Der Stadt sein Vermögen vererben - wieso denn nicht? (Na gut, es gibt schon Gründe)

rnKolumne unter uns

Ein uns unbekannter Lüner vererbte der Stadt viel Geld und ein Auto. Viele halten das für falsch. Unser Autor nicht. Oder doch?

Lünen

, 27.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es gibt sie noch, Engel in Lünen: so hat unser Karikaturist sein Werk der Woche untertitelt. Er nimmt Bezug auf den uns unbekannten Lüner, der der Stadt 250.000 Euro und seinen Opel Astra Kombi hinterlassen hat. Die Kommentare im Netz dazu waren größtenteils ablehnend. Tenor: Was!? Dieser Stadt auch noch Geld schenken?

Ist das denn so abwegig?

Ich frage zurück: Ist das denn so abwegig? Denn, na klar: die eigene Familie geht immer vor. Aber ansonsten kann man sein Geld doch kaum besser verteilen.

Bei der Stadt nämlich kommt das Geld der Allgemeinheit zugute. Es könnte in Kitas fließen, in Straßen, Radwege, Parks und so weiter. Das ist, finde ich, eine ziemlich schöne Vorstellung. So könnte ich beruhigt unter der Erde liegen.

Wenn da nicht ... in der Vergangenheit das ein oder andere schief gelaufen wäre beim Thema „Geld“ und „Stadt Lünen“.

Zum Beispiel beim Bau des Bürgerzentrums in Gahmen. Die Stadt baute zu früh, verlor Fördergelder und musste eine Million Euro zusätzlich zahlen. Mit meinem Erbe? Bitte nicht!

Oder beim Thema Derivate-Spekulationen. Die Stadt machte (zu) komplizierte Geschäfte, die sie offenbar selbst nicht verstand, und verlor über 60 Millionen Euro. Das ganze mit meinem Erbe? Bitte nicht!

Die Stadt wäre vielleicht kein schlechter Erbe

Man darf natürlich dabei nicht vergessen, dass die Stadt ausschließlich mit Steuergeldern - also auch meinem Geld - hantiert. Aber da habe ich ja keine Wahl. Beim Erbe schon.

Und da wäre die Stadt vielleicht doch kein schlechter Empfänger. Schließlich wird ihre Arbeit mehrfach kontrolliert. Von uns und anderen Redaktionen, die ihr auf die Finger schauen - gerade wenn es um die Verwendung von Steuergeldern geht. Aber natürlich auch von den Lokalpolitikern, die sich ihre Freizeit um die Ohren hauen bei Ratssitzungen bis nachts um halb eins. Das sind doch eigentlich ganz gute Voraussetzungen.

Man muss auch noch etwas vererben können

Zumal: der anonyme Spender hat sein Erbe ja sogar mit einer Zweckbindung versehen. Nur für gute, soziale Zwecke soll die Stadt das Geld einsetzen. Das ganze wird Thema in der Politik, die da mitreden soll. Ist doch perfekt?

So perfekt offenbar nicht, denn es kommt ja kaum vor. Was an den oben genannten Gründen liegen könnte. Oder daran, dass man am Ende eines hoffentlich langen Lebens ja auch noch was zu vererben haben muss.

Darauf wiederum hat die Stadt ja Einfluss - Stichwort Grundsteuer B zum Beispiel. Also mein Appell: Weniger Abgaben bitte, dann habe ich am Ende vielleicht noch was zu vererben.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit sich der Diskussion zu stellen.
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