Das sagen Lüner Auswanderer zum US-Wahlkampf

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Sie haben in Lünen gewohnt und leben nun in den USA. Für manche von ihnen ist es nur ein Zwischenstopp, für andere ist es zur Heimat geworden. Für unsere Serie "Lüner in den USA" haben wir sechs Auswanderer nach ihren Erfahrungen befragt - und haben mit ihnen auch über den aktuellen Wahlkampf gesprochen.

LÜNEN/WASHINGTON

, 05.11.2016, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das sagen Lüner Auswanderer zum US-Wahlkampf

Wir haben ehemalige Lüner gefragt, wie es ihnen in den USA ergeht und wie sie den Wahlkampf erleben.

"Das sind wohl die schwersten Wahlen, die ich je erlebt habe", sagt Siegfried Cesh. Und Cesh kann es gut beurteilen. Schließlich lebt der 80-Jährige seit 40 Jahren in den Staaten. Erst lange in Kalifornien, inzwischen an der Ostküste im Bundesstaat Maine. Erlebt hat er schon viel. Die Flucht aus Schlesien nach Lünen während des Zweiten Weltkrieges, den Verlust des Vaters, ebenfalls während des Krieges. Ihn erinnere das Ganze, und damit meint er den Wahlkampf, an die Zeit bevor Hitler die Macht ergriffen habe.

"Und deshalb habe mich auch entschlossen zu wählen", sagt er mit einen immer noch fast akzentfreien Deutsch. Ihm gefalle keiner der beiden Kandidaten, aber Trump bereitet ihm Unbehagen. "Trump hat gesagt 'I am for life' und Hillary ist nicht for life." Damit deutet Trump an, dass wenn er gewählt würde, er Präsident auf Lebenszeit wird.

"Wenig Substanz, aber epische Dimensionen"

Auch Peter Gresch findet den Vergleich zu den Wahlen von 1932 in der Weimarer Republik "nicht ganz unangebracht". Er lebt seit 20 Jahren in den USA und erhält bald den amerikanischen Pass. Den Wahlkampf empfindet er als "eine nervenaufreibende Prozedur, die anderthalb Jahre andauert, wenig Substanz beinhaltet aber dafür epische Dimensionen an aggressivem Polittheater" bietet und womöglich eine Spaltung der amerikanischen Gesellschaft bringt, die auch nach der Wahl noch weitergehen wird.

"Trumps Temperament wird es nicht zulassen, dass seine Kandidatur als Fußnote der Geschichte endet. Er hat nie Mittel gescheut, und wird auch weiterhin kein noch so rabiates Mittel scheuen,  sich im Vordergrund des Geschehens zu halten", denkt er.

Viele Unterstützer für Trump - trotz fragwürdigen Auftritten

Auch Jan Irzykowski, der mit seiner Frau und seinem Sohn vor einigen Monaten nach New York übergesiedelt ist, nimmt den Wahlkampf "sehr stark wahr". Die Meinungen seien sehr unterschiedlich, wobei die meisten seiner Meinung nach Clinton für das kleinere Übel hielten. Gleichzeitig wundert er sich aber darüber, wie viele Menschen Trump dennoch Clinton "trotz dessen fragwürdigen und grenzüberschreitenden Auftritten" vorziehen würden. "Das liegt einerseits daran, dass hier die Emanzipation noch nicht soweit fortgeschritten ist und andererseits viele hoffen, dass ein purer Kapitalist wie Trump wieder gegen die sozialeren Ideen Obamas wirken wird", sagt  Irzykowski. 

Die Lüner aus den USA, egal, ob sie wählen dürfen oder nicht, drücken alle Hillary Clinton die Daumen und hoffen auch, dass die Demokraten am Ende doch die Nase vorn haben. Aber die Spannung bleibt: "Da man in der Vergangenheit ja schon gesehen hat, das bei US-Wahlen alles bis zum Ende möglich ist", so Jan Irzykowski.

Die Serie: In unserer Serie "Lüner in den USA" haben wir sechs ehemalige Lüner, die in die USA ausgewandert sind, nach ihren Erfahrungen in den Staaten befragt. Hier lesen Sie alle Teile der Serie:

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