Der Baum als Sinnbild der Lebenskraft

Interview

Christiane Cantauw ist Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Mit Tannen kennt sich Cantauw aber mindestens genauso gut aus. In unserem Interview erklärt die Expertin, was es mit dem Brauch zu Weihnachten auf sich hat.

LÜNEN

23.12.2016, 16:33 Uhr / Lesedauer: 1 min

Seit wann steht in Deutschland der Tannenbaum an Heiligabend im Wohnzimmer? Aus dem Atlas der Deutschen Volkskunde wissen wir, dass das Anfang der 1930er Jahre noch keine Tradition war. Es gab den Baum schon früher in adeligen Kreisen und in einzelnen Haushalten oder in Gastwirtschaften. Aber Ende der 30er-Jahre hatte sich der Baum auch in den Familien durchgesetzt.Warum ein Tannenbaum? Der Baum steht sinnbildlich für Lebenskraft. Kleine Bäume gab es schon früh, zum Beispiel bei Festen der Zünfte. Christliche Traditionen waren hier aber erst spät eingebunden. In katholischen Kirchen gab es erst spät einen Weihnachtsbaum. Lange galt hier: Krippe oder Baum.Was glauben Sie, feiern wir Weihnachten in einigen Jahrzehnten?  Ich befürchte, dass der religiöse Kontext weiter in den Hintergrund treten wird. Auch wenn es für viele von uns heute kaum vorstellbar erscheint: Viele werden gar nicht mehr wissen, um was es eigentlich geht. Aber die Familien als ein Standbein dieses Festes werden das überstehen, auch wenn der religiöse Aspekt als zweites Standbein schwindet. Und das Fest wird öffentlicher: Jugendliche zum Beispiel machen so bis 22 Uhr mit bei der Familie, dann ist oft Party mit Freunden angesagt. Aber wie gesagt, das Standbein Familie als Basis, denke ich, wird bleiben.

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