auch das helfen.“

Wohlfahrtsverbände erklären sich solidarisch

Benstein hat in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt. Am Freitag (6.3.) haben sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrt solidarisch erklärt. Vertreter von Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Deutschem Roten Kreuz und des Paritätischen Verbandes haben einstimmig ihre Unterstützung für das Projekt der Caritas zugesagt. Im Namen der Menschlichkeit müsse insbesondere unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen die Hoffnung auf Leben gegeben werden.

Städte sollen Aufnahmebereitschaft signalisieren

Benstein: „Wir wollen loslegen. Wenn anfangs nur wenige Städte aufstehen und konkrete Aufnahmebereitschaft zeigen, werden andere Städte folgen.“ Solidarität habe er auch bei vielen Gesprächen mit der Stadtverwaltung, Vertretern der Parteien und anderen Organisationen in Lünen signalisiert bekommen. Auch der Ältestenrat des Lüner Rates hat das Problem bereits thematisiert.

„Natürlich brauchen wir auf Dauer eine europäische Lösung des Flüchtlingsproblems - aber darauf können die Kinder in den Flüchtlingslagern nicht warten“, sagt der Caritas-Vorstand.

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Er sagt, in Lünen gebe es derzeit freie Unterbringungsmöglichkeiten für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. „Natürlich müssen die Kinder intensiv betreut werden und es bedarf auch einer etwas aufwendigeren Vorbereitung, aber das müssen wir hinkriegen“, so Benstein.

Er sei überzeugt, dass die vielen Initiativen, Aktivitäten und Protestbriefe zu der humanitären Katastrophe völlig schutzlos ausgelieferter Kinder auf den griechischen Inseln letztlich dazu geführt hätten, dass die Bundesregierung nun zumindest einen Teil der betroffenen Kinder zu uns ins Land holen möchte.

Abstimmung mit der Stadt

Wenn das Land NRW in Absprache mit dem Bundesinnenministerium eine eigene Entscheidung über die Aufnahme von minderjährigen Flüchtlingen treffe, müsse es in Lünen eine Abstimmung zwischen Stadt und Wohlfahrtsverbänden geben. Auch Ehrenamtliche könnten mithelfen, den Kindern eine neue Perspektive zu geben. Auch das müsse organisiert werden.

Noch sei nicht klar, wie viele unbegleitete Minderjährige aus den Flüchtlingslagern nach Deutschland kommen sollen. „Im Moment ist die Rede von 1000 bis 1500, aber noch ist nicht klar, ob das für mehrere Länder gilt oder nur für Deutschland.“

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Der Caritasverband Lünen-Selm-Werne will nun am liebsten gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände und der Stadt auf das Land NRW und auch auf die Bundesregierung zugehen, um die Bereitschaft zur Aufnahme zu signalisieren. Im „engen Schulterschluss“ mit der Stadt, den Jugendhilfeeinrichtungen und ehrenamtlichen Helfern werde man die Unterbringung und Betreuung „relativ zügig“ organisieren. Darauf zu warten, dass andere europäische Länder sich anschließen sei, so Benstein, nicht akzeptabel: „Es ist Winter und es geht hier um schutzlose Kinder!“

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