Das Rätsel Covid-19 verstehen: Lüner Arzt gründet digitale Plattform

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Die Lungenkrankheit Covid-19 gibt auch Ärzten viele Rätsel auf. Täglich ändern sich die Erkenntnisse. Eine digitale Plattform bündelt medizinisches Wissen. Die Idee hatte ein Arzt aus Lünen.

Lünen

, 02.05.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Daniel Dreyer ist Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin am Katholischen Klinikum Lünen-Werne. Der 37-jährige Mediziner pflegt über Twitter internationale Kontakte. Aus Italien bekam er in der dramatischen Corona-Situation direkt die Überforderung mit: Ärzte und Pflegekräfte, die sonst nicht auf Intensivstationen arbeiten, mussten dort plötzlich um das Leben von Covid-19-Patienten kämpfen. „So eine Beatmung, die macht man nicht mal so eben“, weiß Daniel Dreyer. Das seien lazarettähnliche Zustände gewesen.

Er absolviert momentan eine Spezialausbildung in der Herzchirurgischen Anästhesie des Klinikums Dortmund. Bei einem Spaziergang mit seiner Frau kam die Idee: „Da muss man was machen.“ Den Kampf aufnehmen, nicht aufgeben, das ist seine Motivation. Weil hier zu der Zeit die planbaren Eingriffe heruntergefahren wurden, um Intensivkapazitäten zu schaffen, konnte der Lüner die Zeit nutzen: Er gründete die Plattform „Mediziner für Mediziner gegen Covid“.

Als Notfallmediziner ist Daniel Dreyer auch mit Rettungshubschrauber Christoph 8 im Einsatz.

Als Notfallmediziner ist Daniel Dreyer auch mit Rettungshubschrauber Christoph 8 im Einsatz. © Dryer

800 Unterstützer in kurzer Zeit

Nach wenigen Tagen fand das Projekt 800 Unterstützer. „Als das Ganze anlief, hätte ich nicht gedacht, dass es so groß würde“, sagt Dreyer. Die anfängliche Idee, allen in der medizinischen Versorgung tätigen Berufsgruppen hilfreich aufbereitetes Wissen in kompakter Form zur Verfügung zu stellen, hat sich längst erweitert. Jetzt geht es darum, die ständig neuen Erfahrungen mit dem unbekannten Krankheitsbild Covid 19 schnell zu vermitteln. „Nicht alle Patienten profitieren von der gleichen Art und Umfang einer künstlichen Beatmung, manche wiederum benötigen deutlich früher Blutverdünnungsmittel als andere“, so Dreyer.“ Covid gelte als Lungenkrankheit, doch die Anzeichen vermehren sich, dass eine Entzündung der Gefäßinnenwände eine große Rolle spiele. „In drei Wochen können die Erkenntnisse schon wieder andere sein“, so Dreyer.

Die Idee, die digitale Plattform "Mediziner für Mediziner gegen Covid" zu gründen, kam dem Lüner Arzt Daniel Dreyer während eines Spaziergangs. Wenige Tage später stieß sie schon auf große Resonanz.

Die Idee, die digitale Plattform "Mediziner für Mediziner gegen Covid" zu gründen, kam dem Lüner Arzt Daniel Dreyer während eines Spaziergangs. Wenige Tage später stieß sie schon auf große Resonanz. © Dreyer

Einfach formuliertes Erfahrungswissen

Es gäbe Studien und Leitlinien der Fachschaften, die seien hilfreich. Doch im hektischen Klinikalltag schafft die kaum jemand, zu lesen. „Man braucht einfach formuliertes Erfahrungswissen“, so Dreyer, komprimiert zusammengefasst. Ähnlich wie in der Initiative FOAM (Free Open Medical Education), einem Netzwerk, das frei verfügbare medizinische Weiterbildung in der globalen Szene ermöglicht. An Dreyers Plattform wirken auch Projektmanager und Web-Designer mit.

Es gebe viel zu lernen. Manche der ersten Patienten sind wieder gesund, andere brauchen immer noch Sauerstoff. Warum ist das so? Die Stärke der digitalen Plattform ist der Austausch der Informationen. Letztlich kommt er den Patienten zugute, freut sich Daniel Dreyer.

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