Corona-Krise in Lünen: Private Mietschulden sind so gut wie kein Thema

rnWohnen in Lünen

Im Frühjahr hieß es noch beim Bund: Kein Mieter soll wegen Corona seine Wohnung verlieren. Davon ist nichts mehr zu hören. Wir haben mit den örtlichen Wohnungsanbietern gesprochen.

Lünen

, 21.11.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der corona-bedingte Mietausfall bei den drei großen Wohnungsanbietern in Lünen hält sich fast ausnahmslos in Grenzen. Ob das so bleibt, darüber gehen die Meinungen auseinander.

„Die Lage hinsichtlich der Mietzahlungen hat sich nach dem ersten Lockdown im Frühjahr schnell weitestgehend normalisiert. Und ist seitdem unverändert.“ Das erklärte Jan Hische, Prokurist bei der Wohnungsbaugenossenschaft Lünen (WBG Lünen) am Mittwoch (18. November) auf Anfrage unserer Redaktion.

„Wir hoffen, dass sich dies auch in den nächsten Wochen und Monaten nicht ändert, sondern sich mit Beginn der Impfungen die Lage wieder normalisiert. Wir können allerdings nur weiterhin an jeden Mieter mit Zahlungsschwierigkeiten appellieren, sich aktiv an uns zu wenden“, sagte Hische weiter. Es sei immer besser, von Anfang an offen miteinander zu sprechen, damit gemeinsam Lösungen gefunden werden können.

„Es gibt ein paar private und gewerbliche Mieter, denen wegen der Corona-Krise die Einnahmen weggebrochen sind und die deshalb ihre Miete nicht mehr zahlen können“, hatte WBG-Vorstand Rainer Heubrock noch im Mai im Gespräch mit unserer Redaktion gesagt. Die Mietschulden bezifferte er seinerzeit auf 19.300 Euro.

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„Diese 19.300 Euro waren lediglich die Beträge, die Mieter aufgrund der Corona-Pandemie gestundet hatten. Diese wurden bereits ausgeglichen“, sagte jetzt Jan Hische: „Natürlich gibt es auch weiterhin Mietrückstände im üblichen Rahmen, allerdings keine speziell aufgrund von Corona.“ Die WBG Lünen bewirtschaftet in der Lippestadt 4300 Wohnungen.

„Wir sind uns bewusst, dass die Corona-Krise für einige unserer Kunden weiterhin Herausforderungen hinsichtlich der Zahlung der Miete darstellen kann“, sagte ein Sprecher der in Lünen aktiven Vivawest Wohnen GmbH (Gelsenkirchen):

„Deshalb bieten wir unseren Kunden auch nach Auslaufen der gesetzlichen Regelungen an, sich vertrauensvoll an uns zu wenden, wenn sie aufgrund der Corona-Krise Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Mietzahlung bekommen.“

Einvernehmliche Lösungen

Wie der Sprecher weiter sagte, sei der zu Beginn der Pandemie erwartete Ausfall von Mietzahlungen in einem größeren Umfang bislang nicht eingetreten: „Nach heutigem Stand lässt sich nicht erkennen, dass sich dies ändern wird. Bisher konnten wir gemeinsam mit unseren Mietern stets für beide Seiten zufriedenstellende Lösungen finden.“ Aktuell seien in Lünen mit 27 Vertragspartnern Ratenzahlungsvereinbarungen getroffen. Zum Vergleich: In der Lippestadt bewirtschaftet Vivawest 7300 Wohnungen.

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Und wie sieht es beim Bauverein zu Lünen aus?

„Die Situation bei privaten Wohnungsmietern ist nach wie vor stabil, Sorgen bereiten uns die Gewerbetreibenden“, sagte Andreas Zaremba, Vorstand des Bauvereins, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Zur Erinnerung: Die corona-bedingten Mietschulden der privaten Mieter für die Monate April und Mai beliefen sich auf rund 3000 Euro. Daneben waren Stundungs- und Ratenzahlungsvereinbarungen mit 35 gewerblichen Mietern getroffen worden. Deren Mietschulden lagen damals bei rund 100.000 Euro.

„Von diesen 100.000 Euro ist der Großteil beglichen“, sagte Zaremba, aber: „Durch den neuerlichen Lockdown werden wir wieder in den Bereich von 100.000 Euro und mehr kommen. Die Befürchtung ist da, dass sich das mächtig nach oben entwickeln wird.“

Gastronomie ist Sorgenkind

Viele Gastronomiebetriebe machten sich große Sorgen, wie es in den kommenden Wochen und Monaten weitergehe, sagte Andreas Zaremba: „Die Situation ist sicherlich dramatisch.“ Im Fall der Fälle, sei der Bauverein wie immer darum bemüht, mit Betroffenen, egal ob privater Mieter oder Gewerbetreibender, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Mit Ablauf des 30. Juni 2020 endete der im Frühjahr von Bundestag und Bundesrat verabschiedete temporäre „Kündigungsschutz“ für Mieter, die wegen Folgen der Corona-Pandemie wie Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit ihre Miete im Zeitraum April bis einschließlich Juni nicht zahlen konnten.

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