Der Edeka-Spot „Danke Mama, dass du nicht Papa bist“ ist diskriminierend

rnMeinung am Mittwoch

In „Meinung am Mittwoch“ haben Gastautoren das Wort. Sie beleuchten Themen, die ihnen wichtig sind. Heute schreibt Vanessa Bliecke, was sie an der Werbung einer Lebensmittelkette stört.

von Vanessa Bliecke

Lünen

, 08.05.2019, 13:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein großer Supermarkt Konzern hat wohl anlässlich des bevorstehenden Muttertags einen neuen Werbesport produziert, um sich bei den Müttern vor dem Fernseher zu bedanken.

Gezeigt werden dabei verschiedene Szenen mit Kindern und ihren Vätern, in denen vieles nicht so rund läuft wie es sollte, um dann mit den Worten „Danke Mama, dass du nicht Papa bist“ abzuschließen.

Erziehende Väter werden schlecht gemacht

In der Vergangenheit haben mir die Werbespots dieser Kette immer sehr gut gefallen, weil sie oft mehr Tiefgang hatten, als es von Supermarktwerbungen erwartet wird. Und auch diese Werbung mochte ich bis zur Auflösung am Ende; sie ist sehr ansprechend gestaltet und hat bei mir für einiges Schmunzeln gesorgt. Die Aussage am Ende lässt den ganzen Spot jedoch in einem anderen Licht erscheinen und das gesamte Konzept dieses Spots wirkt dadurch mehr als fragwürdig. Es wird versucht, auf Kosten der Väter Dankbarkeit gegenüber den Müttern zu äußern, indem Väter bei der Kindererziehung schlecht gemacht werden. Das wird weder den Müttern und schon gar nicht den Vätern gerecht.

Der Edeka-Spot „Danke Mama, dass du nicht Papa bist“ ist diskriminierend

Vanessa Bliecke. © Magdalene Quiring-Lategahn

Besonders im Bereich der Kindererziehung sind es oft noch die Väter, die mit Vorurteilen und strukturellen Benachteiligungen zu kämpfen haben; einen solchen Spot zu drehen, der stumpf und verallgemeinert auf klischeehafte Schwächen der Männer in der Kindererziehung hinweist, finde ich nicht nur den vielen alleinerziehenden Vätern, sondern eigentlich allen Männern gegenüber ungerecht, die täglich versuchen, ihr Bestes im Familienleben zu geben.

Bei einem Spot auf Kosten von Frauen wäre der Aufschrei gewaltig

Stellt man sich einen anderen Spot in einem Bereich vor, in dem Frauen unterrepräsentiert oder benachteiligt sind mit einem ähnlichen Fazit wie „ Danke, dass du keine Frau bist“ wäre der Aufschrei (verständlicherweise) gewaltig.

Sicherlich sollte dieser Werbespot mit Humor betrachtet werden und ich bin generell kein Freund davon, alles auf die Goldwaage zu legen. Würde man den gleichen Spot zum Vatertag und ohne die diskriminierende Aussage am Ende zeigen, würde der Spot sich wahrscheinlich in die Reihe überdurchschnittlich gelungener Werbespots dieser Kette einreihen. Vielleicht wird ja auch zum Vatertag ein Spot aus der umgekehrten Perspektive gezeigt, der das ganze zumindest etwas relativieren würde. Doch im Moment bleibt bei mir (und ich nehme an Vätern geht es da schlimmer) ein bitterer Nachgeschmack, wenn ich mir diesen Spot ansehe. Denn während die gezeigten Szenen vielleicht zunächst noch witzig sind, ist die Aussage am Ende einfach nur noch diskriminierend.

Der Edeka-Spot „Danke Mama, dass du nicht Papa bist“ ist diskriminierend

Vanessa Bliecke. © Magdalene Quiring-Lategahn

Vanessa Bliecke ist Jura-Studentin
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