Das verbindet eine Lünerin mit vielen Menschen im US-Bundesstaat Utah

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Ihr Oberhaupt ist ein Prophet, mehrere Gemeinden bilden einen Pfahl - die Rede ist von den Mormonen, einer weltweit vertretenen Glaubensgemeinschaft. Auch eine Brambauerin ist Mormonin.

Brambauer

, 10.04.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ursula Rupieper ist in einem gläubigen Haushalt groß geworden. „Meine Mutter war evangelisch und wir haben eigentlich jeden Tag gebetet“, erinnert sich die heute 75-Jährige, die seit mehr als elf Jahren in Brambauer zuhause ist.

Sie gehört seit fast fünf Jahrzehnten der Glaubensgemeinschaft der Mormonen an. Im amerikanischen Bundesstaat Utah hat die Religion, der weltweit etwa 16 Millionen Menschen angehören, ihren Hauptsitz. Mehr als die Hälfte der Einwohner von Utah sind Mormonen.

Prophet ist Herzchirurg und Oberhaupt

Dort lebt und arbeitet auch der Prophet, das Oberhaupt der Mormonen. Wie normalerweise der Papst der katholischen Kirche (Ausnahme ist Papst Benedikt, Anm.d.Red.) übt der Prophet sein Amt bis zu seinem Lebensende aus. Der momentane Prophet ist Herzchirurg und fordert die Mormonen weltweit dazu auf, für ein Ende der Corona-Krise zu beten und zu fasten. „Damit Ärzte auf der ganzen Welt inspiriert werden, ein Medikament gegen das Coronavirus zu finden“, sagt Ursula Rupieper.

Ursula Rupieper mit ihrem mittlerweile verstorbenen älteren Bruder Jürgen in ihrem Zuhause in Brambauer.

Ursula Rupieper mit ihrem mittlerweile verstorbenen älteren Bruder Jürgen in ihrem Zuhause in Brambauer. © Rupieper

Ihre Mutter war „schuld“ daran, dass Ursula Rupieper die Gemeinschaft der Mormonen kennen lernte. „Sie hat ein Buch darüber gelesen. Ich war damals 26 Jahre alt und auch begeistert davon. Also haben wir uns taufen lassen.“ Da lebte die Familie noch in Waltrop. Das gehört, genauso wie Lünen, zur Gemeinde Dortmund.

Was faszinierte Ursula Rupieper so an dem Glauben der Mormonen? „Sie haben einen Propheten und zwölf Apostel, genauso wie Jesus. Deshalb nennt man die Mormonen auch ,Kirche Jesu Christi - der Heiligen der letzten Tage`.“ Stirbt der Prophet, dann wird immer der dienstälteste Apostel sein Nachfolger.

Ursula Rupieper liest jeden Morgen im „Buch Mormon“, nach dem die Glaubensgemeinschaft benannt ist. Karfreitag und Ostern sind auch für die Mormonen wichtige Feiertage. „Wir denken an die Kreuzigung Christi und seine Auferstehung, glauben auch an seine Wiederkehr.“

In der Corona-Krise sind auch die Mormonen auf moderne Technik angewiesen. Ansprachen werden im Internet übertragen. In Dortmund und Umgebung gehören 330 Menschen zu den Mormonen. Der Pfahl - vergleichbar mit einer Diözese - in der Städte aus dem Ruhrgebiet zusammengefasst sind - zählt 1600 Mormonen.

Fasten-Erlöse für Hilfsprogramme

Normalerweise findet an jedem Sonntag in Dortmund eine Abendmahlsversammlung statt und an jedem ersten Sonntag im Monat eine so genannte Fast- und Zeugnisversammlung. „Die Gemeindemitglieder werden gebeten, freiwillig das zu spenden, was sie durch das Fasten an einem Tag nicht ausgeben. Weil sie zwei Mahlzeiten nicht zubereiten, brauchen sie auch die Zutaten nicht.“ Das Geld kommt weltweit Hilfsprogrammen der Mormonen zugute. Übrigens - wer krank ist, muss nicht am Fasten teilnehmen.

Finanziert wird die Glaubensgemeinschaft nicht durch die gesetzliche Kirchensteuer, sondern durch den „Zehnten“, der ebenfalls freiwillig gezahlt wird.

In den USA gebe es Warenhäuser für Bedürftige, die die Mormonen eingerichtet haben. „Eine Bekannte von mir war auch dort und hat auf einer Wohlfahrtsfarm gearbeitet, deren Ernten ebenfalls Bedürftigen zugute kommen“, erzählt die Lünerin.

Mehr als die Hälfte der Einwohner des US-Staates Utah sind Mormonen.

Mehr als die Hälfte der Einwohner des US-Staates Utah sind Mormonen. © picture alliance / dpa

Durch die Mormonen kam Ursula Rupieper auch zur Familienforschung. Neun Jahre arbeitete sie in diesem Bereich ehrenamtlich mit. Ihr verstorbener Bruder war 14 Jahre lang ehrenamtlich als Computerfachmann beratend tätig. „Immerhin bin ich in der Ahnenforschung bis zu unserem 14-fachen Urgroßvater gekommen.“

Trotz der Kontaktsperre derzeit fühlt sich Ursula Rupieper nicht einsam. „Ich halte Kontakt über mein Smartphone, hab vor der Kontaktsperre noch einen Kurs besucht und lerne gerade, wie man mit Whats App umgeht.“ Wenn alles wieder normal läuft, wird es auch wieder direkte „Nachhilfe“ von einer Frauengruppe der Mormonen geben.

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