Coronavirus in Lünen: Grundschulleiterin fühlt sich unter Druck gesetzt

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Verzweifelt, angespannt oder auch zuversichtlich: So ist die Stimmung an Lüner Grundschulen angesichts einer steigenden Zahl bestätigter Corona-Fälle. Eine Grundschulleiterin gibt Einblicke.

Lünen

, 02.09.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Getan wird viel an den Lüner Schulen, um eine zweite Home-Schooling-Phase unbedingt zu vermeiden: Schutzmaßnahmen werden penibel umgesetzt, Briefe an die Elternhäuser geschrieben, die Schulen mit Hygieneartikeln ausgestattet, viele Telefongespräche mit besorgten Erziehungberechtigten geführt, Eltern und Schüler in Sachen Hygiene und dem Tragen von Masken - auch beim Bringen am Schultor - sensibilisiert. Und dennoch treten an mehreren Schulen in der Lippestadt vereinzelt bestätigte Corona-Fälle auf.

In der vergangenen Woche meldete der Kreis Fälle an der Freiherr-vom-Stein-Schule, der Käthe-Kolwitz-Gesamtschule und am Gymnasium Altlünen. Inzwischen ist auch eine Hauptschule betroffen.

Auch an der Overbergschule, einer städtischen Grundschule mit zwei Standorten in Lünen-Süd und in Gahmen, trat in der vergangenen Woche ein erster bestätigter Fall auf. Laut Gesundheitsamt kamen rund 45 Personen in Quarantäne und wurden getestet. Am Montag (31. August) kam ein weiterer Fall hinzu und einen Tag später (1. September) wuchs die Zahl auf drei.

Schüler haben sich außerhalb der Schule angesteckt

„Aktuell sind drei komplette Klassen und fünf Lehrer in Quarantäne“, berichtet Silke Schnelle, Leiterin der Overbergschule. Angesichts der angespannten Situation ist die Pädagogin sichtlich beunruhigt. „Die Kommunikation mit der Schulverwaltung, der Schulaufsicht und auch dem Gesundheitsamt ist zwar prima, aber aber letztendlich liegt die Verantwortung bei mir. Was bei mir ankommt, ist: ‚Machen Sie es irgendwie möglich, dass der Unterricht weiter läuft‘.“ Das sei allerdings schwierig.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist es sehr schwer den Schulbetrieb überhaupt aufrecht zu erhalten“, sagt Schnelle. Eine Vollzeitkraft- und zwei Teilzeitkräfte plus eine Sonderpädagogin müssen jetzt zwei erste Klassen und eine vierte Klasse übernehmen. „Ich glaube, dass die Entscheidung des Ministeriums, die Schulen auf Biegen und Brechen geöffnet zu halten, irgendwie realitätsfern ist“, so Schnelle.

Dabei seien 25 Kinder pro Klasse einfach keine gute Voraussetzung dafür. Und für die Erstklässler sei eine Maskenpflicht kaum durchzusetzen. „Die müssen sich erst mal an die Schule und all die Regeln, die es hier gibt, gewöhnen“, sagt Schnelle. Aber es gebe feste Plätze in den Klassen, keine Gruppenarbeit und natürlich häufiges Händewaschen und -desinfizieren. Angesteckt haben sich die drei Schüler übrigens außerhalb der Schule.

Wie gut sind die Kinder auf digitales Lernen vorbereitet?

„An der Overbergschule hat man sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht“, weiß Matthias Flechtner, Sprecher aller Lüner Grundschulleiter und selbst Leiter der Leoschule. „Die Hygienemaßnahmen wurden eingehalten, sie sind aber bei den Kindern eben nicht zu 100 Prozent durchzusetzen.“ Er selbst sei angesichts der Situation an „seiner“ Schule nicht nervös und habe auch keine Ängste. „Die Schüler, wie die Lehrer halten die Hygienemaßnahmen gut ein. Nach einem Hinweis meinerseits auch die Eltern bei Bringen am Schultor.“

Falls es wirklich zu einer Schulschließung kommen sollte, sei die Schule gut auf digitalen Unterricht vorbereitet, sagt Flechtner. Zu Beginn des Schuljahres hatte er mittels eines Fragebogens die digitale Ausstattung in den Elternhäusern abgefragt: „Rund 86 Prozent sind gut ausgestattet und für die fehlenden 14 Prozent werden wir eine Lösung finden“.

Anders sieht das zum Beispiel an der Gottfriedschule in Wethmar aus. „Die Digitalisierung ist auf dem Weg“, sagt Schulleiterin Kirsten Moritz-Berger diplomatisch. Der Präsenzunterricht müsse aber oberstes Ziel bleiben, „denn gerade in der Grundschule ist der direkte Dialog besonders wichtig. Bei den Kleinen geht es um mehr, als nur darum, Unterrichtsinhalte weiter zu geben. Es geht um soziales Miteinander. Ich glaube aber, wenn wir all die Maßnahmen gut einhalten, dann kommen wir gut durch die Krise. Hand in Hand schaffen wir das.“

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