Corona: Reinigungskräfte werden plötzlich positiver wahrgenommen

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Ihre Arbeit war schon immer wichtig, doch Corona macht jetzt deutlich - auch Reinigungskräfte sind systemrelevant. Dass ihre Mitarbeiter mehr Wertschätzung erfahren, erlebt Stephanie Just.

Lünen

, 13.11.2020, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei allen negativen Auswirkungen, die Corona mit sich bringt, gibt es immerhin auch ein paar positive Veränderungen. So nehmen die Menschen bestimmte Berufsgruppen und deren Arbeit positiver wahr als vor der Krise. So geht es auch den Mitarbeitern der Lüner Gebäudereinigung Rasche, wie deren Geschäftsführerin Stephanie Just sagt. „Unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter erfahren aktuell deutlich mehr Wertschätzung, wie es auch in vielen anderen Branchen, beispielsweise der Pflege, spürbar ist.“ Der Berufszweig sei systemrelevant und würde so nun auch wahrgenommen.

Stephanie Just ist stellvertretende Obermeisterin der Gebäudereinigerinnung Dortmund und Lünen und Geschäftsführerin der Lüner Gebäudereinigung Rasche.

Stephanie Just ist stellvertretende Obermeisterin der Gebäudereinigerinnung Dortmund und Lünen und Geschäftsführerin der Lüner Gebäudereinigung Rasche. © Gebäudereinigung Rasche

Als stellvertretende Obermeisterin der Gebäudereiniger-Innung Dortmund und Lünen kann sie das auch für die Innungsbetriebe so bestätigen.

Auch die Arbeit der Reinigungskräfte selbst hat sich in Corona-Zeiten verändert. Stephanie Just: „Die hygienische Reinigung ist in einigen Bereichen noch mehr gefragt und wird häufiger von unseren Kunden abgerufen.“ Die Nachfrage nach Desinfektionen und Zwischenreinigungen zum Beispiel in der Industrie, der Logistik und im Einzelhandel sei stark gestiegen. Auch im Bereich Verwaltung sei dies zu beobachten.

Arbeiten mit Bestandspersonal

Diese zusätzlichen Arbeiten werden bei der Firma Rasche durch Bestandspersonal ausgeführt. Das passiert teilweise durch Umorganisation, Arbeiten mit Schichtwechseln oder auch durch Personal, das von einem Wegfall der Reinigungs-Aufträge in der Gastronomie wegen der aktuellen Lockdown-Regeln betroffen ist. Im Verwaltungsbereich der Lüner Gebäudereinigungsfirma sind auch mehr Mitarbeiter im Home Office.

„Teilweise werden die zusätzlichen Desinfektionen auch durch Mehrarbeit aufgefangen“, sagt die stellvertretende Innungs-Obermeisterin. In einem kleineren Umfang übernehmen auch Kunden selbst Desinfektionen - hier stehen die Fachleute von Rasche ihnen beratend zur Seite und stellen die erforderlichen Desinfektionsmittel und Hygieneartikel. Stephanie Just beobachtet hier eine deutliche Zunahme der Nachfrage bei Desinfektionsmitteln, Spendern und ähnlichen Artikeln.

Schulungen wurden erweitert

Die regelmäßigen Schulungen der Mitarbeiter wurden um den „Covid-Bereich“ erweitert. „Unsere Mitarbeiter werden hinsichtlich der persönlichen Verhaltensmaßnahmen gesondert geschult.“ Auch daraufhin, wie eine Desinfektion korrekt durchgeführt wird. Außerdem wurden die Mitarbeiter mit entsprechenden Masken und persönlicher Schutzausrüstung ausgestattet.

Nicht gefragt sind Raumdesinfektionen im vollen Umfang, wie man das zunächst erwartet hatte. „Sicher auch, weil man die Situation inzwischen besser bewerten kann.“

Allerdings ändern sich zurzeit die Anforderungen häufig. So werden aktuell von den Ordnungsbehörden mindestens pro Arbeitstag Desinfektionen von Multi-Kontakt-Flächen in Bürobereichen gefordert und kontrolliert.

„Die aktuelle Situation ist fordernd, aber man stelle sich ihr", so Stephanie Just. Durch die häufigen Änderungen der Vorschriften müssen Arbeitsprozesse und Hygienekonzepte kontinuierlich an die Pandemielage angepasst werden.

Gewerkschaft fordert mehr Lohn

Auch die zuständige Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt sieht eine deutliche Zunahme an Arbeit auf die Reinigungskräfte in der Region zukommen.

Rund 2900 Reinigungskräfte gibt es derzeit nach Gewerkschafts-Angaben im Kreis Unna und die haben durch die Corona-Pandemie besonders viel zu tun.

Doch trotz gestiegener Belastungen könnte ihnen eine spürbare Lohnerhöhung verwehrt bleiben, warnt die IG Bauen-Agrar-Umwelt. Der Grund: In der laufenden Tarifrunde für das Gebäudereiniger-Handwerk haben die Arbeitgeber bislang „kein akzeptables Angebot“ vorgelegt, so die Gewerkschaft. Und dies, obwohl die Branche zuletzt hohe Umsätze verbucht habe.

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