Das gibt es über Lünens Baumbestand zu wissen

Interessante Fakten

Wie viele Bäume stehen wohl in Lünen? In welchem Zustand sind sie? Und was tut ein Baum dem Menschen und der Umwelt Gutes? Zum Tag des Baumes haben wir Fakten zusammengetragen. Ein Gespräch mit dem Experten Hans-Rudolf Tintelott.

LÜNEN

, 25.04.2017, 12:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn einer wissen muss, wie es um die Bäume in Lünen steht, dann er: Seit 27 Jahren ist Hans-Rudolf Tintelott (62) der Experte für Bäume innerhalb der Lüner Stadtverwaltung. Wir haben mit ihm gesprochen.

Wie viele Bäume gibt es in Lünen? Knapp 10.000 Straßenbäume und etwa 15.000 in Park- und Grünanlagen. Wie viele in den Wäldern stehen, weiß ich nicht. Mit 202 Hektar Wald ist Lünen aber eine vergleichsweise waldarme Kommune.

 

 

Was tut ein Baum dem Menschen und der Umwelt Gutes? Der Baum kann ohne den Menschen prima leben, der Mensch aber nicht ohne den Baum. Ein großer Straßenbaum kann an einem Sonnentag circa 56 Kilogramm Kohlendioxid aufnehmen, 40 Kilogramm Sauerstoff produzieren, Stäube binden, Schatten spenden und zum Lärmschutz beitragen. Große Bäume haben auch eine verkehrsleitende Funktion. Sie lassen eine Straße schmaler erscheinen, man fährt dann nicht so schnell.

 

Lieben die Lüner die Bäume im öffentlichen Raum? Viele tun das sicher. Ich spüre aber auch, wie sich Menschen von der Natur entfernen und nicht bereit sind, Laubfall im Herbst zu akzeptieren. Auch bitten mich Bürger im Herbst, dass wir Bäume zurückschneiden, weil sie angeblich Häuser verschatten. Dabei steht im Herbst nur die Sonne tiefer.

Stichwort Zurückschneiden. Eine gute Idee? Finde ich nicht. Man hat vielleicht ein Jahr Ruhe, aber nach dem Rückschnitt wächst der Baum umso dichter.

 

Wie gut kennt die Stadt Lünen ihre Bäume? Die Straßenbäume kennen wir sehr gut. Alle Standorte sind erfasst, alle Arten, der Zustand der Bäume und ob Maßnahmen nötig sind. Wir haben Baumkontrolleure im Umfang von eineinhalb Stellen im Einsatz.

Wie geht es den Bäumen? Ein Standort an der Straße gleicht einem Halbwüstenstandort und ist somit grundsätzlich ein schwieriger Lebensraum aufgrund der versiegelten Flächen drumherum und der kleinen Baumscheiben. Von unseren knapp 10.000 Straßenbäumen gelten etwa 6000 als alt, darunter viele in den Zechensiedlungen. Wir werden also künftig stärker nachpflanzen müssen.

Welche Lebenserwartung haben Straßenbäume? Wir gehen von 50 Jahren aus. In Lünen stehen aber auch welche, die sind über 100 Jahre alt.

 

Wie viele pflanzen Sie jährlich und woher kommen die Bäume? Wir pflanzen etwa 200. Sie kommen aus Baumschulen und sind dann sechs bis zehn Jahre alt, also noch kleine Kerlchen.

 

Welche Arten werden bevorzugt? Den idealen Straßenbaum gibt es nicht, jede Art hat Vor- und Nachteile. Manchmal gefährden Krankheiten ganze Bestände. Deswegen pflanzen wir im Moment keine Eschen und Kastanien. Arten wie der Amber haben sich als untauglich im Straßenraum erwiesen. Welcher Baum gepflanzt wird, ist immer eine standortbezogene, fachliche Einschätzung. In Zukunft spielt sicher auch der Klimawandel eine Rolle. Es werden mehr Stürme und längere Trockenphasen erwartet. Es laufen wissenschaftliche Versuche, welche Baumarten damit am besten klar kommen.

Was kostet die Stadt eigentlich ein neuer Baum? Pro Straßenbaum entstehen Kosten von circa 600 Euro.

 

Welcher Etat steht Ihnen zur Verfügung? 500.000 Euro pro Jahr für Pflege, Kontrolle, Neu- und Ersatzpflanzungen.

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