Das Urlaubsparadies liegt in Lünen direkt vor der Haustür

rnMeinung am Mittwoch

Die Füße im Sand, die Sonne im Gesicht und weite Sicht über das Wasser. Das Urlaubsparadies, das Kira Engel hier beschriebt, hat sie an einem ungewöhnlichen Ort entdeckt.

von Kira Engel

Lünen

, 05.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Füße im Sand, die Sonne im Gesicht, den Wind in den Haaren, Kinderlachen in den Ohren und eine weite Sicht über das Wasser. Der Abstand zum nächsten Handtuch ist klein, die ersten heißen Sommertage des Jahres locken viele hierher.

Aber statt eines Urlaubs in Italien oder einer immerhin mehrstündigen Fahrt an die Nordsee, bin ich bis zu diesem Urlaubsparadies nur ein paar hundert Meter zu Fuß gelaufen.

„Du wohnst an einem Badesee“

Vor vier Monaten bin ich nach Horstmar an die Evangelische Christuskirche gezogen. Von dort ist es nicht weit bis zum Horstmarer See. Einer meiner ersten Spaziergänge in der neuen Heimat hat mich durch das Gelände des Seeparks geführt und obwohl damals noch Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschten, war ich begeistert von diesem weitläufigen, schönen Ort.

Freunde, die mich seitdem besuchen, blicken neidisch-beeindruckt auf meine neue Umgebung: „Du wohnst an einem Badesee, das würden wir auch gerne!“

Anwohner reagieren genervt

Seit ich hier wohne, erfahre ich aber auch, dass das längst nicht jeder so sieht. Anwohner klagen mir ihr Leid. Müll, Lärm und zugeparkte Wege nerven sie und rauben ihnen die Freude an dieser wunderbaren grünen Oase mitten in der Stadt

Wofür andere mitunter weite Wege auf sich nehmen, um einen Tag am See zu genießen, ist für andere ein Dorn im Auge. Offenbar lebt es sich gar nicht so leicht mit dem Paradies direkt vor der Haustür.

Nach Ideen und Lösungen suchen

Ich habe keine Lösung für die Probleme, die der Seepark und die vielen Besucher in den Sommermonaten mit sich bringen. Ich sehe, wie sich die Politik bemüht, aber kaum allen Interessen gerecht wird. Weder generelle Verbote noch allein der Aufruf zu mehr Rücksichtnahme entspannen die Situation. Aber zur Bewahrung dieses besonderen Ortes wünsche ich mir, dass weiter nach Ideen und Lösungen gesucht wird.

Ich bleibe und genieße die Oase vor der Haustür

Gerne gebe ich meinen Teil dazu, hebe mal eine achtlos weggeworfene Plastiktüte auf oder versuche ruhig zu bleiben, wenn der Kirchenparkplatz mal wieder unerlaubterweise von Seeparkbesuchern zugeparkt wird. Sie fahren irgendwann wieder nach Hause. Ich aber bleibe. Und genieße, wann immer ich will, meine grüne Oase direkt vor der Haustür.

Die Autorin Kira Engel (33), Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen, ist im März nach Lünen gezogen. Sie schaut quasi aus der Außenperspektive auf die Stadt.
Das Urlaubsparadies liegt in Lünen direkt vor der Haustür

Kira Engel © Quiring-Lategahn

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