Coronavirus: Lüner Quarantäne-Tagebuch- Tag 8 - Not macht erfinderisch

rnCorona-Krise

Coronavirus, das bedeutet für viele Lüner auch Quarantäne. Wie ist das, wenn man abgeschottet lebt? Autorin Marien Hirschberg (19) führt Tagebuch. Tag 8: Hornhautfräse statt Nagelfeile

von Marie Hirschberg

Lünen

, 02.04.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass all die Einschränkungen und der Virus nur ein großer April-Scherz seien, das hätte ich mir gewünscht. Aber dem ist nicht so. Anders als in den anderen Jahren habe ich keine April-Scherze gehört. Irgendwie passt die Stimmung in diesem Jahr nicht dazu. Alle haben keine Lust mehr, Scherze und Späße zu machen. Ich denke, wir haben bemerkt, wie ernst die Situation ist.

Gastautorin Marie Hirschberg.

Gastautorin Marie Hirschberg. © Quiring-Lategahn

„Ich bin nicht die einzige, die mit ihren Gedanken alleine ist.“
Marie Hirschberg

Aber man sollte schon noch etwas für sich selbst tun. Eigentlich gehört ein regelmäßiger Besuch im Nagelstudio für mich dazu und meine Nägel hätten aktuell dringend einen Besuch nötig. Aber Not macht erfinderisch. Sehr erfinderisch. So wurde schnell die elektrische Hornhautfräse zur Nagelfeile umgewandelt, um die Nägel ein wenig zu kürzen.

Etwas unhandlich, aber es hat funktioniert. Zumindest hatten meine Mutter und mein Vater viel Spaß dabei, mir zu zusehen. Da konnten sie sich ein paar Lacher nicht verkneifen.

Am Abend dann noch eine Gesichtsmaske und kurz vergessen, dass alles nicht mehr so lustig ist, wie man vielleicht noch am Anfang dachte.

Gedanken drehen sich im Kreis

Es macht mir langsam wirklich Angst, wie sich die Lage in den unterschiedlichen Ländern zuspitzt. Man weiß nicht mehr wohin mit seinen Gedanken, es ist, als seien nicht nur die Personen im Haus eingesperrt, sondern auch die Gedanken im Kopf. Es ist, als würden sich meine Gedanken immer im Kreis drehen.

Wie hat sich das Leben nur nach all dieser Zeit verändert? Wie haben sich die Menschen verändert? Wie habe ich mich verändert? Hat uns diese Zeit nachhaltig geprägt? Gerade jetzt, wo Ostern so kurz vor der Tür steht. Was ist mit der Familie? Kann man Ostern überhaupt „feiern“? Kehrt vielleicht nach Ostern ein bisschen Normalität ein?

Dankbar für jede Unterstützung

Und es ist die Wahrheit, wenn ich sage, dass ich auf keine dieser Fragen eine Antwort weiß, denn meine Gedanken drehen sich im Kreis und sie wissen nicht wohin. Und ich glaube, ich bin nicht die einzige, die so mit ihren Gedanken alleine ist. Umso wichtiger ist dann trotzdem die Unterstützung, denn egal wie alleine man sich fühlt, man ist es nicht. Und ich bin sehr dankbar für jeden, der gerade für mich da ist und mir zeigt, dass ich nicht alleine bin.

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