Coronakrise: Jetzt müssen wir Verzicht und Solidarität lernen, sagt Gastautor Kevin Tigges

rnMeinung am Mittwoch

„Corona“ fordert uns heraus. Das Leben ändert sich. Jetzt müssen wir Verzicht und Solidarität lernen, meint Gastautor Kevin Tigges. Nur so lässt sich die Situation schneller überwinden.

von Kevin Tigges

Lünen

, 18.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst Großveranstaltungen, dann Schulen und Kitas, schließlich die öffentlichen Einrichtungen und der Freizeitbetrieb: Spätestens seit der letzten Woche werden vorsorglich Maßnahmen getroffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zumindest zu entschleunigen. Zwei Werte werden in dieser undurchsichtigen Zeit umso wichtiger: Verzicht und Solidarität.

Zugegeben: Bis vor Kurzem spielte das Thema „Corona“ für mich keine wesentliche Rolle. Mit den Schulschließungen, wodurch ich als Lehrer unmittelbar betroffen bin, hat sich das dann prompt geändert. Aufmerksamer bin ich geworden – aber keineswegs panisch! – und halte mich an gewisse Verhaltensempfehlungen.

Kevin Tigges

Kevin Tigges © Quiring-Lategahn

Gastautor Kevin Tigges ist Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“

Ich erlege mir nicht selbst Quarantäne auf, aber ich achte darauf, den unmittelbaren sozialen Austausch so gering wie möglich zu halten. Ich hätte nicht gedacht, dass ich unter anderem Treffen mit meinen Freunden meide, bei Begegnungen auf eine Umarmung verzichte oder fast schon das Training im Fitnessstudio vermisse. Aber all dies ist ja auch nur vorübergehend. Ich verzichte eben, weil mir die eigene Gesundheit wichtig ist. Verzicht ist zurzeit der erste wichtige Wert, den wir lernen müssen. Er beschränkt sich jedoch nicht nur auf soziale Kontakte und ein paar schöne Events. Meiner Meinung nach greift er auch da, wo es um die sogenannten „Hamsterkäufe“ geht. Supermarktregale, in denen sonst alltägliche Lebensmittel und Artikel stehen: leer. Ein Irrsinn!

Solidarität und nicht einfach alles wegkaufen

Und somit komme ich zu dem zweiten wichtigen Wert dieser Zeit: Solidarität. Jeder sollte sich seinen Mitmenschen gegenüber solidarisch verhalten – zwar ohnehin immer, aber vielleicht gerade jetzt umso mehr! Solidarität bedeutet für mich dann auch, dass man die Waren lediglich in den Mengen einkauft, die tatsächlich auch benötigt werden. Darüber hinaus sollten wir uns gegenseitig im Alltag unterstützen. Ich habe bereits von Freunden gehört, die für ältere Personen einkaufen gehen. Ebenfalls eine kluge Idee: Das „Hotel an der Persiluhr“ bietet Arbeitnehmern, die einen ruhigen Homeoffice-Platz suchen, ihre Hotelzimmer als Büros an.

Wahrscheinlich gibt es noch viele weitere Beispiele für solidarisches Handeln in Lünen. Wir sollten uns auch mit denjenigen solidarisch zeigen, die aufgrund der Maßnahmen wirtschaftliche Verluste hinnehmen müssen, wie unter anderem Kinobetreiber, Künstler und Café-Besitzer. Hierfür könnte man beispielsweise auf die Rückerstattung einer Eintrittskarte verzichten. Aber grundsätzlich ist hier die Politik gefragt.

Nicht zuletzt gilt es denjenigen zu danken, deren Beruf es ist, solidarisch zu sein: den Menschen in der Medizin- und Pflegebranche. Für mich persönlich steht fest: Je besser wir das Verzichten lernen und je solidarischer wir uns verhalten, desto eher können wir die ungewisse Zeit hinter uns lassen.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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