Das sagen Lüner Tierärzte über Krankenversicherungen für Tiere

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Ist das Haustier krank, kann eine Krankenversicherung helfen. Ob eine solche Versicherung Tierhalter aber wirklich finanziell entlastet, darüber sind sich Lüner Tierärzte uneins.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 05.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Brutus, der Boxer von Oliver Meth, an einem Rückenmarksinfekt erkrankte, hatte sein Herrchen das Geld für seine Behandlung mühsam zusammen kratzen müssen. Als schließlich feststand, dass der Hund nicht eingeschläfert werden sollte, sondern mit einem Hunde-Rollstuhl ein zufriedenes Leben führen kann, musste der 34-Jährige Schulden machen, um den Rollstuhl bezahlen zu können.

Noch heute, drei Jahre nach der Diagnose, ist er finanziell im Minus. Auch weil er wegen der Pflege seines Haustiers nicht Vollzeit arbeiten kann. Eine Hunde-Krankenversicherung hat er nicht. Hätte es ihm geholfen eine abzuschließen?

„Die Tiere werden darin nicht als Lebewesen gesehen“

Von dem Lüner Tierarzt Dr. Burkhard Kersebohm kommt ein klares „Nein“. Die wenigsten seiner tierischen Patienten sind krankenversichert. Der Mediziner hält auch nicht viel davon. „Wir empfehlen die hier nicht“, sagt er, „denn sie suggerieren einen Versicherungsschutz, wie er für Menschen gilt. Dabei ist es eine Sachversicherung. Die Tiere werden darin nicht als Lebewesen gesehen. Wenn sie zum Beispiel bei einer chronischen Krankheit zu hohe Kosten verursachen, wird die Versicherung aufgekündigt.“

Unterm Strich rentiere sich eine solche Versicherung vor allem für die Versicherungen, aber ganz sicher nicht für die Tierbesitzer. Kersebohm rechnet vor: Wenn ein Hund im Laufe seines Lebens etwa sechs Mal operiert werden muss, kostet das bis zu 6600 Euro. Versicherungs-Jahresbeiträge für Katzen liegen bei 130 bis 560 Euro, für Hunde bei 250 bis 1300 Euro. Das bedeutet bei zwölf Jahren Lebenszeit Kosten von bis zu 15.600 Euro. Und 15.600 minus 6600 Euro wären 9000 Euro Gewinn für die Versicherung. „Dieses Geld ist natürlich weitaus besser anderweitig angelegt.“

Versicherung übernehmen Satz der Gebührenordnung

Außerdem seien viele Versicherungen nach Meinung des Tiermediziners intransparent. Sie übernehmen nur den einfachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte. „Darin kann aber keine gute und verantwortliche Leistung für das Tier erbracht werden. Die Kliniken für Tiere nehmen alle den dreifachen Satz“, sagt der Mediziner. Zusammengefasst: „Zu teuer, zu intransparent, zu kompliziert und nicht vergleichbar mit der Krankenversicherung für Menschen.“

Tierärztin Dr. Barbara Vogt-Hellmuth hingegen sagt: „Eine Krankenversicherung für Tiere ist eine gute Sache, das sehen wir sehr gerne und raten den Tierhaltern auch immer dazu. Die Kosten werden übernommen und die Besitzer ein stückweit entlastet.“

Kurzfristig abschließen ist das Beste

Und Veterinär Dr. Stefan Giesbert von der tierärztlichen Praxis St. Franziskus gibt sich diplomatisch: „Ich kann keine klare Empfehlung, kein eindeutiges Ja oder Nein geben“, sagt er. „Natürlich ist es im Prinzip wie mit jeder Versicherung: Sie muss Gewinn bringen.“ Damit der Tierbesitzer am Ende nicht den Kürzeren zieht, müsse er einiges beachten. Bei sehr hohen Behandlungskosten, zum Beispiel Chemotherapien oder Computertomografien, sei es meist sinnvoller, eine Versicherung abzuschließen. Ansonsten lohne es sich oft mehr, monatlich einen Betrag auf ein Konto einzuzahlen.

„Allerdings ist es sehr schwierig unter der Fülle der Anbieter den richtigen zu finden. Da sollte man sich sehr gut informieren.“ Während einer Behandlung den Versicherungsschutz aufzukündigen, weil es zu teuer wird, sein übrigens rechtlich unzulässig, weiß der Mediziner. Eine Behandlung müsse immer erst zu Ende gebracht werden, bevor seitens der Versicherung gekündigt werden darf.

Letztlich sei das Beste, „zu schauen wie es dem Tier geht und, wenn es nötig wird, eine Versicherung abzuschließen“, rät Giesbert.

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