Corona-Pandemie zwingt Lüner Reisebüro Krause in die Knie

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Die anhaltende Corona-Krise trifft das traditionsreiche Lüner Reisebüro Krause mit voller Wucht. Wir haben mit der Insolvenzverwalterin über den Stand der Dinge gesprochen.

Lünen

, 14.07.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tage des Reisebüros Krause an der Münsterstraße sind gezählt. Das Unternehmen befindet sich im Insolvenzverfahren, die Geschäftsräume sind bis auf Weiteres geschlossen und werden, wenn überhaupt, nur für wenige Tage wieder geöffnet. Das erklärte Frauke Heier, Insolvenzverwalterin und Partnerin der landesweit tätigen Rechtsanwaltskanzlei „Niering Stock Tömp“ (Dortmund).

Wie Frauke Heier am Dienstag (14.) im Gespräch mit unserer Redaktion weiter sagte, zeichne die Corona-Pandemie verantwortlich für die Insolvenz:

„Das Reisebüro war spezialisiert auf die Organisation und Durchführung von Klassenfahrten, die wegen Corana allesamt ausgefallen sind.“ In den kommenden Wochen gehe es darum, sich ein genaues Bild von der wirtschaftlichen Lage zu machen. Wobei jetzt schon feststehe, so Frauke Heier, dass „der Geschäftsbetrieb einzustellen sein wird.“

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Unter den Gläubigern sind nach Angaben der Insolvenzverwalterin auch Schulen, die Anzahlungen für - coronabedingt - nicht durchgeführte Klassenfahrten geleistet haben. Ob die Schulen auf den Anzahlungen sitzen bleiben oder aber erstattet bekommen, sei derzeit nicht absehbar.

Auf der anderen Seite gehe es auch darum, ausstehende Forderungen und Erstattungen des Reisebüros einzuziehen. „Dann wird sich zeigen, was an Geld gemäßt der Insolvenzquote zu verteilen ist.“

Nach Angaben der Insolvenzverwalterin existiert das Reisebüro Krause seit 30 Jahren in der Lippestadt. Neben dem Geschäftsführer Michael Krause arbeitet dort ein Angestellter. Dass das Büro zurzeit geschlossen ist, hänge damit zusammen, dass der Mitarbeiter krank sei. „Der Geschäftsführer ist schon seit fünf Monaten krankheitsbedingt nicht mehr aktiv gewesen“, sagte Frauke Heier.

Das Archivbild zeigt Reisebüro-Chef Joachim Horn in einer seiner Niederlassungen.

Das Archivbild zeigt Reisebüro-Chef Joachim Horn in einer seiner Niederlassungen. © Rottgardt (A)

Joachim Horn, Vorstand im Deutschen Reiseverband (DRV, Berlin) und Betreiber von Reisebüros in Lünen und Selm, rechnet durchaus mit weiteren Insolvenzen von Reisebüros. Die Lage der Tourismusbranche sei nach wie vor dramatisch und angespannt, sagte Horn am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch seien die Soforthilfen der Regierung sehr eng bemessen, die Bestimmungen zum Erhalt teils geändert oder ergänzt worden.

Als Beispiel nannte der Reiseexperte, dass die Soforthilfen nur für bestimmte laufende Kosten, aber nicht für den Lohn oder Unternehmerlohn verwendet werden dürfen. „Viele Betriebe werden die erhaltenden Soforthilfen zurückzahlen müssen“, sagte Horn.

Angesichts der von der Bundesregierung auch weiterhin ausgesprochenen Reisewarnung für 160 Länder bildeten Neubuchungen der Verbraucher nach wie vor die Ausnahme. Weil das so ist, rechnet Horn damit, dass „durchaus auch noch weitere (Reise-)Unternehmen die Notbremse ziehen werden“.

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