Darum wandert ein Vater mit Rollstuhl durch NRW

Aktion für behinderte Menschen

300 Kilometer in 21 Tagen zu wandern ist durchaus möglich. Für Arnold Schnittger und seinen Sohn Nico ist es jedoch eine große Herausforderung. Denn: Nico ist behindert und sitzt im Rollstuhl. Gemeinsam wollen sie durch ihre Wanderung - auch über Werne und Lünen - etwas bewegen. Was genau, das erklärt die unermüdliche Reisegruppe im Video.

LÜNEN/WERNE

, 11.05.2016, 13:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Darum wandert ein Vater mit Rollstuhl durch NRW

Arnold Schnittger (2.v.r.) und sein Sohn Nico wandern zusammen mit Robert Kik.

Menschen mit Behinderungen stehen oft vor unüberwindbaren Hindernissen. „Aber die größten Barrieren“, sagt Arnold Schnittger, „sind die im Kopf der Menschen. Die wollen wir beseitigen.“ Damit ist die Mission des 64-Jährigen und seines Begleiters Robert Kik kurz und knapp umrissen, die ihre aktuelle Tour auch durch Lünen un Werne führt.

Zielstrebig marschiert Schnittger öffentlichkeitswirksam durch Deutschland. Immer dabei: Sohn Nico, 21, geistig und körperlich behindert. Ihn schiebt er in dessen Rollstuhl von Etappe zu Etappe auf seiner aktuellen Wanderaktion. Dieses Mal, über 300 Kilometer in rund 21 Tagen auf der Römer-Lippe-Route vom Hermannsdenkmal bis nach Xanten, erstmalig begleitet von Robert Kik.

Kik war in der Vergangenheit auch schon viele Kilometer zu Fuß unterwegs, um auf die Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam zu machen, an der sein Vater starb. Die finanzielle Unterstützung in der häuslichen Pflege lasse zu wünschen übrig. „Es kann nicht sein, dass jemand, der einen Angehörigen zuhause pflegt, von Hartz IV leben muss“, sagt Schnittger. „Man darf nicht vergessen, jeder kann jederzeit auf Pflege angewiesen sein, entweder man selbst oder ein Verwandter“, ergänzt Kik.

Viele Hindernisse bei den Wanderungen

Um auf diese Zustände aufmerksam zu machen, wanderte die kleine Truppe vom Alten Rathaus in Werne auf dem Jakobsweg Richtung Lünen. Bei Schnittgers zahlreichen Wandertouren quer durch Deutschland sei er unterwegs schon auf viele Hindernisse gestoßen, erklärt er: „Klar ist das auch anstrengend.“ Die Dortmunderin Marina Reff, Mitglied des Trosses, sagt: „Wichtig ist, dass die Berührungsängste verschwinden. Die Hemmschwelle muss fallen.“

Um diese Hemmschwelle im Kopf abzubauen, sind alle Interessierten eingeladen, einige Kilometer mitzulaufen und ins Gespräch zu kommen. Arnold Schnittger zeigt auf seinen Sohn, der im Rollstuhl sitzt und lacht: „Nico steckt doch voller Lebensfreude, ihm macht die Tour richtig Spaß.“

Vor allem, wenn Papa Arnold ein Eis spendiert, wie am Ende der Tour in Lünen. Bevor sie zur Unterkunft nach Haltern aufbrachen, gab es für Nico noch sein Lieblingseis, Erdbeere.

Die Projekte "Nicos Farm" und "Robbe pilgert"
Die Wanderung läuft unter den Titeln „Nicos Farm e.V.“ und „Robbe pilgert“.  und sind zuvor schon viele Strecken alleine gewandert. Schnittger plant aktuell ein „Wohnprojekt“ mit behinderten Kindern, Kik ist zweiter Vorsitzender des Vereins „Chance zum Leben - ALS“. Beide suchen noch Unterstützer.

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