Corona-Daten im Restaurant: Andere Gäste dürfen sie nicht zu sehen bekommen

rnVerbrauchertipp

Adressen und Telefonnummern hinterlassen - das gehört in Corona-Zeiten zum Alltag, wenn man essen geht oder zum Friseur. Doch dafür gibt es Regeln, die leider nicht immer eingehalten werden.

Lünen, Selm, Werne

, 16.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Zeiten von Corona ist alles ein bisschen anders. Wer in ein Restaurant oder Café geht, muss dort seinen Namen samt Adresse und Telefonnummer hinterlassen. Falls dort ein Krankheitsherd auftritt und die Behörden die Kontaktpersonen informieren sollen. Das gilt auch für Friseure oder andere Handwerksbetriebe.

Natürlich muss der Datenschutz beachtet werden. Aber das gelingt offenbar nicht immer, wie die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale beobachtet haben.

Was zu beachten ist, damit einerseits bei einer Infektion die Infektionskette geklärt werden kann, andererseits aber kein Schindluder mit Daten getrieben wird, erklärt Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Verbraucherberatung, in Fragen und Antworten.

? Welche Informationen sind wichtig, um mögliche Ansteckungswege klären zu können?

Wichtig sind Name, Datum und Uhrzeit des Besuchs und auch Telefonnummer und Anschrift. Man muss klar darüber informiert werden, was, warum und unter welchen Bedingungen gespeichert wird. Auch sollte man die Möglichkeit bekommen, Daten nachträglich zu korrigieren sowie später nachzufragen, ob etwas und was genau gespeichert ist.

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? Welche Regeln gelten in Sachen Datenschutz?

Die erhobenen Daten dürfen nur für die genannten Zwecke verwendet werden, also im Falle einer Infektion für die Nachprüfung, wer sich möglicherweise angesteckt haben könnte. Unbefugte dürfen die Daten nicht zu sehen bekommen. Es geht zum Beispiel nicht, dass sich jeder Kunde in eine große Liste oder ein Buch einträgt und die Daten vorheriger Besucher dort nachlesen kann. Betriebe müssen die Daten sicher aufbewahren. Vorbildliche Betriebe und Gastronomen sammeln die Angaben so, dass sie nicht für Unbefugte einsehbar und zugänglich sind.

Termin vereinbaren

Beratung telefonisch und per Mail

  • Das Team der Lüner Verbraucherberatung bietet weiterhin aufgrund von Corona eine Beratung telefonisch, Tel. (02306) 30138 - 01, per E-Mail: luenen@verbraucherzentrale.nrw und Fax, (02306) 30138 - 08, an.
  • Wenn ein persönliches Gespräch nötig ist, wird ein Termin vereinbart und das Gespräch unter den notwendigen Hygieneauflagen in der Beratungsstelle durchgeführt.

? Was bedeutet „nicht länger als notwendig“ beim Aufbewahren der Daten?

Leider gelten da in den Bundesländern keine einheitlichen Regeln. Einige Länder verlangen, dass die Kontaktdaten für 14 Tage gespeichert werden, weil das die bisher bekannte Inkubationszeit des Coronavirus ist. Andere Bundesländer fordern vier Wochen. Jutta Gülzow: „Im besten Fall sollten die Kunden und Gäste darüber informiert werden, wann die Daten wieder gelöscht werden.“ Nach vier Wochen sollten die Papiere vollständig vernichtet werden, so der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW.

? Was ist, wenn noch mehr Daten abgefragt werden?

Es dürfen nicht mehr als die notwendigen Daten erfasst werden. Fragt man zum Beispiel nach Alter, Familienstand etc. sollte man skeptisch werden. Solche Angaben muss man nicht machen.

? Sollte man lieber per Smartphone oder auf Papier seine Kontaktdaten hinterlassen?

Vor allem Gastronomiebetriebe bieten die Möglichkeit, über einen QR-Code mit dem Smartphone „einzuchecken“ Das geht zwar schnell, aber, so die Verbraucherberaterin, nicht immer sind die Daten dort sicher. Das hat der Chaos-Computer-Club durch einen erfolgreichen Hacker-Angriff bewiesen. Es gibt zahlreiche Anbieter mit unterschiedlichen Lösungen. Beispielsweise Datenerfassung mit und ohne Account. Bei Erfassung mit Account ist es natürlich leicht, ein Bewegungsprofil des Kunden oder Gastes zu erstellen. Das wird noch einfacher, wenn man den Zugriff auf die Standortsuche des Smartphones erlaubt. Der Rat der Verbraucherberatung: Bei digitaler Erfassung sollte man unbedingt in der Datenschutzerklärung prüfen, was mit den Angaben gemacht werden soll. Auch wenn das Lesen oft viel Zeit in Anspruch nimmt.

? Wo kann man sich beschweren, wenn man Verstöße gegen den Datenschutz vermutet?

Beim Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW, Mail: poststelle@ldi.nrw.de, Tel. (0211) 38424 - 0

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