Coronavirus: Im schlimmsten Fall droht der Einschluss im Kraftwerk

rnTrianel hat Notfallplan

Die Corona-Krise stellt auch das Kraftwerk im Stummhafen vor Herausforderungen. Längst ist nur noch ein Teil der 100 Mitarbeiter da. Der Notfallplan sieht drastische Maßnahmen vor.

Lünen

, 11.04.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Normalfall sind in und um die Anlage des Trianel-Kohlekraftwerks rund 100 Arbeitskräfte im Einsatz, um den Betrieb am Laufen zu halten. Das Coronavirus hat das geändert: „Wir haben gleich zu Beginn erste Maßnahmen getroffen“, sagt Stefan Paul, der Geschäftsführer des Kraftwerkes.

Absprachen mit der Steag und Microca

Das Kraftwerk am Stummhafen habe sich dabei abgesprochen mit seinen Partnern: der Steag, die für die Anlage die Bedienungsmannschaft stellt, und der Microca, die Hafenbewirtschaftung und Bekohlung übernimmt. Grundlage sei ein mehrstufiger Aktionsplan. Wie der funktioniert, erklärt der Geschäftsführer.

Seit Anfang März gilt die erste Stufe. Das Team wurde auf unter die Hälfte reduziert. Alle, die von zuhause arbeiten können, bleiben da, um für den Ernstfall gesundes Personal zu haben.

Die Verwaltungsgebäude wurden für alle Betriebsfremden geschlossen, alle Besuchstermine sind abgesagt. Alle Mitarbeiter, die durch gesundheitliche Vorbelastungen ein erhöhtes Risiko haben, bleiben zuhause.

Sicherheit für den problematischsten Bereich

„Der problematischste Bereich des Kraftwerkes ist sicherlich die Warte, von dort wird die Anlage gesteuert“, sagt Stefan Paul. So sollen sich die Schichten möglichst gar nicht mehr bei der Übergabe begegnen, um jedes Übertragungsrisiko auszuschalten. „Ein Infektionsfall in dem Bereich würde uns besonders hart treffen, das sind alles Spezialisten, die dort ihren Dienst versehen“, erklärt der Kraftwerksleiter.

Im schlimmsten Fall droht Isolierung auf dem Gelände

Sollte die Stufe 2 notwendig werden, würde die Warte von je drei Schichten zu je acht Stunden bedient, die nach einigen Tagen soweit wie möglich ausgetauscht würden. Kommt es ganz schlimm, würde in Stufe 3 der Betrieb dort auf zweimal 12 Stunden umgestellt und das Personal weiter verringert. Eine Isolierung dieses Personals auf dem Kraftwerksgelände wäre der letzte Schritt: Feldbetten im Kraftwerk.

Niedrige Preise: Das Kraftwerk produziert nicht

Die Lage am Energiemarkt ist gekennzeichnet ist von sehr niedrigen Preisen. Deshalb ruhe zurzeit der Betrieb. Alle Mitarbeiter sind aber laut Paul vorbereitet, das Kraftwerk bei Bedarf sofort wieder anzufahren. Er geht aber nicht davon aus, dass das bald der Fall sein wird - auch weil immer mehr Bereiche der Großindustrie pausierten. Eine Idee für die Zwischenzeit: einzelne Arbeiten aus der für Mai geplanten Revision vorziehen.

„Wenn wir dann wieder in einen normalen Modus kommen“, sagt Stefan Paul, „wird es wichtig sein, dass wir mit einem gesunden Mitarbeiterstamm bereit sind, die Stromversorgung von hieraus wieder aufzunehmen“. Der Verbrauch werde sich schnell wieder einpendeln, wo er vor der Pandemie war, glaubt er.

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