Darum kommt die Fachhochschule Dortmund nicht nach Lünen

rnForschung und Lehre

Mit dem Ausstieg der Fachhochschule Dortmund ist ein Prestige-Projekt für Lünen geplatzt. Wie sich nun herausstellt, war die Verwaltung im vergangenen Jahr wohl etwas zu voreilig gewesen.

Lünen, Brambauer

, 11.03.2019, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es klang wirklich gut, was die Pressestelle der Stadt Lünen am 23. Juli mitteilte: „Eine paraxisorientierte Hochschule für Lünen und Selm soll in der Lippestadt etabliert werden.“ Dies sei das Ergebnis eines Gesprächs der beiden Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns und Mario Löhr „mit Vertretern der Wissenschaft - unter anderem von der Fachhochschule Dortmund -, der Wirtschaftsförderung und Repräsentanten von rund 300 Unternehmen aus den Bereichen Kreislaufwirtschaft und Informationstechnologien in der Region“.

Die Studiengänge Informatik und Ingenieurwesen der FH Dortmund sollten mit einer privaten Hochschule ein gemeinsames Institut in Lünen bilden, „das wiederum mit lokalen Unternehmen zusammenarbeitet, um eine praxisnahe Ausbildung auch in den Firmen zu gewährleisten“, hieß in der Mitteilung weiter.

Pressemitteilung nicht mit der FH abgestimmt

Nur: Diese Absicht hatte die FH Dortmund offenbar nie. Nach Auskunft der FH-Pressestelle hatte es am 17. Juli 2018 besagtes Treffen mit den Bürgermeistern und Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft gegeben. „Inhalte des Treffens sind von der Stadt Lünen im Nachgang in einer nicht mit der FH Dortmund abgestimmten Pressemitteilung kommuniziert worden“, erklärt Pressesprecherin Heike Mertins auf Anfrage. Man habe daraufhin der Stadt eine Richtigstellung zukommen lassen, wonach die FH kein gemeinsames Institut und auch keine neue Hochschule in Lünen plane.

Vielmehr hatte sie angeboten, lokalisierte Angebote beizusteuern und damit „positive Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft zu setzen.“ Module des neuen Masterstudiengangs „Digital Transformation“ hätten dann auch in Lünen angeboten werden können.

Projekt beim Ministerium vorgestellt

Aber auch dazu wird es nun nicht kommen, denn laut Heike Mertins gab es im August ein weiteres Treffen zwischen Vertretern der Stadt Lünen, der IHK Dortmund und der Fachhochschule. Ergebnis: „Es konnte kein Konsens über ein gemeinsames Projekt erzielt werden.“ Womit bereits im August feststand, was die FH vor einer Woche auf Anfrage unserer Redaktion erklärt hatte: „Wir stehen dafür nicht zur Verfügung.“ Seitens der Stadt war in dieser Sache nichts zu hören - weder im Juli, als die Richtigstellung der FH ins Rathaus flatterte, noch im August, als das Projekt, das man zuvor gar dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW vorgestellt hatte, platzte.

Entsprechend überraschend kam für viele die Nachricht, dass die FH sich zurückgezogen hat. Aufgeben will Wirtschaftsförderer Eric Swehla nicht, wie er ebenfalls vor einer Woche gegenüber unserer Redaktion erklärte: „Wir sprechen mit verschiedenen möglichen Partnern, um Forschung und Lehre am Standort Lünen zu etablieren.“ Allerdings gehe dies nicht von heute auf morgen: „Wenn es gelingen soll, Forschung und Lehre in Lünen anzusiedeln, so wird dieses Ansinnen nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn ein fundiertes Konzept – inhaltlich, infrastrukturell und kaufmännisch – die Basis hierfür ist.“ Und daran wolle man mit verschiedenen Partnern arbeiten. Klar ist nun: Die FH Dortmund gehört nicht dazu.

Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Kolumne „Jetzt mal unter uns“

Warum das Lüner Job-Speed-Dating ein Argument für das bedingungslose Grundeinkommen ist