Caterpillar in Lünen streicht über 150 Stellen

Betriebsversammlung am Freitag

Der Lüner Bergbauzulieferer Caterpillar kämpft ums nackte Überleben. Zur Rettung des Standortes sollen über 150 Stellen gestrichen werden. Wie viele genau, das sollen die Mitarbeiter am Freitag auf einer Betriebsversammlung erfahren. Caterpillar hatte schon 2015 über 100 Stellen abgebaut.

LÜNEN

, 14.12.2016, 11:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Caterpillar in Lünen streicht über 150 Stellen

Luftbilder Oskar Neubauer im Mai 2016, Firma Caterpillar ACHTUNG: Bilder nicht per Mail weitergeben, sondern an Oskar verweisen (wg. Honorar)

Wie aus einer vertraulichen Vereinbarung zwischen der Geschäftsführung der Caterpillar Global Mining Europe GmbH (CGME) und dem Gesamtbetriebsrat, die unserer Redaktion vorliegt, hervorgeht, ist die Lage bei Caterpillar dramatisch. Demnnach schreibt das Unternehmen an den Standorten Lünen und Wuppertal weiter tiefrote Zahlen.

US-Konzernspitze fordert schwarze Null

Wie es in dem Papier heißt, erwarte die Konzernspitze in den USA, dass CGME „ab dem Geschäftsjahr 2017 (...) mindestens eine schwarze Null schreibt, um das langfristige Bestehen der Standorte zu ermöglichen.“ Die Fixkosten seien nach wie vor zu hoch, um aus der Verlustzone zu kommen, heißt es in der Vereinbarung weiter. Daran hätten auch die Maßnahmen der vergangenen Jahre nichts geändert.

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Zur Erinnerung: Ende 2015 fielen dem Sparkurs des Unternehmens 116 Stellen zum Opfer. Es gab 48 betriebsbedingte Kündigungen, 68 Mitarbeiter entschieden sich für die Aufhebung ihres Vertrages bei Zahlung einer Abfindung. Neben diesem Stellenabbau verlagerte CGME den Stahlbau nach China. Das alles, heißt es in dem Papier weiter, reiche nicht aus, um die Vorgaben der Konzernspitze zu erfüllen. Von dem neuerlichen Stellenabbau sind die Standorte Lünen (aktuell 830 Mitarbeiter inklusive Auszubildende) und Wuppertal (60 Mitarbeiter) betroffen.

Weiterer Stellenabbau wird nötig sein

Die „Vereinbarung über einen Personalabbau durch freiwillige Aufhebungsverträge, durch freiwillige Übergänge in ein Zeitwertkonto (ZWK) oder freiwillige Übergänge in eine Transfergesellschaft“ zwischen Geschäftsführung und Gesamtbetriebsrat datiert vom 28. November 2016. Seither hätten 150 Mitarbeiter Interesse an einer der in der Vereinbarung näher ausgeführten Stellenabbau-Varianten Interesse angemeldet, sagte ein Unternehmenssprecher im Gespräch mit unserer Redaktion.

Selbst für den Fall, dass alle Interessierten unterschreiben und das Unternehmen verlassen würden, werde der Abbau weiterer Stellen nötig sein, sagte der Caterpillar-Sprecher weiter. Über das gesamte Ausmaß des Stellenabbaus und weitere kostensenkende Maßnahmen sollen die Mitarbeiter am Freitag dieser Woche auf einer Betriebsversammlung in der Zeit von 10 bis 12 Uhr in einer Halle auf dem Werksgelände an der Industriestraße 1 informiert werden.

Gegenwind für den Betriebsrat

Der Caterpillar-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall Dortmund machten bisher keine Angaben zur Sache. Beide Interessenvertretungen wollen sich erst nach Ende der Betriebsversammlung am Freitag äußern. Das ärgert Teile der Belegschaft. Wie unsere Redaktion aus Mitarbeiterkreisen erfuhr, fühlen sich einige Beschäftigte nicht ausreichend genug vom Betriebsrat vertreten. Nicht wenige Mitarbeiter würden sich wünschen, dass der Betriebsrat auch mal lautere Töne anschlägt und der Geschäftsführung wirklich die Stirn bietet.

Weltwirtschaftlicher Ballast für Caterpillar

Dass es mit Caterpillar weiter bergab geht, liegt nach Angaben des Unternehmenssprechers an der nach wie vor schwierigen Wirtschaftslage. Die Rohstoffwirtschaft, sagte der Sprecher, zeige leider auch im vierten Jahr in Folge keine Anzeichen für eine Verbesserung: „Das gilt auch für die weltweite Kohlewirtschaft, die für unsere Standorte Lünen und Wuppertal von großer Bedeutung ist.“

Wie ernst die Lage bei Caterpillar ist, spiegelt sich auch darin wider, dass Mitarbeiter aller Unternehmensbereiche aufgefordert sind, an dem „Freiwilligenprogramm“ teilzunehmen. Das Programm läuft noch ein paar Tage. Bis Ende des Jahres sollen die Verträge unterschrieben sein.

 

 

Wie geht es weiter mit Caterpillar: Ein Kommentar

Redakteur Torsten Storks kommentiert die aktuellen Entwicklungen bei Caterpillar.

"Mit der frohen Botschaft von Weihnachten hat das, was die Geschäftsführung von Caterpillar zum zweiten Mal in Folge in der Vorweihnachtszeit für ihre Mitarbeiter zu verkünden hat, wahrlich nichts zu tun. Die Beschäftigten, egal ob mit Familie oder ohne, können einem nur Leid tun. Wieder einmal zittern sie um ihren Arbeitsplatz, blicken ängstlich in die Zukunft. Und das umso mehr, da doch der Stellenabbau von 2015 nichts gebracht hat. Da wird sich manch einer zu Recht die Frage stellen, was dieses Mal dabei herauskommt, ob das endgültige Firmenaus damit nur auf die lange Bank geschoben wird? Im Sinne der Mitarbeiter bleibt nur zu hoffen, dass die Geschäftsführung auf der Betriebsversammlung etwas Licht ins Dunkel bringt."

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