D-Mark ist noch immer präsent: Mehrfach in der Woche zahlen Kunden mit alter Währung

rnIm Modehaus

Oft sind es nur Klimperbeträge, die in verstaubten Schuhkartons gefunden werden. Doch mehrfach in der Woche zahlen Kunden noch mit D-Mark. Ein Modehaus in Lünen nimmt sie an.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 22.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Zahl derer, die noch von Euro in D-Mark umrechnen wird immer geringer. Aber die Zahl derer, die auch 20 Jahre nach Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Zuhause noch alte Münzen und Scheine bunkern oder beim Ausmisten finden, scheint ungebrochen hoch. Das lässt zumindest die D-Mark-Einnahmebilanz der Lüner C&A-Filiale vermuten.

Nachfrage war enorm

„Liebe Grüße, Hanni“, steht auf einen Zehn-Mark-Schein gekritzelt, den Mitarbeiterin Kerstin Iffert in der Hand hält. „Das ist sogar eine ganz alte Ausführung, diese Scheine gab es zuletzt gar nicht mehr“, sagt sie fasziniert. Dabei bekommt sie die Währung regelmäßig zu sehen: Besagter Schein liegt keinesfalls in einer Museumsvitrine oder im Schuhkarton unter Omas Bett, sondern wurde erst vor ein paar Tagen gegen Ware eingetauscht.

Euro 2002 eingeführt

Umtausch noch immer möglich

  • Der Euro feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag als elektronische Währung. 2002 wurde er als Bargeld eingeführt.
  • Laut Bundesbank waren am 31. Dezember 2018 noch 12,54 Milliarden D-Mark-Münzen und -Scheine im Umlauf. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 90 Millionen D-Mark weniger.
  • Außer bei C&A kann man Geldfunde auch zu einem Kurs von 1,96 D-Mark zu 1 Euro bei der Bundesbank eintauschen. Die nächste ist in Dortmund.

Denn bei dem Modehaus C&A am oberen Ende der Langen Straße kann man tatsächlich noch - oder besser wieder - mit der D-Mark bezahlen. Nachdem eine erste Aktion 2017 ausgelaufen war, hatten im Nachhinein so viele Kunden nachgefragt, dass die Möglichkeit im vergangenen November doch wieder eingeführt wurde. Diesmal zeitlich unbegrenzt.

Im Wert nicht gestiegen

In Lünen wird der Service rege genutzt. „Ein bis zweimal pro Woche kommen Kunden, die mit D-Mark zahlen“, erzählt Filialleiterin Carina Wezk. Im Tresor liegen derzeit 150 D-Mark - die gesammelten Einnahmen aus den ersten drei Januarwochen. „Es ist völlig unterschiedlich, wer mit der Mark ankommt“, weiß Mitarbeiterin Iffert, die häufig an der Kasse steht. „Manche erzählen, sie hätten doch noch etwas gefunden, manche, dass es aus Wohnungsauflösungen stammt.“ Oft brächten Kunden Münzsammlungen der Fünf- oder Zehn-Mark-Sondereditionen, bei denen sie die Hoffnung aufgegeben haben, dass sie über die Jahre wertvoll werden. Denn tatsächlich ist der Wechselkurs seit 1999 überraschend stabil - auch nur deswegen kann C&A die Aktion überhaupt anbieten. „Vor Weihnachten waren sogar einige Leute mit 50- und 100-Mark-Scheinen dabei“, erinnert sich Iffert.

Bis zu 70.000 D-Mark Einnahmen

Wie viel sie in Lünen seit Wiedereinführung der Aktion an D-Mark eingenommen haben, wird nicht gesondert erfasst. In allen 1500 Filialen wurden durchschnittlich pro Tag zwischen 15.000 und 70.000 gesammelt. „Diese Summen sind natürlich nicht mit Umsatz gleichzusetzen, da unsere Kundinnen und Kunden das Rückgeld in Euro ausbezahlt bekommen“, merkt Unternehmenssprecher Jens Völmicke an.

Übrigens befinden sich im Lüner Tresor zurzeit auch Dollar, mit denen Kunden als eine von insgesamt sechs ausländischen Währungen ebenfalls zahlen können. „Aber das“, sagt Kerstin Iffert, die seit der Eröffnung des Modehauses vor 28 Jahren dabei ist, „kommt so gut wie nie vor.“

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